Familie renovierte ältestes Fachwerkhaus Hallenbergs - und lebt jetzt in dem kleinen „Hexenhäuschen“
11.04.2011 | 16:21 Uhr 2011-04-11T16:21:00+0200
Hallenberg. Familie Schulze hat ein über 300 Jahre altes Fachwerkhaus in Hallenberg bei Brilon in mühevoller Kleinstarbeit renoviert. Jetzt leben sie in dem ältesten Wohnhaus Hallenbergs. Ein Haus mit einer Geschichte, die erst in den letzten Jahrzehnten richtig spannend wurde.
Sie nennen es „unser kleines Hexenhäuschen“, die Schulzes aus der Burgstraße. Und wie ein Hexenhäuschen sieht das alte Fachwerkhaus tatsächlich aus: mit kleinen Räumen, tiefen Decken und verwinkelten Treppen. Unendlich gemütlich ist es in ihm. Über den Weg dorthin, von einer abbruchreifen Scheune zur Wohlfühloase hat Michael Schulze eine wirklich außergewöhnliche Geschichte zu erzählen.
Nach dem Zustand des Gebäudes befragt, so wie es sich in dem Moment präsentierte, als der Polizist in den 80er Jahren sein Erbe antrat, kommt der gebürtige Hallenberger ins Lachen. „Das ist schnell erklärt: Kein fließend Wasser, kein Bad, eine Stromleitung auf dem Putz, ein einziger Lichtschalter mit einer 40-Watt-Funzel über dem Tisch und Punkt.“
Dabei hat die Scheune in Hallenberg zu diesem Zeitpunkt mehr Geschichte geatmet als viele andere Gebäude. Wahrscheinlich errichtet um 1696, „ist es das älteste Wohnhaus Hallenbergs“, erklärt Ehefrau Heike stolz. Es gehörte zuvor einem alten Mann. Der bewohnte lediglich einen einzigen Raum, nutzte den Rest als Stallungen. Sein Gang zur Toilette war der Gang zu den Kühen. Kurz vor seinem Tod vermachte er das Haus der Familie Schulze. „Mein Mann hat einmal begonnen, mir Dias vom Haus vor der Restaurierung zu zeigen. Nach 15 Stück habe ich gesagt: Hör bloß auf, ich kann das gar nicht sehen“, erzählt Heike Schulze lächelnd. Sie hatte den Hallenberger erst später kennengelernt, zog Anfang 2000 mit ein, als der größte Teil der Restaurierung schon abgeschlossen war.
Außenfassade mit originaler Lehmbauweise renoviert
1989 ließ Michael Schulze das Haus in die Denkmalschutzliste aufnehmen und machte sich mit planerischer Hilfe von Architekt Eckhard Lohmann (Brilon) im Frühjahr 1990 ans Werk. An der Außenfassade waren einige Gefache des Fachwerks komplett herausgefallen.
Sie wurden von Michael Schulze teils in originaler Lehmbauweise mit Stampflehm, teils mit Ziegelsteinen erneuert. Den Lehm hat er dabei vor Ort selbst gemischt - mit Holzhackschnitzeln, Kuhmist, Quark, Schweineborsten und einer Matschpampe - und in die Gefache geschüttet. Innen galt es zum Beispiel Wände zu mauern, Stromleitungen zu verlegen, die Fenster und Treppen von einem Fachbetrieb restaurieren zu lassen und vieles mehr. „Mit Fremdfirmen wäre es schwer bezahlbar gewesen“, gesteht der Polizist, der, soweit machbar, alles selbst restauriert hat. Und auch die Zuschüsse von der Denkmalbehörde dienten nur dazu, Sonderauflagen, also den denkmalpflegerischen Mehraufwand, zu finanzieren, nimmt Schulze allen seinen Kritikern den Wind aus den Segeln, die ihm während der Restauration vorwarfen, ihre Steuergelder für seine Bauzwecke zu missbrauchen.
„Fertig wird man nie“
Im Sommer 1994, als zweieinhalb Zimmer bezugsfertig waren, nach etlichen Arbeitsstunden nach dem Dienst, an freien und Urlaubstagen, wanderte sein Hab und Gut endgültig ins ungewöhnliche Eigenheim.
„Andere treffen sich zum Strickkreis, bei Schulzes wird gehämmert und gekloppt“, fasst das Ehepaar auch die Zeit nach 1994 bis heute zusammen, denn es gebe immer noch etwas zu tun, so richtig fertig werde man nie.
Welche Geschichten könnte das Haus von früher erzählen?
„Ich würde es immer wieder machen“, sagt Michael Schulze und erzählt von einer Reihe alter Hallenberger Gebäude, die zum Verkauf stehen würden und bei denen er sich vorstellen könnte, wieder Hammer und Meißel anzulegen. „Aber das ist praktisch. Ich habe dazu kein Geld“, antwortet er sich selbst auf die Frage, es zu tun oder nicht, die sich so quasi von selbst beantwortet habe.In einem alten Haus lebt es sich einfach ganz anders als in einem Neubau, sind sich die Schulzes sicher. „Manchmal sitze ich hier abends und überlege, wie es wohl so gewesen war, früher hier zu wohnen. Welche Geschichten mir das Haus erzählen könnte“, sagt der Polizist. Der vorherige Eigentümer sei ein Einsiedler gewesen, vollkommen mit dem Haus verwachsen. „Das Haus war seine ganze Welt und ich frage mich oft, wenn er uns so sehen könnte, ob er glücklich wäre mit dem, was wir aus ihm gemacht haben?“ Die Schulzes lieben ihr kleines Hexenhäuschen innig. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Es ist klein und eng, aber ich will hier nie mehr weg“, sagt Heike Schulze und streicht liebevoll über die dunkelblaue Eingangstür.
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