Die Aufgaben nehmen weiter zu

Hüsten..  Die Baulücke neben dem Gebäude des Vereins für Kinder- und Jugendhilfe Arnsberg e.V. in der Hüstener Marktstraße 59 ist nun endlich geschlossen: Der Verein hat 2014 das Haus mit den dazugehörigen drei Flurstücken gekauft und sich für einen Anbau entschieden.

„Wir haben in dem Haus über 30 Jahre zur Miete gewohnt. Jetzt mussten wir handeln, da wir dringend mehr Platz benötigen. Deshalb auch der Anbau“, betont Michaela Plaßmann als Geschäftsführerin des Vereins. Bis 2000 war in dem Gebäude auch noch eine Wohngruppe mit Jugendlichen untergebracht. „Wir wollten hier nicht weg und eine 450 Quadratmeter große Immobilie findet man nicht so einfach an jeder Ecke. Hier sind wir eben Zuhause“, sagt Plaßmann. Im Anbau werden neue Büros sowie Beratungs- und Schulungsräume eingerichtet. Er hat eine Größe von rund 350 Quadratmetern auf drei Etagen.

Kindeswohl im Vordergrund

Die Aufgaben seien in den letzten Jahren für den Verein größer geworden. „Wir haben mehr Anfragen an Pflegefamilien“, weiß Martin Schemm, Co-Berater und Sozialpädagoge der „Westfälischen Pflegefamilien“. Das Wohl des Kindes stehe immer im Vordergrund, da die Sensibilität im Erziehungsbereich in den letzten Jahren stark gestiegen sei. „Wir haben genug Anfragen von den Jugendämtern. In den letzten Tagen sogar aus Berlin“, so Schemm.

Die Kinder- und Jugendhilfe übernimmt die Betreuung gemeinsam mit den Pflegefamilien der Kinder und Jugendlichen. Diese kommen aus Familien mit massiven Erziehungsproblemen, aber auch aus Familien, in denen Erkrankungen der Eltern vorliegen. „Wir haben ambulante und stationäre Erziehungshilfen“, erklärt Plaßmann.

Der Verein betreue mit seinen 50 Mitarbeiter/Innen rund 60 Pflegekinder in einem Umkreis von 100 Kilometern. Durch das umfangreiche Betreuungskonzept habe nun mehr Platz geschaffen werden müssen. „Wir holen dabei auch die leiblichen Eltern mit ins Boot. Sie haben schon schweren Herzens ihre Kinder in eine andere Obhut gegeben“, erläutert Plaßmann. Der Verein sei ein Spezialdienst für die Jugendämter. Der Schwerpunkt der Arbeit sei diagnostisch, dabei werde die gegenwärtige Situation in der jeweiligen Familie erfasst und die Bindungsgestaltung analysiert. „Wir sehen die Kinder und Eltern eben als Gesamtheit in ihren sozialen Bezügen“, betont Martin Schemm.

Einweihung mit Tag der offenen Tür

Bei der ambulanten Diagnostik könnten sie in einem Zeitraum von vier Monaten eine fundierte Einschätzung zu den Entwicklungsmöglichkeiten einzelner Familienmitglieder und möglicher psychischer Erkrankungen abgeben.

Auf den demografischen Wandel angesprochen, lacht Plaßmann: „Den kennen wir in unserem Arbeitsfeld nicht.“ Deshalb sei es die zentrale Aufgabe des Vereins, neue Pflegeeltern zu akquirieren. „Sie sollten einen gesunden Menschenverstand, Gelassenheit und Humor haben. Das Professionelle bringen wir rein.“

Ein Betreuer betreut zirka zehn Familien. Er berät krisenunabhängig an der Seite der Familie. „Im Vordergrund stehen die Erziehung und Versorgung der Kinder bei den Herkunftseltern. Erst, wenn nichts mehr geht, kommt der einschneidende Schnitt“, äußert Plaßmann. Es könne sein, dass die Kinder zwischen 3 und 12 Jahren bei den Pflegefamilien bleiben. Für dringende Fälle gebe es Bereitschaftsfamilien: Diese nehmen die Kinder und Jugendlichen für eine gewisse Zeit auf. Zudem existiert in Neheim noch ein Haus mit einer stationären Gruppe, in der diagnostisch gearbeitet werde.

Der neue Anbau in der Marktstraße soll im August eingeweiht werden. „Das wollen wir mit einem Tag der offenen Tür feiern,“, kündigt Geschäftsführerin Michaela Plaßmann schon jetzt an.

Info

Der Verein für Kinder- und Jugendhilfe Arnsberg ist seit 1981 als anerkannter Jugendhilfeträger tätig.

Im Lauf der Jahre hat der Verein seine Angebote ständig weiterentwickelt.

Bedarfsgerechte Gestaltung der Leistungen und eine kontinuierliche Qualitätssicherung sind dabei eine Selbstverständlichkeit.

Der Verein arbeitet in einem abgesicherten Kooperationsverbund mit dem System „Westfälische Pflegefamilien“ zusammen.

Dieser besteht aus 40 Trägern der freien Jugendhilfe mit insgesamt zirka 1200 Kinder und Jugendlichen.