Das aktuelle Wetter Neheim-Huesten 12°C
Wirtschaft

Das Geschäft mit Musikalben versiegt

05.08.2010 | 17:02 Uhr
Das Geschäft mit Musikalben versiegt
Die Tonträger im Score-Shop werden verschwinden. Laden-Inhaber Marco Plaumann trennt sich von seinem einstigen Stammgeschäft.

Neheim.Noch, so steht es weiß auf blau, gibt es hier „Records“ zu kaufen. Doch das Ende des einstigen Stammgeschäfts von Score mit Tonträgern ist besiegelt. „Bis zum Ende des Jahres werden wir keine CDs oder Platten mehr führen“, sagt Marco Plaumann.

Die Enttäuschung über das Ende der 15-jährigen Tradition merkt man dem 38-Jährigen im Gespräch an. Schließlich liegen seine Wurzeln in der Musikbranche. Als Labelchef von 25-Cent-Records brachte er früher selbst Tonträger heraus. Andere CDs und Schallplatten verkaufte Plaumann Anfang der 90er von seiner Garage aus. „Die Leute kamen vorbei, kramten in meinen Kisten, tranken einen Kaffee oder auch mal ein Fläschchen Bier“, erinnert sich der Neheimer an die gemütliche Anfangszeit zurück. Nebenbei gab es auch Kleidung bei ihm zu kaufen. Der Entschluss, sich selbstständig zu machen, reifte. „Mit Enthusiasmus“, sagt Plaumann, ging es 1995 vom einstigen Garagenverkauf in das erste eigene Ladenlokal in die Innenstadt von Neheim.

15 Jahre später betreibt Marco Plaumann an der Mendener Straße, nahe des Marktplatzes, seinen Laden. Die Tonträger-Abteilung befindet sich in der ersten Etage. In den Regalen klaffen bereits große Lücken. Die „Musiktheke“, an der Fans von Underground-Musik früher häufig neuen Klängen lauschten, ist verwaist. Die Plattenteller sind leer und haben sich schon lange nicht mehr gedreht. Neue Alben kommen nicht mehr rein. Der Ausverkauf hat begonnen.

Neue Hörgewohnheiten

Manche junge Kunden können sich gar nicht vorstellen, wie man mit diesen Apparaten Musik hören konnte. Die junge Generation wächst mit MP3-Playern statt mit einzelnen Tonträgern auf. Musikinhalte kaufen sie - und viele Ältere auch - dort, wo sie am billigsten sind. „Meistens im Internet“, weiß der Geschäftsmann, oder als schlichte Datei in einem Online-Shop wie iTunes. „Wer kauft denn noch physische Tonträger?“, stellt Plaumann in den Raum. Vermissen denn Musikfans nicht die fachliche Beratung im Musikgeschäft? Auch dort hat das Netz dem spezialisierten Plattenladen offenbar den Rang abgelaufen. „Die Leute tauschen sich in Internetforen aus und finden dort Gleichgesinnte.“ Das ist 24 Stunden am Tag möglich.

„Mit einem weinenden Auge“, schildert der 38-Jährige, trenne er sich nun von seinem Ursprungsgeschäft und konzentriert sich auf Streetwear. Lange habe er sich dagegen gewehrt. Ein aussichtsloses Unterfangen, angesichts der übermächtigen Konkurrenz im Netz. Das Geschäft lohnt sich schon lange nicht mehr. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Lage verschärft. Eine große Verantwortung am Niedergang des Tonträgerverkaufs schreibt Plaumann der Musikindustrie zu. „Hätten die Musikfirmen die CDs für einen Preis von zehn Euro in die Geschäfte gebracht, hätten sie sich bestimmt besser verkauft“, meint der Neheimer. Neue Alben schlagen auf CD jedoch mit bis zu 18 Euro zu Buche.

Neue Sortimente

Der Musik verbunden bleibt Plaumann im Laden zumindest durch seinen Ticketverkauf für Konzerte und Comedy. „Ein boomendes Geschäft“, sagt der Geschäftsmann. Ausgedehnte Tourneen, so seine Einschätzung, seien eine indirekte Folge einbrechender CD-Verkäufe. Auch Musiker müssen umdenken und neue Erlösquellen finden.

Durch das Wegfallen des Schallplatten- und CD-Bereichs gibt es bei Score nun Platz für neue Ideen. „Man muss sich immer neu erfinden, um am Markt zu bleiben“, äußert der Geschäftsmann. Die Planungen zur Nutzung der frei werdenden Fläche sind allerdings noch nicht spruchreif und stecken in den Kinderschuhen.

Eine Entwicklung, die Plaumann sich nicht erträumt hat, in der er eine neue Herausforderung sieht. „Was nützt es mir, sich alte Zeiten zurück zu wünschen?“, fragt der 38-Jährige. Und falls doch noch einmal ein langjähriger Kunde nach einer seltenen Japan-Pressung fragt, dann will Plaumann weiterhin behilflich sein. Die Musik lässt ihn nicht los. Und zwar auf physischen Tonträgern. „Zuhause höre ich keine MP3, sondern lege eine Schallplatte auf“, sagt der Musikfan. Im Privaten bleiben „Records“ die große Leidenschaft des Score-Inhabers.

Stefan Rebein

Facebook
 
Kommentare
07.08.2010
09:02
Das Geschäft mit Musikalben versiegt
von Derverkaeufer | #4

Ja ja so ist es immer!

Alle anderen sind Schuld!?

Vielleicht liegt es ja auch an dem nicht zeitgemäßen Angebot?

07.08.2010
02:00
Das Geschäft mit Musikalben versiegt
von olleMoll | #3

@2 hallo
steffi willkommen im 21 Jahrhundert

06.08.2010
11:55
Das Geschäft mit Musikalben versiegt
von Steffi | #2

Doch, CDs kaufe ich noch; auch Schallplatten, die allerdings seltener, weil sie eben doch ganz schön zu Buche schlagen.
Vielleicht falle ich mit 19 auch einfach nicht in die Schiene derer, die nicht wissen wie man sowas benutzt, aber naja.. ^^

Natürlich lade ich auch runter, ich habe die CDs aber gerne im Regal stehen. Denn: Wenn das Betriebssystem mal neu aufgespielt werden muss oder die Festplatte auf der die Musik gespeichert ist kaputt geht muss ich die Dateien ja neu kaufen - eine CD muss ich dann nur überspielen.

Natürlich sind CDs teuer, und es ist auch nicht jeden Monat eine drin, aber es gibt ja auch oft genug Sonderangebote, die auch neeue Platten einschließen.

06.08.2010
10:33
Das Geschäft mit Musikalben versiegt
von Enkipenk | #1

Tja, die Welt dreht sich eben weiter...ich weiß gar nicht, wann ich meine letzte CD gekauft habe. Bestimmt 10 Jahre her.
Vielleicht hört dann auch endlich mal dieser Größenwahn der Musikindustrie auf und die Künstler fangen mal wieder an Musik zu machen statt nur Konsum.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3412863/create

Umfrage
Soll aus dem Freibad Neheim ein

Soll aus dem Freibad Neheim ein "Bürgerbad" werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schwimmfest des SV Neptun
Bildgalerie
Schwimmen
Unwetter über Sundern-Amecke
Bildgalerie
Unwetter
Arnsberger Woche 2012
Bildgalerie
Fest
Busunfall in Arnsberg
Bildgalerie
Unfall
Aus dem Ressort
Die Freilichtbühne als großes Abenteuerland
Theater
Birgit Simmler und Peter Hohenecker arbeiteten als Regisseure in Berlin. Dann folgten sie dem Ruf der Freilichtbühnen, wurden Spielleiter der Freilichtbühnen Hallenberg und Herdringen - und haben sich ins Sauerland verliebt.
71-Jähriger mit Pkw 400 Meter von Eurobahn mitgeschleift
Bahnunfall
Der Fahrer eines Pkw aus Ense im Kreis Soest hatte keine Chance. Der 71-Jährige wurde mit seinem Auto an einem Bahnübergang zwischen Westönnen und Werl von einer heranfahrenden Eurobahn erfasst und 400 Meter mitgeschleift. Die Feuerwehr schnitt den Toten aus dem Fahrzeugwrack.