Eritreerin erzählt: Nach Wüstenmarsch endlich Boot erreicht

Ähnlich wie diesen Flüchtlingen, die  vor einigen Jahren vor Lampedusa anlandeten, erging es im August 2012 auch einer Frau aus Eritrea, die heute in der Stadt Arnsberg lebt. Mit ihr waren damals 230 Leute an Bord.
Ähnlich wie diesen Flüchtlingen, die vor einigen Jahren vor Lampedusa anlandeten, erging es im August 2012 auch einer Frau aus Eritrea, die heute in der Stadt Arnsberg lebt. Mit ihr waren damals 230 Leute an Bord.
Foto: Getty Images

Arnsberg.. Nach ihrer Schulzeit musste sie im „National Service“ von Eritrea arbeiten. Dazu gehören zunächst acht Monate Grundausbildung als Soldatin in der Armee, danach sollte sie im Rahmen des National Service eigentlich „nur“ eineinhalb Jahre für ein Taschengeld in Fabriken arbeiten, doch daraus wurden fünf Jahre - ohne Aussicht auf Besserung. Die junge Frau, die als Schreinerin arbeitete, musste damals in einem Camp leben, wo sie zwar mit Essen und Trinken und einem Schlafplatz versorgt wurde, doch aus der Armut kam sie nicht heraus.

„Ich hatte hier keine Zukunft“, berichtete die junge Frau, deren Namen unsere Zeitung mit Rücksicht auf das schlimme Schicksal der Eritreerin nicht nennt. Im Camp war die junge Frau auch zum Opfer sexueller Gewalt geworden. So gab es für sie nur eins: „Weg von hier!“

Lebensgefährliche Reise

Mit fünf weiteren Eritreern marschierte sie im Jahr 2011 zwei Tage lang Richtung sudanesischer Grenze, um illegal einzureisen. Etwa eineinhalb Jahre schlug sie sich dann dort durch: Sie übernahm u. a. einfache Jobs in Restaurants. Dann fasste sie den Entschluss, mit einem Schiff von Libyen nach Italien zu fliehen. Dabei hatte sie eine lebensgefährliche Reise vor sich.

Sechs Tage marschierte sie durch die Sahara, bis sie in einer libyschen Hafenstadt ein Flüchtlingsboot erreichte. Als der Tag der Flucht anstand, hatte sie Glück. Das Meer war ruhig und mit 230 weiteren Afrikanern landete das Boot auf Lampedusa an. Von dort ging es weiter zu einem Flüchtlingslager in Rom, „wo die Unterbringung (Essen etc.) schlecht war“ , sagt die Eritreerin.

Baby in Deutschland geboren

In dem Lager lernte die junge Frau einen Mann aus ihrem Heimatland kennen, verliebte sich und wurde schwanger. Doch der Mann ließ sie sitzen und kümmerte sich nicht mehr um sie. Letztlich floh sie aus dem Lager, setzte sich in Rom in einen Zug und fuhr bis Dortmund, wo schon ein Bekannter aus Eritrea wohnte. Hier wurde dann das Asylverfahren eingeleitet, das bis heute noch nicht entschieden ist. Vom Übergangsheim Hemer, wo ihre Tochter geboren wurde, kam sie nach Arnsberg. Hier sucht sie nun eine neue Zukunft. Der Flüchtlingshilfe-Verein und der Internationale Arbeitskreis helfen ihr kräftig. Die junge Frau besucht bereits seit einiger Zeit Deutschkurse.

Familien-Picknick mit Asylbewerbern in Hüsten

Die Hüstener GemeindeteamsSt. Petri und Heilig Geist laden gemeinsam mit dem Caritasverband zu einem Familien-Picknick ein, zu dem auch besonders - als Nachbarn - die Bewohner des Asylbewerberheims am Berliner Platz in Hüsten eingeladen sind. Das Familien-Picknick findet am Sonntag, 28. September, von 11 bis 15 Uhr auf der Schulhof der früheren Ruhrschule (Am Hüttengraben in Hüsten) statt. Die Teilnehmer werden gebeten, etwas zum Essen und Trinken mitzubringen. „Mit dieser Aktion wollen wir die Asylbewerber kennen lernen und ein zeichen des Willkommenssetzen“, sagt Pfarrer Röttger.