Rückkehr zur Stätte der eigenen Geburt
29.08.2007 | 22:55 Uhr 2007-08-29T22:55:08+0200Hallenberg. (rah) Was sind die Metropolen New York, London oder Tokio gegen Hallenberg? Für Carl-Ulrich Meyring schlichtweg nichts. Überall auf der Welt hat der international renommierte Künstler seine Werke ausgestellt. Doch die heute Abend um 19.30 Uhr
Ganz entspannt sitzt Carl-Ulrich Meyring zwei Tage vor der Vernissage in seinem "Wohnzimmer", dem Saal des "Kumps" gleich neben seinem Geburtszimmer, und plaudert über sich, sein Schaffen und über seine Beziehung zu Hallenberg. Man braucht nicht viel Sensibilität, um schon nach wenigen Minuten festzustellen: Der Mann lebt für seine Kunst, der Mann ist stolz auf sein Tun und seine Werke.
Fasziniert ist er von dem, was ihm in der kleinen Nuhnestadt jetzt, genau 30 Jahre nach Aufnahme seiner künstlerischen Arbeit, widerfährt. "Hier schließt sich ein Lebenskreis. Hier bin ich geboren, hier darf ich 60 Jahre nach meiner Geburt und 30 Jahre nach dem Start ins Künstlerleben ausstellen. Welcher Künstler kann dies schon von sich sagen", schwärmt der Mann, dessen Mutter aus der Nuhnestadt stammt. "Hier in Hallenberg sieht man, durch was für eine Gedankenwelt man in 30 Jahren gegangen ist. Viele meiner Werke werden hier zum ersten Mal gezeigt".
Der Name Meyring steht für Vielseitigkeit. Skulpturen, Gemälde, Fotomontagen, Collagen - vielen Facetten künstlerischen Schaffens hat der gebürtige Hallenberger, der jetzt in St. Augustin bei Bonn lebt und nach seinem Schulabschluss u.a. Kunstgeschichte und Pharmazie studiert hat, seinen ganz besonderen Stempel aufgedrückt. Einen Stempel, der geprägt ist von Stilwechseln. Waren es anfangs die weißen, einfarbigen Bilder, die sich allein auf das Buch "Siddhartha" von Hermann Hesse bezogen, ließ sich Meyring fortan nie auf eine Linie festlegen oder gar in eine von Galeristen gewünschte künstlerische Ecke drücken. Seine künstlerische Freiheit ist dem Mann, der in Hallenberg kurz zur Volksschule gegangen ist, heilig.
Nach der Einfarbigkeit folgten farbenprächtige Motive, Kerzenständer oder Skulpturen. Eigens für die Ausstellung in Hallenberg hat er einige "Kump"-Bilder geschaffen, die, soviel sei verraten, den ein oder anderen Betrachter sicher zum Nachdenken provozieren. Ohnehin zieht sich die Provokation wie ein roter Faden durch das künstlerische Schaffen Meyrings. Von intuitiver Malerei und Bildhauerei hält er nichts. "Bei mir muss immer eine konkrete Idee oder ein Gedanke hinter den Werken stecken." Klare, eindeutige Aussagen statt wahlloser Interpretationen - so ist Carl-Ulrich Meyrings Linie.
Gerade politisch fordert der Mann, der sich im Jahr 1977 gegen eine Karriere in der Apotheke seines Vaters und für die Kunst entschied, immer wieder heraus. Themen wie Nationalsozialismus, Guantanamo, Irak-Krieg oder Vietnam thematisiert Meyring in ihrer ganzen Grausamkeit. Und stößt dabei immer wieder auf scharfe Kritik. Strafanzeigen riefen auch schon den Staatsschutz auf den Plan. "Alle Anzeigen sind aber stets ins Leere gelaufen. Im Gegenteil, oft wurde mir sogar gesagt, dass die Gesellschaft genau so eine Kunst wie meine benötige", sagt Meyring.
Gefühle spielen in seinen Werken eine tragende Rolle. Ob Skulptur, Gemälde oder Fotomontage - die Motive demonstrieren oft Zuneigung, Trost, Freude, Hass, Freundschaft, Gewalt der Versöhnung. Rein formal stellt Meyring gerne Sehgewohnheiten in Frage, arbeitet häufig dezentral oder lässt Teile des Sujets gar außerhalb des Bilderrahmens nur in der Vorstellung des Betrachters liegen.
Carl-Ulrich Meyring hat die Gabe, zu jedem seiner Kunstwerke eine Geschichte zu erzählen. Dies wird er sicher heute Abend bei der Vernissage erneut beweisen. Auch am Samstag und Sonntag wird er den Besuchern jeweils von 11 bis 18 Uhr im "Kump" zur Verfügung stehen. Die Ausstellung ist vom 30. August bis 30. September täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
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