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Mann rettet Hund und wird dafür angezeigt

07.02.2015 | 10:00 Uhr
Mann rettet Hund und wird dafür angezeigt
Nur ein Symbolfoto: Ein Hund, der bei Sommerhitze im Auto warten muss, lebt gefährlich.Foto: DETLEV KREIMEIER/WAZ-Fotopool

Winterberg/Medebach.   Weil er im Sommer einen Hund aus einem glühend-heißen Pkw gerettet hatte, wurde ein Mann aus Winterberg angezeigt.

Pfingstsamstag - nachweislich einer der heißesten Tage des Jahres 2014: Paul Bartz (26) aus Elkeringhausen sieht in seiner Mittagspause einen Hund in einem in der prallen Sonne parkenden Auto an der Unteren Pforte in Winterberg.

Kurioser Fall für Richter Ralf Fischer

Der Küchenleiter eines benachbarten Gastronomiebetriebes befreit den "Golden Retriever" aus dem geschlossenen Wagen, gibt ihm am nahegelegenen Sportbrunnen Wasser zu trinken und wartet dann im Schatten mit dem Tier in der Nähe des Autos, bis dessen Besitzerin, eine 23-jährige Winterbergerin zurückkommt. Und wie reagiert die Frau auf die Rettungsaktion ihres Hundes? Nein, nicht mit einem Dankeschön für Paul Bartz, sondern mit einer Anzeige wegen Diebstahls.

Dieser kuriose Fall wurde im Amtsgericht Medebach vor Richter Ralf Fischer und Staatsanwältin Wildtrud Grooten verhandelt.

Zehn Tage nach Vorfall Anzeige erstattet

Die Hundebesitzerin hatte erst zehn Tage nach dem Vorfall Anzeige erstattet. Obwohl sie den Hergang nicht genau schildern und sich auch nicht mehr an den exakten Tattag erinnern konnte, bestand sie laut Polizeiprotokoll ausdrücklich auf einer Anzeige.

Der Tattag konnte erst durch die Zeugenaussage von Anja Drebs aus Winterberg festgelegt werden, die am Pfingstsamstag um 12 Uhr einen Friseurtermin im angrenzenden Friseurgeschäft hatte. Ihr war dabei aufgefallen, dass der Golden Retriever bereits mindestens eine Viertelstunde in dem in der Sonne im Parkverbot stehenden dunkelblauen Kleinwagen apathisch auf der Seite lag und hechelte. Sie sprach Paul Bartz an, der mit der Zeugin übereinstimmend aussagte, dass er daraufhin eine wenige Zentimeter geöffnete Fensterscheibe des Autos heruntergeschoben und so die Zentralverriegelung gelöst habe. Der Hund habe sich ohne Gegenwehr sofort befreien lassen.

Widersprüchliche Aussagen

Ralf Fischer machte die Klägerin vor ihrer Aussage darauf aufmerksam, dass er sie für tatverdächtig halte, fahrlässig gegen den Tierschutz verstoßen und eine falsche Beschuldigung erhoben zu haben und dass eine nicht wahrheitsgemäße Zeugenaussage somit rechtliche Folgen für sie haben könnte.

Die Klägerin bestand darauf, auszusagen, ihre Angaben standen jedoch im Widerspruch zu denen von Paul Bartz und Anja Drebs und auch den amtlichen Wetterdaten dieses Tages.

Auf die Frage von Ralf Fischer, warum sie erst zehn Tage später zur Polizei gegangen sei, erklärte sie, sie habe immer arbeiten müssen und daher nicht bemerkt, dass soviel Zeit verstrichen sei. Sie sei jedoch absolut sicher, dass sie Bartz, der ihr aus der Schulzeit bekannt sei, in flagranti dabei erwischt habe, wie er ihren Hund stehlen wollte.

Paul Bartz hätte sogar Autoscheibe einschlagen dürfen

„Das ist doch Unfug“, kommentierte Fischer diese Begründung. 99,9 Prozent aller Bürger würden bei einem Diebstahlsverdacht direkt die Polizei alarmieren, außerdem sei es nicht nachvollziehbar, dass ein vermeintlicher Dieb samt seiner „Beute“ neben ihrem Auto auf sie warten würde. Paul Bartz hätte sogar die Autoscheibe einschlagen dürfen, weil die Situation einen Notstand für ihren Hund gerechtfertigt hätte.

Auch Staatsanwältin Wiltrud Grooten schüttelte nur noch den Kopf: „Sie sagen pausenlos immer nur O.k. wenn Ihre Aussagen berichtigt werden. Anscheinend wird Ihnen jetzt erst klar, was Sie eigentlich getan haben. Ich hoffe, Sie denken künftig erst nach, bevor Sie handeln. Und jetzt können Sie noch einmal O.k. sagen.“ Wenn die Klägerin ein bisschen Anstand habe, dann solle sie sich bei Paul Bartz entschuldigen.

Freispruch allererster Klasse

Aufgrund der Beweislage konnte Richter Fischer den Rest der Verhandlung kurz halten und erließ der Klägerin weitere Konsequenzen. „Ein solches Urteil darf ich selten aussprechen: Das ist ein Freispruch allererster Klasse mit ausdrücklicher Belobigung des Gerichts für den Angeklagten und auch die Zeugin. Sie haben echte Zivilcourage bewiesen. Wir brauchen mehr Leute wie Sie, die hingucken und aktiv eingreifen“, so Fischer.

Rita Maurer

Kommentare
07.02.2015
17:19
Mann rettet Hund und wird dafür angezeigt
von Moderation | #13

Sehr geehrte User,

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Viele Grüße

Die Moderation

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2015-02-07 10:00
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