Wenig Sympathie für Offene Liste
07.08.2009 | 15:20 Uhr 2009-08-07T15:20:00+0200Nachrodt-Wiblingwerde. Von interessierter Neugier bis zur totalen Ablehnung reicht bei den Fraktionsvorsitzenden in der Doppelgemeinde die Reaktion auf die Zulassung der Offenen Sozialen Liste (OSL) zur Kommunalwahl am 30. August.
Diese linke Gruppierung beunruhigt mich nicht", meint CDU-Fraktionschef Peter Herbel. „Sollen sie doch ihr Glück versuchen", fügt er an und verweist darauf, dass er zwischen CDU und OSL keine Berührungspunkte sehe. Dass, so seine Einschätzung, dürfte auch auf die örtlichen CDU-Wähler zutreffen. Seiner Partei werde somit aus der OSL keine ernsthafte Konkurrenz erwachsen.
Deutlich kritischer geht Susanne Jacoby mit der neuen Gruppe ins Gericht. Die Fraktionschefin der Sozialdemokraten wertet den Vorstoß als Ein-Mann-Show von Georg A. Fotiadis. „Da gibt es keine Basis", ist sie sicher. Der Initiator der OSL ist in SPD-Kreisen nicht gut gelitten. Fotiadis zog 2004 als SPD-Kandidat in den Gemeinderat ein. Frustriert von der gesamten SPD-Linie wechselte er in der laufenden Legislaturperiode zur DKP und nahm fortan als Fraktionsloser sein Ratsmandat wahr.
Susanne Jacoby: „Von da an hat Fotiadis nichts bewirkt. Seine Tätigkeit als Ratsmitglied war äußerst unproduktiv." Der neue OSL-Spitzenkandidat habe keine der Fachausschusssitzungen besucht und somit keinen Einblick in das kommunalpolitische Geschehen gehabt. Vor diesem Hintergrund hätte Fotiadis sein Mandat zurückgeben müssen, um einem SPD-Nachrücker Platz zu machen. Susanne Jacoby: „Ich werte sein Verhalten als unsozial."
Johannes Illerhaus, Fraktionsvorsitzender der UWG, hält die OSL in Nachrodt-Wiblingwerde schlicht für überflüssig. „Unser Motto lautet: Gelassen abwarten. Sollte es nach dem 30. August tatsächlich nötig sein, werden wir politische Antworten auf eventuelle OSL-Aktivitäten geben", so der UWG-Fraktionschef. Angesichts der DKP-Mitgliedschaft ihres Spitzenkandidaten wertet Illerhaus die OSL als „sehr links".
Erschwerend komme hinzu, dass die aufgeführten Direktkandidaten als kommunalpolitisch unerfahren einzustufen seien. Natürlich fühlt sich Johannes Illerhaus angesichts einer neuen kommunalpolitischen Alternative an die Anfänge der Unabhängigen Wählergemeinschaft vor 40 Jahren erinnert. Die Basis sei damals aber sehr viel professioneller gewesen. Nur solide Arbeit und großes Engagement aller Aktiven habe den UWG-Erfolg in der Doppelgemeinde über vier Jahrzehnte möglich gemacht.
Georg A. Fotiadis zeigt sich trotz der spürbar ablehnenden Haltung der etablierten Ratsfraktionen optimistisch. „Ich höre jeden Tag, dass unser Wahlprogramm gut ankommt", meint er. Dass stramme CDU-Wähler in Scharen zur OSL überlaufen, damit rechnet der 33-Jährige natürlich nicht. „Aber es gibt keine Grünen vor Ort und an den letzten Wahlen haben sich viele Bürger gar nicht mehr beteiligt – vielleicht können wir die für uns gewinnen."
Bewusst habe die OSL auf ratsunerfahrene Bewerber gesetzt. „Sie wissen um die Nöte der Bürger und können deren Interessen im Rat besser vertreten, als die seit Jahren dort wirkenden Spezies", betont Georg A. Fotiadis.
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