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Freilichtbühne

In „Lummerland“ wird eine „Emma“ gebaut

13.05.2011 | 13:58 Uhr
In „Lummerland“ wird eine „Emma“  gebaut
Die Freilichtbühne Hallenberg baut die Lok Emma für "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer".

Hallenberg. Wenn Jim Knopf und sein Freund Lukas, der Lokomotivführer, ab 13. Juni von Hallenberg (Bahnhof: „Freilichtbühne“) nach Lummerland („Insel mit zwei Bergen“) fahren, dann brauchen sie natürlich auch ihre Dampflokomotive „Emma“. Richard Runge sorgt dafür, dass die beiden Hauptdarsteller nicht zu Fuß reisen müssen. Er ist der maßgebliche Papa von „Emma“.

Bauklötze würden Frau Waas, König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte, Herr Tur Tur und natürlich Jim und Lukas von der Augsburger Puppenkiste staunen. 16-mal spielt die Hallenberger Bühne in dieser Saison die wunderschöne Michael-Ende-Geschichte um den kleinen schwarzen Jungen, der mit seinem väterlichen Freund und Lokomotivführer Lukas auf große Fahrt geht. Denn die Lok gleicht haargenau ihrem hölzernen Vorbild an Nylonfäden, mit dem die Puppenkiste ganze Generationen verzaubert hat.

Schon lange liebäugelte die Freilichtbühne mit „Jim Knopf“. Aber immer wieder scheiterte das Projekt an der Eisenbahn. „Es gab damals allererste Überlegungen, sie auf Schienen fahren zu lassen oder einen gummibereiften Zug einzusetzen. Aber vor und hinter der Bühne war der Platz zu eng oder das Gelände zu steil“, erinnert sich Bühnensprecher Heribert Knecht. Auch für die jetzt gewählte Variante mussten auf dem Areal einige bauliche Veränderungen vorgenommen werden.

Befreundete Theater haben das Stück mittlerweile gespielt und boten den Hallenbergern eine umgebaute „Lok“ mit Akku-Motor an. „Schon recht alt, sehr störanfällig und nach langen Überlegungen dann eigentlich doch zu teuer“, erklärt Bühnenvorsitzender Albert Winter.

Und weil das Freilufttheater immer etwas zu „fuckeln“ hat, Schwergewichtiges von A nach B transportieren oder im Winter den Weg zum Kostümverleih schneefrei halten muss, fiel schon im Winter der Entschluss: Wir schaffen uns einen neuen Mehrzweckschlepper an. 30 PS hat der allradbetriebene Mini-Traktor unter der Haube. Mit 1,20 Meter Spurbreite kommt das Gefährt bei vielen Kommunen im Bauhof oder auch bei den Winzern in Weinbergen zum Einsatz. Die Hallenberger kauften den Schlepper zum Preis eines gut ausgestatteten Kleinwagens und nahmen gleich einen passenden Schneepflug dazu. „Emma“ wird also auch nach Ende der Saison nicht in den Ruhestand gehen; sie hat ihre eisige Feuerprobe bereits bestanden.

Doch ein Trecker ist natürlich noch lange keine Dampflok. Jens Paffe (ab heute 28 Jahre alt, Glückwunsch!) ist Konstrukteur bei der Firma Leiße in Siedlinghausen. „Ich habe mich genau an das Original aus der Puppenkiste gehalten und dann mit dem CAD-Programm bei uns im Betrieb den Plan dafür entworfen.“ Zunächst wurde der Schlepper abgezeichnet, dann wurde ein etwa vier Zentner schwerer Aufbau so geplant, dass vier kräftige Männer den Traktor binnen eines fünfminütigen Boxenstopps zur Lok umbauen können.

Viele Stunden mit Emma

Bereits während der Planung war Richard Runge mit im Boot - pardon - auf der Lok. Der 58-Jährige ist gelernter Schlosser und arbeitet ebenfalls bei Leiße als Maschinenbaumechaniker. Für „Emma“ hat er Metallbleche ausgelasert und verschweißt. Von außen sieht das Blechkorsett so aus, als wäre es Stück für Stück vernietet. Ist es aber nicht. „Unser größtes Problem war es, zum einen den Aufbau möglichst schmal zu halten und zum anderen darauf zu achten, dass der Treckermotor unter der Metallhülle nicht zu warm wird.“

Wie viele Stunden Richard Runge mit „Emma“ verbracht hat, weiß der 58-jährige Metall-Experte nicht. Aber das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Ein Hingucker. Wenn alles komplett verkleidet ist, wird niemand mehr den Trecker unter der Lok erkennen. So eine echte „Emma“, die ja im Laufe ihrer Geschichte zum U-Boot, zum Schiff, zum Landfahrzeug ohne Schienen und zum echten „Perpetumobil“ wird, braucht natürlich auch eine Rauchfahne aus dem Schornstein. „Wir haben eine kleine Nebelmaschine gekauft, die per Funk bedient werden kann“, verrät Albert Winter. Ab Pfingsten werden Martin Paffe und Ian Rachfahl in die Rollen von Lukas und Jim schlüpfen.

Na dann: „Eiiiiine Insel mit zwei Bergen und im tiefen, weiten Meer, mit viel Tunnels und Geleisen und dem Eisenbahnverkehr...“

Karten und weitere Infos: www.freilichtbuehne-hallenberg.de

Thomas Winterberg

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