Das Zuhören ist eine pure Freude

Oelinghausen..  Das Pfingstfest erhält in der Klosterkirche Oelinghausen nicht nur durch festliche Gottesdienste, sondern seit langem auch durch Konzerte besonderen Glanz. An diese Tradition von Musica Sacra erinnerte der Vorsitzende des Freundeskreises Oelinghausen, Dr. Günter Bertzen, bei der Begrüßung an den beiden sehr gut besuchten Konzertabenden.

Pfingstsonntag kamen aus Berlin Mezzosopranistin Annette Theis und Cembalist und Organist Meinolf Brüser. Einen Schwerpunkt bildeten Instrumental- und Vokalwerke des Frühbarock aus Italien und Deutschland. Eine musikgeschichtlich höchst interessante Zeit: Nach den mehrstimmigen Vokalwerken des 15. und 16. Jahrhunderts entstanden erstmals eine eigenständige Instrumentalmusik und solistische Gesänge.

Anna Stegmann mit „Heimspiel“

Diese neuen Instrumentalwerke mit Läufen und Trillern u.a. von Frescobaldi, Cavazzoni und Frohberger wurden von Meinolf Brüser auf der Barockorgel farbig registriert dargeboten. Annette Theis gestaltete die Sologesänge der „nuove musiche“ affektgeladen und gefiel durch warmes Timbre und behände Koloraturen. Durch Choralvorspiele und kurze Lesungen von Pfarrer Dietmar Röttger (Pfingstmontag trug Susanne Stegmann vor) wurde das Konzert in den Pfingstgedanken eingebettet.

Pfingstmontag kam es nach drei Jahren wieder zu einem „Heimspiel“ der in Holzen aufgewachsenen und in Amsterdam lebenden Blockflötistin Anna Stegmann. Inzwischen ist die Expertin für Blockflötenspiel international gefragt und wurde als Dozentin an die „Royal Academy of Music“ in London berufen. Kein Wunder, dass in Oelinghausen die Klosterkirche von einem erwartungsvollen Publikum gefüllt war und Stühle hinzugestellt werden mussten.

Nachdem das erste Pfingstkonzert dem Frühbarock gewidmet war, gab es am zweiten Abend Werke des Hochbarock, der Bach-Händel-Zeit. Die Instrumentalmusik hatte sich weiter entfaltet, die Spieltechniken waren differenzierter geworden, virtuoses Spiel wurde in den Salons beliebt.

Mit dieser Musik konnte Anna Stegmann punkten. Dabei erwies sich der aus Mailand stammende und ebenfalls aus Amsterdam angereiste Andrea Friggi als äußerst zuverlässiger, technisch versierter und einfühlsamer Begleiter am Cembalo. Es war eine Freude, dem Spiel der beiden exzellenten Künstler zuzuhören und zuzusehen. Gespielt wurden Suiten und Sonaten von Komponisten der damals führenden Musiknationen: Dieupart, Paisible, Pepusch, Castrucci, Purcell, Händel – ein wahrhaft europäisches Konzert. Auch zu den Stammsätzen der Suite hatten die Länder jeweils ihren tänzerischen Beitrag geleistet: Allemande, Courante, Sarabande, Gigue.

Das Blockflötenspiel von Anna Stegmann ist einfach perfekt: Die bisweilen starren Töne der Flöte leben bei ihr, ähneln teilweise beseeltem Gesang. Artikulation und Phrasierung zeichnen sinnvoll die Strukturen der Musik nach. Läufe perlen mit atemberaubender Virtuosität. Nicht zuletzt dies führte zu begeistertem, stehendem Applaus.

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