Der Möppel bellt, die Eulen rufen: Namensforscher sind aktiv
14.02.2012 | 08:41 Uhr 2012-02-14T08:41:00+0100
Arnsberg. In Neheim bellt der Möppel, in Hüsten stehen die Kälber, in Müschede rufen die Eulen, in Herdringen kreisen die Krähen, in Bruchhausen watscheln die Enten und in Voßwinkel schleichen die Füchse. Woher kommen diese Namen?
„Brehms Tierleben“ müsste eigentlich im Arnsberger Stadtgebiet viele Anschauungsobjekte vorweisen können, doch die Tiere sind seit vielen Jahren nur die Spitznamen für die jeweiligen Stadtteilbewohner. Im Gespräch mit der „Eule“ Albert Hoffmann wollte die WAZ-Mediengruppe den Ursprung der Spitznamen herausfinden.
Der 78-jährige Müscheder Albert Hoffmann beschäftigt sich schon seit langem mit der Heimat- und Ortsnamensgeschichte. Bei seinen Recherchen stieß er im Internet auf ein Forschungsprojekt zur Ortsnamensgeschichte, mit dem sich an der Universität Münster unter anderem der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Michael Flöer beschäftigt. „Dr. Flöer teilte mir mit, dass die Tierbezeichnungen entweder für die Orte charakteristisch sind bzw. lange Zeit waren oder aber den dort lebenden Menschen bestimmte Eigenschaften zuschreiben sollten“, erzählt Albert Hoffmann.
Da der eigentliche Ursprung der Spitznamen heute wohl nicht mehr eindeutig zu klären ist, wird es wohl letztlich auf die Betrachtungsperspektive ankommen. Heute am Ort lebende Herdringer weisen auf die starken „Krähen-Populationen“ in früheren Jahrhunderten hin, um den Ursprung des Spitznamens für die Dorfbewohner zu erklären.
Ähnlich verfährt Albert Hoffmann für Müschede. „Früher gab es viele Eulen in Müschede, zum Beispiel am Müssenberg. Auch in den Steinbrüchen gab es Nistplätze.“ Die Eulen-Namenstradition wird darüber hinaus in Müschede hochgehalten. So ziert eine schöne Eule die Müscheder Schützenhalle und die Dorfkinder kommen im Eulenkindergarten zusammen. In Herdringen heißt der Kindergarten „Krähennest“ und in Bruchhausen gibt es die Kindertagesstätte „Entenhausen“.
Schützenfestgäste fühlten sich wie die Enten
Bei der Suche nach den Gründen, warum Bruchhausen das Entendorf ist, stieß Albert Hoffmann auf einen Bericht in den „Müscheder Heimatblättern“. Dort schrieb der Autor Jünkelte-Kündel, dass es auf dem recht spät im Sommer gefeierten Bruchhauser Schützenfest häufig geregnet habe. Der Regen hätte - so die Überlieferung - den Schützenhof alljährlich so hoch unter Wasser gesetzt, dass den Bruchhausern im Laufe der Jahrhunderte schon fast Schwimmhäute hätten wachsen müssen. „Der Überlieferung zufolge müssten sich Schützenfestbesucher wohl schon wie Enten im Wasser gefühlt haben“, schmunzelt Albert Hoffmann, der hierauf aber nicht den populären Ententanz zurückführen will.
Ein auf den ersten Blick angenehmeres Tier als Spitznamen haben die Voßwinkeler, denn Voßwinkel gilt als „Fuchsdorf“. Denn es klingt ja schöner, im Dorf der schlauen Füchse zu wohnen als bei den Krähen zu leben, wobei ein in diesem Sinne provozierter Herdringer dann die Hinterlist eines Fuchses verurteilen könnte. Dass im Ortsnamen „Vosswinkel“ schon der Name „Fuchs“ steckt, wissen allerdings nicht viele Bürger. Denn früher bezeichnete man den männlichen Fuchs als „Voss“ und die Füchsin als „Vohe“. Diese Füchse wiederum lebten in einem Winkel (später im „westlichsten Winkel“ des Altkreises). Den Fuchs halten die Voßwinkeler hoch in Ehren, sein Bild ziert auch das Jubiläums-Logo zum 825-jährigen Bestehen des Dorfs.
Dass die Hüstener den Beinamen „Kälber“ tragen, führen Albert Hoffmann und auch noch andere Heimathistoriker auf die Tierschau bei der über 1000-jährigen Hüstener Kirmes zurück. Prachtvolle Zuchtkälber prägen bis heute die Tierschau.
Warum nun die Neheimer bei ihrem Spitznamen ausgerechnet auf den Hund gekommen sind, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Der von Albert Hoffmann hinzugezogene Münsteraner Ortsnamensforscher Flöer sieht den Bezug von Mops zu Möppel. Vom typischen Gesichtsausdruck des Mopses, der vielen Menschen einen mürrischen Eindruck vermittelte, wurde auf den Menschen, den Möppel in Neheim, geschlossen. Von diesem trotzigen Menschenschlag fühlten sich die Hüstener Kälber allerdings im Laufe der Geschichte manchmal untergebuttert, was bis heute das „ganz besondere Verhältnis“ zwischen Neheimern und Hüstenern begründet.
Forschungsunternehmen
Das Forschungsunternehmen „Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe – Onomastik im europäischen Raum“ ist ein Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Die Forschungsstelle ist in einem Dienstgebäude der Universität Münster untergebracht. Unter www.ortsnamen.net finden sich viele Informationen zum Forschungsprojekt.
Sämtliche Ortsnamen des Untersuchungsgebiets einschließlich der Wüstungsnamen werden auf der Grundlage ihrer historischen Belege kritisch erschlossen und sprachwissenschaftlich nach Herkunft und Deutung etymologisch, morphologisch und typologisch untersucht, wobei die Bände des Niedersächsischen Ortsnamenbuches als Vorbild dienen. Nach Abschluss der einzelnen Projektphasen (Westfalen, Niedersachsen/Bremen, Sachsen-Anhalt) werden Kartierungen und Abhandlungen zu Fragen nach der Herkunft, den etymologischen Verbindungen und der Siedlungsgeschichte Auskunft geben. 2012 soll ein Ortsnamenbuch für den HSK erscheinen.

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