Bürgermeister: „Franz Stocks Wirken macht auch heute Mut“

Der wiedergewählte Vorstand des Franz-Stock-Komitees mit Bürgermesiter Vogel und
Der wiedergewählte Vorstand des Franz-Stock-Komitees mit Bürgermesiter Vogel und
Foto: WP

Neheim..  Zur Mitgliederversammlung des Franz-Stock-Komitees (FSK), die besonders an den plötzlichen Tod des Neheimer Gefangenenpriesters Abbé Franz Stock vor 68 Jahren erinnerte, hieß Vorsitzender Pfarrer Stephan Jung neben den etwa 70 Mitgliedern aus der gesamten Bundesrepublik besonders Marie-France Benoist von den Les Amis aus Frankreich, den Ehrenvorsitzenden des FSK, Pfarrer i. R. Franz Schnütgen, und Bürgermeister Hans-Josef Vogel willkommen.

Vortrag des Bürgermeisters

Vor Abwicklung der Regularien in der Jahreshauptversammlung des Franz-Stock-Komitees würdigte Bürgermeister Vogel in einem knapp 30-minütigen Vortrag das Leben des Priesters Franz Stock, wie schon vor 70 Jahren Nuntius Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII.: „Franz Stock, das ist kein Name, das ist ein Programm“. „Wir müssen lernen, dass Franz Stock ein Programm ist, das uns als Individuen, als Bürgerschaft, als Stadt, als Gesellschaft, als Politik Orientierung liefert“, so der Bürgermeister. Franz Stock sei an die Grenzen der Ungerechtigkeit, des Verlustes von Heimat, Hab und Gut, des Schmerzes, der Ignoranz und an die Grenzen jeglichen Elends gegangen.

Durch seine aufopferungsvolle harte Arbeit habe er Einsamkeit in Gemeinschaft, Mutlosigkeit in Mut, Hoffnungslosigkeit in Perspektive, Lagerhaft in Schul- oder Studienzeit verwandelt. Dabei habe er u. a. auch mit den Flüchtlingen und Vertriebenen des Nationalsozialismus in Paris und mit den von den Nazis zum Tode verurteilten und am Pfahl erschossenen Menschen zusammen gearbeitet. Er sei dabei über seine Grenzen hinausgegangen und hinabgestiegen in die Hölle des Menschen, in die Nazi-Gefängnisse und zu deren Hinrichtungsstätten. Deshalb nennen ihn die Franzosen „Seelsorger und Erzengel in der Hölle“.

Bürgermeister Vogel bezeichnete das Programm von Franz Stock als „ein universelles Programm der grenzüberschreitenden Solidarität, der handelnden Aufmerksamkeit für die von der Gesellschaft oder von Staaten Ausgeschlossenen und Ausgegrenzten“, und stellte somit einen Bezug zur heutigen Zeit her. Denn: „Wer das Prgramm „Franz Stock“ heute liest, der liest eine Kommentierung unserer Zeit, mit der Aufforderung, alles zu tun, europäisch zu denken, nicht wieder in den Nationalismus zurückzufallen, solidarisch zu sein und die Voraussetzungen dafür zu schaffen: gebildet in der eigenen Kultur und in der Kultur der anderen, der europäischen Nachbarn.“ Deshalb habe unsere Stadt als Geburts- und Heimatstadt von Franz Stock eine besondere Verpflichtung als Bürgerschaft, geflüchtete Menschen wertzuschätzen, zu ihnen zu gehen und ihre „Ankunftsorte“ in Gestaltungsorte, in Zukunftsorte zu verwandeln, wo aus Geflüchteten Mitbürger und Nachbarn werden, und ihnen zu zeigen: Franz Stock lebt!

Erfolgreiches Jahr 2015

In seinem Geschäftsbericht blickte Komitee-Vorsitzender Stephan Jung auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurück und erinnerte an die Publikationen über Franz Stock, an die Wanderausstellung „Frieden als Auftrag“ in verschiedenen deutschen Städten, an die Ausstellung in Paris, an „50 Jahre Franz-Stock-Denkmal“ mit neuer Info-Säule, an das Ende des Stacheldrahtseminars Chartres (heute „Europäisches Begegnungszentrum“) vor 70 Jahren, an das Visitationsgespräch mit Weihbischof Berenbrinker, und an die Klausurtagung der Franz-Stock-Komitees aus Frankreich und Deutschland in Meschede. Madame Marie-France Benoist (Paris) gab einen Überblick über die Aktivitäten der „Les Amis de Franz Stock’ in Frankreich. Im vergangenen Jahr hätten 5600 Gäste das Europäische Begegnungszentrum besucht, davon über 1200 Jugendliche. Erfreulich ist auch wieder die Mitgliederentwicklung des FSK mit derzeit 488 Mitgliedern. Man hofft, bald die 500er Marke knacken zu können. Der Kassenbericht von Frank Trompeter wies eine gesunde Kassenlage aus.

HINTERGRUND

Thomas Bertram vom Franz-Stock-Komitee (FSK) gab bekannt, dass zur Zeit in Balve die Wanderausstellung und der „Zenetti-Kreuzweg“ zu sehen ist und dass das FSK am Katholikentag in Leipzig (25. - 29. Mai) teilnehmen wird.

Teilnehmer des Weltjugendtages in Krakau aus den Bistümern Le Mans und Chartres werden am 18./19. Juli in Neheim zu Gast sein. Dafür werden noch einige Quartiere gesucht.

Seminaristen aus den Bistümern Paderborn, Freiburg, Paris und Chartres werden im Zusammenhang mit der Schließung des Stacheldrahtseminars vor 70 Jahren Chartres besuchen. Aus gleichem Anlass bietet das Franz-Stock-Komitee eine Fahrt vom 19. bis 24. Juni dorthin an.