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Ungeklärte Verbrechen

Vergewaltigungsopfer Jasmin tritt mutig bei Maischberger auf

29.08.2012 | 08:42 Uhr
Vergewaltigungsopfer Jasmin tritt mutig bei Maischberger auf
Jasmin K. nutzt die Medien: Sie will nach ihrer Vergewaltigung anderen ihr Schicksal ersparen.

Essen.  Zwei bis dato ungeklärte Verbrechen, drei tragische und berührende Einzelschicksale: TV-Talkerin Maischberger nahm sich unter anderem dem Fall von Jasmin K. an, die als 18-jährige Schülerin vergewaltigt wurde. Die junge Frau präsentierte sich stark und entschlossen, ihren Peiniger zu finden.

Rund 60.000 Follower hat Jasmin K. bereits mobilisieren können. 60.000 Menschen, die über das soziale Netzwerk Facebook dazu beitragen können, ihren tragischen Fall aufzuklären. Als 18-jährige Schülerin wurde die heute 26-jährige Jasmin K. auf dem Heimweg von einer Sportveranstaltung vergewaltigt . Die Polizei ermittelte – ergebnislos. Nach eineinhalb Jahren stellte sie die Suche ein.

Doch Jasmin K. gibt nicht auf. Nach einer quälenden Zeit der Verarbeitung ihres Traumas geht sie in die Offensive: Sie möchte den Täter gefasst sehen – schon allein damit anderen Frauen ihr Schicksal erspart bleibt. „Ich bin so gestärkt, dass ich das jetzt angehen kann“, sagte sie am Dienstagabend im TV-Talk bei Sandra Maischberger . Das Thema der Sendung: „Die ungelösten Verbrechen: Aufklärung Glückssache?"

Niemand solle Sheriff spielen, sagte Jasmin K. außerdem. Ihr Ziel mit der Facebookseite: „Ich möchte an die Fahndung erinnern.“ Mutig, entschlossen und sehr gefestigt präsentiert sich die junge Frau, die neben dem Internet auch diverse Medien dazu nutzt, um ihrem Fall die gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen und vielleicht so den entscheidenden Hinweis auf ihren Peiniger zu bekommen.

Verbrechen nach 16 Jahren aufgeklärt

Dass jeder Hinweis und jede noch so kleine Spur wertvoll sein kann, bewies die spektakuläre Aufklärung des Mordes an Trudel Ulmen . Dieser war der erste Fall des Abends, den Maischberger behandelte – und obendrein ein Fall mit einem guten Ausgang, wenn man dies angesichts eines solchen Verbrechens überhaupt sagen kann. Zumindest aber wurde der Täter ermittelt – nach 16 Jahren wurde der Fall aufgeklärt.

Der Ablauf dieses kuriosen Falls könnte auch der Fantasie eines Krimiautors entsprungen sein. Durch eine Annonce erfährt der Journalist Wolfgang Kaes, dass die Vermisste Trudel Ulmen für tot erklärt werden soll und arbeitet sich in den Fall ein. Der Ehemann behauptete vor 16 Jahren, die Arzthelferin sei mit einem Liebhaber durchgebrannt. Die Polizei glaubt ihm, schließt frühzeitig die Akte, obwohl Monate später ein weibliches Mordopfer gefunden wird. Erst durch die Recherchen von Wolfgang Kaes kommt der Fall Anfang 2012 wieder ins Rollen. Ein DNA-Abgleich bringt schließlich Gewissheit: Bei der damals gefundenen Leiche handelt es sich um Trudel Ulmen. Bei einer Vernehmung gesteht der Ehemann die Tötung.

Ehemänner sind oft Hauptverdächtige

Der Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer sieht hier deutliche Versäumnisse bei der polizeilichen Ermittlung. Bei rund 75 Prozent aller Fälle, in denen Ehefrauen verschwinden, seien die Männer die Täter führt der Experte aus. Die Polizei sei deshalb dazu angehalten, stets die Männer in den Kreis der Hauptverdächtigen einzuschließen. Offensichtlich wurde dies im Falle von Trudel Ulmen vor 16 Jahren versäumt oder zu lapidar behandelt. Von selektiver Wahrnehmung ist unter anderem die Rede. Diese spielt auch im dritten Fall eine entscheidenden Rolle – beim Verschwinden des damals dreijährigen Felix Heger .

Dieser wird seit 2006 vermisst. Sein Vater, Michael Heger, hatte ihn damals bei der Mutter abgeholt. Die Eheleute lebten in Scheidung, der Vater durfte Felix über das Wochenende zu sich nehmen. Wochen später wird Michael Heger im Schwarzwald tot aufgefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus, von Felix fehlt jede Spur.

Die vom Schmerz gezeichneten Großeltern erzählen bei Maischberger von Ermittlungsversäumnissen, welche sie bei der Polizei ausgemacht zu haben glauben. Sie glauben nicht an Selbstmord. Eher daran, dass der Vater das Kind entführen wollte und von einer weiteren Person, womöglich einem Helfer, umgebracht wurde.

Konfrontiert mit dem Sprecher der für den Fall zuständigen Polizeidirektion Heidelberg, Harald Kurzer, machen die Großeltern Johann und Maria Schmitz ihrem Unmut und ihrer Enttäuschung Luft. Man wird Zeuge, wie sich Polizei und Großeltern gegenseitig eine „selektive Wahrnehmung“ im Falle des verschwundenen Jungen attestieren. In den Gesichtern beider Parteien lässt sich ablesen, wie schwer dies wiegt – wie weh das tut.

Fazit: Maischberger bewies Empathie, Sanftmut im Umgang mit ihren Gästen und traf jederzeit den richtigen Ton. Jasmin K. und den Eheleuten Schmitz bleibt indessen nur zu wünschen, dass all ihre Fragen irgendwann einmal beantwortet werden.

Timo Baudzus



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