Kein Stress bei schlechten Noten
09.02.2012 | 14:55 Uhr 2012-02-09T14:55:00+0100
Nachrodt-Wiblingwerde. „Das wird eine Fünf in Mathe“, weiß Maurice schon seit ein paar Tagen. Rüdiger Grote, Mathematiklehrer und gleichzeitig Rektor der Albert-Schweitzer-Hauptschule, hat dem Siebtklässler die schlechte Nachricht schonend beigebracht. „Aber das ist absolut keine Beton-Fünf. Mit etwas mehr Einsatz und dem schulinternen Förderprogramm kann daraus im Abschlusszeugnis im Sommer durchaus eine Vier werden“.
Heute gibt es in den Schulen die Halbjahreszeugnisse. Die Pädagogen am Holensiepen tun im Vorfeld alles, damit in schwierigen Fällen die Situation nicht eskaliert. So hat Ludger Sickelmann es einigen Schülerinnen im Bereich Naturwissenschaften noch kurzfristig ermöglicht, ihre fehlenden Arbeitsmappen nachzureichen. Das hat die drohende schlechte Zeugnisnote auf einen erträglichen Mittelwert gebracht. „Das es bei uns einen Schüler gibt, der sich heute nach der Zeugnisausgabe in der dritten Stunde nicht nach Hause traut, glaube ich nicht“, ist sich Rektor Rüdiger Grote sicher.
Für Vertrauenslehrer Bernward Seidel ist das Gespräch zwischen Lehrer und Schüler das entscheidende Moment, um Härten zu vermeiden. „Unser Ziel ist es, jedes Kind durch intensive Begleitung zu einem guten Abschluss zu bringen“, ergänzt Rektor Rüdiger Grote und verweist auf das vielfältige Förderangebot. „Das könnte von den Schülern noch stärker nachgefragt werden“, wünscht er sich.
Alleine kann es die Schule natürlich nicht richten. Die Eltern müssen mitziehen. „Gute Noten werden daheim belohnt“, bestätigen die Jungen und Mädchen aus dem 7. Jahrgang. Wenn es anders kommt, mahnen Experten Gelassenheit an. Bei einem schlechten Zeugnis sollten sich Mutter und Vater Zeit nehmen, und mit dem Nachwuchs in aller Ruhe jede Note durchsprechen. Meist sind nicht alle schlecht. Das zeigt das Gespräch mit den Hauptschülern Jessi, Nico und Yasim. Da gibt es Top-Werte in Sport und Technik, durchschnittliches im Bereich der Sprachen und nur hier da einen Aussetzer.
Alles kein Problem, meinen dazu die Nachhilfeprofis. Daheim sollte geklärt werden, wie die schulische Leistung bis zum Abschlusszeugnis im Sommer gesteigert werden kann.
Nach der dritten Stunde ist Schluss
Hausaufgabenkontrolle hilft ebenso wie die Klärung der Frage, ob es in der Schule Probleme mit einem Lehrer oder mit Klassenkameraden gibt. Fordern und Fördern gilt nicht nur für die Zeit in der Schule, sondern auch zu Hause. Motivieren, Selbstvertrauen vermitteln und ein Klima schaffen, in dem junge Menschen ohne Angst und Stress lernen können: So lautet das Ziel.
In Sachen Belohnung ist die Meinung der Nachrodter Lehrer geteilt. Ludger Sickelmann fertigt für die erfolgreichsten Schüler aus dem Computerkurs schöne Urkunden. Georg Bernhardt, Klassenlehrer im 7. Jahrgang, hält nichts vom Extralob. Dafür macht er aus der Zeugnisübergabe ein besonderes Ereignis und spricht bei der Übergabe jeden in der Klasse persönlich an. „Spannend ist das schon“, fiebern die Hauptschüler der heutigen dritten Schulstunde entgegen. Danach ist schulfrei - aber nur für die Kinder. Die Lehrer konferieren noch bis weit in den Nachmittag hinein und bereiten das zweite Halbjahr vor.
0mitdiskutieren