33-jähriger Abenteurer aus Neheim durchquert Grönland auf Skiern

Stephan Mertesdorf am Ziel. Der Neheimer durchquerte Grönland auf Skiern von Westen nach Osten.
Stephan Mertesdorf am Ziel. Der Neheimer durchquerte Grönland auf Skiern von Westen nach Osten.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Vier Wochen auf Skiern durch ungezähmte Natur, alpine Landschaften und völlige Einsamkeit. Für viele Menschen ist das keine besonders reizvolle Vorstellung. Doch für den gebürtigen Neheimer Stephan Mertesdorf ist damit ein großer Traum in Erfüllung gegangen: Zusammen mit einer 14-köpfigen Expeditionsgruppe überquerte der 33-Jährige auf Skiern Grönland von Westen nach Osten.

Neheim/Grönland.. Die Expedition fand anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des norwegischen Polarforschers Fridtjof Nansen statt, der 1888 mit seiner Grönland-Überquerung beweisen wollte, dass das gesamte Landesinnere der größten Insel der Welt mit Eis bedeckt ist. „Es war ein unvergesslich schönes Erlebnis“, berichtet Stephan Mertesdorf, „die arktische Natur mit Bergen, Schnee, Eis und Meer ist einfach faszinierend“.

Schon auf Mont Blanc und Kilmandscharo

Seit einigen Jahren ist der Hobbybergsteiger, der schon den Mont Blanc, Kilimandscharo und Großglockner erklomm, mit dem Abenteuer-Virus infiziert. „Ich möchte immer wieder neue Dinge entdecken, an meine Grenzen und darüber hinaus gehen“, erzählt Stephan Mertesdorf.

Nachdem der Diplom-Kaufmann 2007 mit seiner Arbeitsstelle nach Oslo auswanderte, lernte er dort die norwegische Abenteurerin Cecilie Skog kennen, die ihm von ihrer Grönland-Überquerung erzählte. Seitdem ließ den Wahlnorweger die Idee, sich einer solchen Expedition anzuschließen, nicht mehr los.

Im Sommer letzten Jahres nahm er dann Kontakt mit einem norwegischen Expeditions-Anbieter auf. „Anmelden kann sich jeder, der möchte“, so Stephan Mertesdorf, „aber der Anbieter guckt dann, ob man gewisse Anforderungen erfüllt und in die Gruppe passt“.

Stephan Mertesdorf absolvierte hartes Trainingsprogramm

Um sich auf die Belastungen der anstrengenden Tour möglichst realistisch vorzubereiten, unternahm der 33-Jährige ein hartes Trainingsprogramm. So schnallte er sich in den warmen Monaten zwei Autoreifen als Gewichte um und zog damit durch die Wälder rund um Oslo. Im Winter stieg er auf die originale Ausrüstung aus Skiern und Schlitten mit 70 Kilogramm Gepäck um. „Seit klar war, dass ich mitmachen werde, habe ich jeden Tag trainiert“, erzählt er, „zusätzlich habe ich mehr gegessen und versucht, ganz viel Muskelmasse zuzulegen“.

Stephan Mertesdorf in einer Expeditionsgruppe mit elf Norwegern unterwegs

Anfang Mai war es dann soweit: Die Expeditionsgruppe aus elf Norwegern, einer Dänin, einer Schweizerin und Stephan Mertesdorf machte sich auf den 550 Kilometer langen Weg von Kangerlussuaq nach Isortoq. Bei Tagestemperaturen von unter -30 Grad hieß es von nun an jeden Tag zehn Stunden auf Skiern unterwegs zu sein, in Zelten zu schlafen und gefriergetrocknete Fertiggerichte zu essen. „Die Kälte ist nicht das Schlimmste“, erinnert sich Stephan Mertesdorf, „ich habe viel mehr an Essen gedacht“.

Widrige Wetterbedingungen mit eisiger Kälte und Sturm

Neben eisiger Kälte und ständigem Hunger, hatte die Expeditionsgruppe lange Zeit mit äußerst widrigen Wetterbedingungen zu kämpfen. „Nach 16 Tagen lagen wir aufgrund von einem Sturm fünf Tage hinter dem Zeitplan zurück und wollten schon zum Startpunkt zurückkehren“, berichtet der 33-jährige Mertesdorf.

Zum Glück blieben die angekündigten Piteraqs aus und die gesamte Gruppe erreichte nach 26 Tagen im ewigen Eis unbeschadet die Ostküste. „Gedanken wie, warum habe ich mir das angetan, schwirren einem während der anstrengenden Tour immer mal wieder im Kopf herum“, sagt der Grönland-Fan. Aufgeben kam ihm allerdings nie in den Sinn. „Ich habe mich immer wieder auf das Ziel konzentriert und mich die ganze Zeit auf mein erstes Bier am Ankunftsort gefreut“.

Das nächste Ziel des Neheimers ist der Aconcagua in Argentinien

Das nächste Ziel hat der gebürtige Neheimer, der jedes Jahr zum Schützenfest kommt, auch schon im Auge. 2014 möchte er den 7 000 Meter hohen Aconcagua in Argentinien besteigen. Außerdem träumt er von einer Expedition zum Südpol. „Da hätte ich wirklich Lust zu. Man kann alles erreichen, wenn man lange genug darauf hinarbeitet“.