Anteil der Urnengräber stieg in 8 Jahren von 23 auf 67 %
27.09.2012 | 19:41 Uhr 2012-09-27T19:41:00+0200
Arnsberg. Der Rat der Stadt Arnsberg beschloss jetzt die geplante Erhöhung der Friedhofsgebühren um durchschnittlich sechs Prozent ab 1. Oktober 2012.
Mit der Gebührenerhöhung ist bei Erd- und Urnenwahlgräbern, die man bisher für 40 Jahre erwarb, eine verkürztes Nutzungsrecht verbunden. Erdwahlgräber werden nur noch für 30 Jahre und Urnenwahlgräber nur noch für 20 Jahre vergeben.
Rainer Schörnich, Leiter des städtischen Friedhofswesen, begründete dies Leistungseinschränkung folgendermaßen: „Die Stadt Arnsberg erhält mittlerweile im Jahr etwa 150 bis 200 Anträge auf vorzeitige Beendigung der Ruhezeit. Dies hängt damit zusammen, dass die Menschen heute deutlich älter werden als noch vor 50 oder 60 Jahren. Manche Angehörige, die Verstorbene mit einem erreichten Lebensalter von über 80 oder 90 Jahren betrauern, sind heute oder schon in wenigen Jahren selbst in einem Seniorenalter, das eine längerfristige Grabpflege nicht mehr ermöglicht. So liegt die Rückgabe von Grabrechten nahe, was auch jüngere Angehörige, zum Beispiel wegen Umzugs, öfters beantragen.“
Beim Verkauf von Doppelgruften (Erdwahlgräbern für Sargbestattung) werfen Kritiker allerdings der Stadt Preistreiberei vor. Denn wenn ein Ehepartner deutlich früher als der andere verstirbt, muss bei einer Doppelgruft - bei nun verkürzter Ruhezeit - beim Tod des anderen Ehepartner erheblich „Ruhezeit“ nachgekauft werden. Rainer Schörnich bestreitet diesen Effekt der neuen Gebührenordnung nicht, sieht in diesen Fällen aber heutzutage eher Einzelfälle. Denn es gebe auch kostengünstige Begräbnisalternativen. So werde mittlerweile häufig auf das schon bestehende Sarggrab eines Ehepartners die Urne des später verstorbenen Ehepartners gesetzt. Dies sei ein rechtlich zulässiges Verfahren.
Den starken Trend zur Urnenbestattung machte Schörnich mit imposanten statistischen Zahlen deutlich: „Im Jahr 2003 lag der Anteil der Urnenbestattungen in Arnsberg noch bei 23 Prozent, im Jahr 2011 betrug er schon 67 Prozent. In absoluten Zahlen gesprochen: Von insgesamt 725 Bestattungen auf städtischen Friedhöfen im Jahr 2011 waren 470 Urnenbeisetzungen. Zum Vergleich: In Lübeck liegt der Anteil von Urnenbestattungen schon bei 90 Prozent.“
Im Internet gibt’s schon den virtuellen Friedhof
Der Wandel in der deutschen Bestattungskultur hängt zentral mit dem Willen zusammen, dass Angehörigen keine jahrelange Grabpflege zugemutet werden soll. Hinzu kommt, dass Angehörige oft nicht mehr in der Nähe des Friedhofs wohnen. Im Internet unter www.strassederbesten.de kann man jetzt sogar auf einem virtuellen Friedhof seine Angehörigen betrauern, kostenlos Gedenkseiten erstellen und virtuelle Gedenkkerzen entzünden.
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