Wenn aus Eis Kunst wird
09.11.2009 | 18:02 Uhr 2009-11-09T18:02:00+0100Wenn Eiskünstler Joachim Knorra die Motorsäge in die Hand nimmt, wird aus einem Eisblock ein Kunstwerk.
Joachim Knorra aus Hallenberg-Hesborn hat ein besonderes Hobby. Um das auszuüben braucht er 50 Kilogramm schwere Eisblöcke, eine Motorsäge und viele kleine Handwerksgeräte aus Japan. Der 46-Jährige ist Eisskulpturen-Künstler. In seiner kleinen Werkstatt neben dem Wohnhaus entstehen eisige Kunstwerke: vom klassischen Schwan bis hin zum Skorpion.
Jahreszahlen und Schwäne
Vorzeichnen, Ansägen, Ränder entfernen, Feinschliff, Bunsenbrenner: So könnte man die Entstehung einer Skulptur in Kurzform beschreiben. "Es gibt Eisskulpturen-Schulen, in denen man die Grundkenntnisse lernt, aber den Rest muss man sich selbst aneignen", sagt Knorra. Und er gibt zu, dass seine Schwäne am Anfang eher wie Enten aussahen. Mittlerweile gehören Schwäne zu den gängigsten Aufträgen, die der 46-Jährige bekommt. In knapp zwei Stunden hat er ein solches Exemplar fertig. Auch Jahreszahlen aus Eis sind sehr beliebt. Seit nunmehr 17 Jahren ist Joachim Knorra im Geschäft.
Das Größte, was er geschnitzt hat, ist eine riesengroße Eistheke mit verschiedenen Skulpturen. "Das Kleinste, was ich mache, sind Schnapsgläser aus Eis." Die Vergänglichkeit seiner Kunst macht ihm wenig aus. Im Gegenteil! "Wenn eine Skulptur auf einem Büfett steht, ist es spannend zu beobachten, wie sie sich mit der Zeit durch das Tauen verändert", erzählt er. Der Hals des Schwans werde zwar immer dünner und feiner, aber das Tolle sei, das man - trotz Veränderung - immer noch sehen könne, dass es ein Schwan sei.
Die Schnitzgeräte kommen aus Japan, die ersten Eisskulpturen-Künstler aus China. "In China haben sie schon Eisskulpturen auf die Tische gestellt, als es in Europa noch keine Esskultur gab", sagt Knorra.
Schauschnitzen auf dem Weihnachtsmarkt
Der Eiskünstler gibt sein Wissen weiter. Bei Schauschnitzveranstaltungen beispielsweise auf Weihnachtsmärkten zeigt er, wie Eiskunst entsteht. "Die Menschen kommen dann immer ganz überrascht auf mich zu und fragen: Darf ich das Kunstwerk mal anfassen?" Und natürlich dürfen sie. Wenn er die Skulptur dann am Ende mit einem Bunsenbrenner bearbeitet, glänzt sie. "Nicht selten höre ich dann den Satz: Sie machen aber tolle Glasskulpturen", erzählt Joachim Knorra.
Das freut ihn besonders, denn wenn seine Skulpturen richtig schön glänzen und funkeln, dann vergisst er ganz schnell, dass es eine Kunst der Vergänglichkeit ist.
Zur Internetseite des Künstlers geht es hier.
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