Minusgrade machen erfinderisch
10.02.2012 | 22:53 Uhr 2012-02-10T22:53:00+0100
Nachrodt-Wiblingwerde.Arktische Temperaturen auch in der Doppelgemeinde – Mensch und Material müssen deshalb in diesen Tagen besonders sorgsam gehütet werden. Beispiele gibt es zuhauf.
Damit es bei einem Brand auch wirklich „Wasser marsch“ heißen kann, sorgen die Männer der Freiwilligen Feuerwehr gut vor. „Alle Fahrzeuge mit einem Löschwassertank stehen in diesen Tagen ausschließlich in beheizten Garagen“, berichtet Gemeindebrandinspektor Michael Kling. Für den Ernstfall seien die Löschfahrzeuge zusätzlich auch mit einer Tankumlaufschaltung versehen, die das Gefrieren des Wassers verhindert. Trotzdem sei bei Einsätzen Umsicht geboten: Bei stehendem Wasser in den Schlauchleitungen beispielsweise ist die Gefahr des Einfrierens immer riesengroß.
Konstante Wärme für Kirchenorgel
Nicht nur Notwendiges, auch Erbauliches bedarf in diesen eisigen Tagen und Nächten besonderer Aufmerksamkeit. „Unsere Orgel muss während der Wintermonate ganz speziell gepflegt werden“, erklärt Pastor Hermann-Josef Lösing. Deshalb sind die Zuständigen darum bemüht, die Innentemperatur des Gotteshaus der Katholischen Gemeinde St. Josef nie unter 14 Grad absinken und nicht deutlich über 18 Grad Celsius ansteigen zu lassen. Bei größeren Abweichungen würden die empfindlichen Pfeifen des Instruments Schaden nehmen. Und auch das Weihwasser im Becken friert so nicht ein. Zum einen, weil eben permanent für eine gewisse Wärme gesorgt ist, in der Not bliebe der Zusatz von Salz als speziellem „Wirkstoff“.
Ruhe herrscht derzeit in der Waschanlage der Aral-Tankstelle von Ralf-Peter Meier in Nachrodt. Trotz reichlich Streusalz auf den Karosserien wagt derzeit kein Kunde die Wagenwäsche. Zu groß ist die Angst vor eingefrorenen Türgummis oder blockierten Scheibenwischern. Deshalb hat Ralf-Peter Meier schon vor zwei Wochen die Notbremse gezogen und die Waschanlage komplett geschlossen. Selbst eine kurzfristige Öffnung während der Mittagsstunden, wenn die Sonne am strahlend blauen Himmel steht, ist nicht sinnvoll. „Die Textillappen der Anlage könnten bei den derzeitigen Minusgraden beschädigt werden“, weiß der Fachmann. Erschwerend hinzu kommt die Lage: Da die Einfahrt zur Waschstraße nicht auf der sonnenbestrahlten Seite liegt, würden sich rutschige Eisplatten im Bereich der Einfahrt bilden. „Diesen Umsatzausfall fängt aber zum Teil der Handel mit den Winterartikeln im Shop-Bereich etwas auf.“
In der Autowerkstatt des Wiblingwerder Mitsubishi Service-Partners Siepker hingegen hilft „Väterchen Frost“ beim Füllen der Auftragsbücher.
Dichte Dachdämmungschützt Volieren-Vögel
„Viele Kunden haben es versäumt, den Zustand ihrer Autobatterie rechtzeitig prüfen zu lassen“, weiß Wilhelm Siepker. Die Tiefsttemperaturen versetzten so manchem Akku den Todesstoß. Das passiere seit Monatsbeginn so oft, dass ein einfacher Wechsel in der Werkstatt nun mit kleinen Wartezeiten verbunden ist. „Außerdem gibt es gegenwärtig bei einigen Batterien Lieferengpässe“, hat der Fachmann bereits gehört.
Im Gartencenter Knop regeln spezielle Winter-Öfen die Temperaturen im Verkaufsbereich. Zusätzlich wurden im Vorfeld der Eiseskälte die Volieren für die Vögel mit besonders gedämmten Dächern geschützt. Weil einige Türen jetzt einfach geschlossen bleiben, wird im Gartencenter das Auftreten von Zugluft vermieden – und dafür hat jeder Kunde Verständnis.
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