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Nur junge Tiere im Visier

10.11.2011 | 16:25 Uhr

Hesborn.   Super-Jagd am Samstag: In 26 Revieren wird gleichzeitig auf Wildschweine geschossen

(ju) Wenn das Wildschwein in seiner Rotte durch die heimischen Wälder und Wiesen streift, dann hinterlässt es oft eine Spur der Verwüstung. In den vergangenen Jahren haben sich, so die Interessengemeinschaft „Drückjagd“, bei uns in der Region die Schwarzwildbestände explosionsartig vermehrt. Deshalb wird am Samstag, 12. November, im Raum Medebach, Hallenberg und Lichtenfels zur Jagd auf das Borstenvieh geblasen.

„Eine Jagd dieser Größenordnung gibt es in ganz Deutschland so nicht“, erklärt Alfons Brocke von der Interessengemeinschaft. 26 Reviere haben sich dafür grenzübergreifend zusammengetan. Erwartet werden mehrere hundert Jäger. „Wir bekommen das Problem nur gemeinsam in den Griff“, so der erfahrene Jäger.

Geplant sei, so erzählt er weiter, „die Tiere auf einer Fläche von etwa 8000 Hektar zu beunruhigen, damit das Schwarzwild in Bewegung kommt.“ Daher auch die Bezeichnung „Bewegungsjagd“. Wichtig sei, dass alle gleichzeitig aktiv werden. Bei einer revierinternen Jagd wechseln die Tiere lediglich in die Nachbarreviere und das Problem sei nicht gelöst, so Alfons Brocke. Deshalb habe man sich erstmals zu einer Jagd dieser Größe entschieden.

Aber warum gibt es so viele Wildschweine? „Die Tiere leben hier wie im Schlaraffenland. Durch die recht milden Winter, die allgemeine Klimaerwärmung und den vermehrten Anbau von Mais finden sie das ganze Jahr über mehr als genug Nahrung. Auch im Winter leiden sie keine Not und vermehren sich sehr schnell“, erklärt Alfons Brocke.

Den Wildschweinen im östlichen Hochsauerland geht es ans borstige Fell.

Das Angebot an Bucheckern und Eicheln in den Wäldern sei riesig. Das wiederum bringe ein weiteres Problem mit sich: Wenn die Wildschweine viele Eicheln und Bucheckern fressen, dann steige ihr Bedarf an tierischem Eiweiß. Um den zu decken, brechen sie nachts die Wiesen auf und suchen nach Engerlingen. Sehr zum Leidweisen der betroffenen Landwirte, die sich über die angerichteten Schäden natürlich ärgern. Ein weiteres Problem sei die steigende Unfallgefahr durch Wildschweine und der Ausbruch der europäischen Schweinepest, so Brocke.

Sinn und Zweck dieser Jagd sei es aber auf keinen Fall, nun alles zu schießen, was den verteilt postierten Jägern vor die Flinte kommt. Im Gegenteil: „Das würde das Problem sogar noch verschärfen“, ist sich Alfons Brocke sicher. Auf keinen Fall sollen Leitbachen erlegt werden, da sie für die Führung der Rotte und den geregelten sozialen Ablauf dringend notwendig sind. Deshalb seien bei der gemeinsamen Bewegungsjagd nur Frischlinge und Überläufer bis maximal 40 Kilogramm freigegeben. Ein Wolf würde es, so Brocke, im übrigen genau so machen, wenn es ihn hier vor Ort noch gebe. Er würde sich auch die jungen oder schwachen Tiere als Beute aussuchen und nicht ein Muttertier.

„Wir müssen auf jeden Fall vermeiden, dass wir die ohnehin schon sehr desolate Struktur der hiesigen Schwarzwildbestände, die durch eine jahrelange falsche Bejagung entstanden ist, noch weiter kaputt schießen.“

Wege nicht verlassen

Die Jagd wird am Samstag von 10.30 bis 13.30 Uhr in den Jagdrevieren der Ortschaften Goddelsheim, Rhadern, Dalwigksthal, Münden, Neukirchen, Braunshausen, Hallenberg, Liesen, Hesborn, Medelon, Medebach, Dreislar und Berge durchgeführt. Das Streckelegen und Verblasen wird vor Ort in den einzelnen Revieren durchgeführt. Das Schüsseltreiben findet anschließend gemeinsam in der Hesborner Schützenhalle statt.

Die Interessengemeinschaft Drückjagd weist noch mal ausdrücklich darauf hin, dass es in dem Jagdgebiet dazu kommen kann, dass Verkehrsteilnehmer oder Spaziergänger flüchtendem Wild oder Hunden begegnen. Deshalb raten sie, diesen Raum möglichst zu meiden und vor allem die Wege nicht zu verlassen.

„Wenn auch alle Jäger so postiert sind, dass Gefahren für Jagdteilnehmer und Dritte minimiert werden, so ist doch darauf hinzuweisen, dass man mit dem Verlassen von Wegen ein erhöhtes Unfallrisiko bewusst auf sich nimmt“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Jutta Klute

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Kommentare
11.11.2011
13:45
Wer nimmt eine Gefährdung bewußt in Kauf?
von unbestechlicher | #1

Dieser Blödsinn das Waldbesucher ein höheres Risiko bewußt in Kauf nehmen wenn sie von ihrem Recht Gebrauch machen den Wald zu betreten. Es gibt kein Wegegebot.
Die Aussage der Jäger ist völlig daneben. Wenn jemand auf öffentlichen Strassen Autorennen veranstaltet und dabei Kinder angefahren werden kann man auch nicht sagen, ihr dummen Kinder habt auf der Strasse nichts zu suchen wen "WIR" Rennen fahren wollen.
Was nehmen sich die Jäger eigentlich mittlerweile raus? Sie veranstalten die Jagd also sind sie dafür verantwortlich wenn jemand verletzt wird, sonst niemand. Komplett sperren dürfen sie es nämlich nicht weil es eben nur ein Hobby ist, ebenso wie Spazieren gehen, Wandern, joggen, reiten. Noch gilt bei uns das Verursacherprinzip.

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