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Ehrenamtliche Hilfe steht ganz oben an

02.01.2016 | 07:00 Uhr
Ehrenamtliche Hilfe steht ganz oben an
Glückliche Gesichter beim Spiel- und Kennenlernnachmittag, den acht Firmlinge aus Hallenberg für die 13 Flüchtlingsfamilien vor Ort organisiert hatten.Foto: Rita Maurer

Altkreis.   2015 zeigten im Altkreis Brilon viele Sauerländer wieder ganz besonderes und vielfältiges Engagement.

Sich einmischen, helfen, mitgestalten – 2015 zeigten bei uns im Altkreis viele Sauerländer wieder ganz besonderes und vielfältiges Engagement: Ehrenamtliche brachten sich unermüdlich für Flüchtlinge ein, machten sich stark für ein menschliches Miteinander der Kulturen. Bürger machten mobil gegen Windkraftanlagen vor ihrer Haustür. Menschen setzten Zeichen gegen das Vergessen und sorgten dafür, dass in ihrer Stadt Stolpersteine verlegt wurden, um an die Ermordung und Vertreibung jüdischer Mitbürger während der Nazizeit zu erinnern.

Stolpersteine

Für die Verlegung von Stolpersteinen setzte sich das Briloner Jugendparlament ein. Im März wurden schließlich die ersten fünf Stolpersteine durch den Kölner Künstler Gunter Demning in der Gartenstraße in Brilon verlegt. Sie erinnern an die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Familie Goldberg während der Zeit des Nationalsozialismus. Janos Klink, Vorsitzender des Jugendparlaments, erklärte dazu: „Die Stolpersteine sind da, wo die Menschen leben und wo die Opfer, an die gedacht werden soll, gelebt haben. Sie sind auf diese Weise wieder mitten uns.“ Seit Dezember erinnern weitere 14 Stolpersteine in der Kirchstraße an verfolgte jüdische Briloner Familien.

Auch in Bigge und in Assinghausen sind in diesem Jahr die ersten Stolpersteine verlegt worden. Insgesamt sollen im Olsberger Stadtgebiet 52 Stolpersteine verhindern, dass das Geschehen vergessen wird. Verwirklicht wird das Projekt vor Ort durch den Heimatbund in Zusammenarbeit mit der Stadt Olsberg.

Auch im Marsberger Stadtgebiet kamen 2015 weitere Stolpersteine hinzu. Im März wurden 15 Stolpersteine in Borntosten, Beringhausen, Canstein und Essentho in die Bordsteine vor den Häusern eingelassen, in denen jüdische Mitbürger lebten, die deportiert oder ermordet wurden.

Marsberg war die erste Stadt im Altkreis, die sich dem bundesweiten Projekt anschloss. Hier wurden bereits im Dezember 2009 die ersten Steine in den Boden eingelassen. 2016 soll die Aktion in Marsberg mit einer abschließenden Verlegung in Udorf beendet werden.

Windkraft

Kräftig „Gegenwind“ machten in vielen Orten des Altkreises im vergangen Jahr Bürger, die sich gegen die Ansiedlung von Windkraftanlagen in ihrem Wohnumfeld engagierten, sich in diversen Bürgerinitiativen zusammenschlossen, Einwendungen machten, Leserbriefe schrieben, demonstrierten, informierten und Unterschriften sammelten.

Eine länderübergreifende Initiative ist zum Beispiel das Bündnis Marsberg und Waldecker Nachbarn, das Mitglied der „Vernunftwende NRW“ ist. Eingebunden sind dort auch weitere Bürgerinitiativen aus dem ganzen Altkreis Brilon. Das Thema Windkraft sorgte im vergangenen Jahr in vielen Orten für große Unruhe, da sich Gegner und Befürworter mit ihren Interessen teilweise unversöhnlich gegenüber stehen. Auf jeden Fall hat die Problematik dazu geführt, dass sich in den einzelnen Orten sehr viele Bürger politisch engagieren und sich aktiv wehren, wie zum Beispiel die rund 150 Bürger, die im September in Elpe gegen Windkraft demonstrierten.

Flüchtlinge

Überragendes Engagement zeigten Menschen überall im Sauerland im Laufe des vergangenen Jahres angesichts der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen. In vielen Orten bildeten sich runde Tische, wurden Patenschaften gegründet, unbürokratische Hilfe bei Behördengängen, bei alltäglichen Problemen und sprachlichen Schwierigkeiten geleistet.

In Marsberg gewährte die Ev. Kirchengemeinde dem 23-jährigen Amanuel Oqubagabr aus Eritrea mehrere Monate lang Kirchenasyl. Der junge Mann sollte nach Italien abgeschoben werden, weil er dort als erstes EU-Gebiet betreten hatte. Im Juni stoppte das Verwaltungsgericht die drohende Abschiebung.

Besonders in den Fokus gerückt wurde das Thema Flüchtlinge in Brilon, wo im September zwei Sporthallen an der Jakobuslinde in eine Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurden. Bis zu 400 Menschen können hier Aufnahme finden.

Ein Kreis von Ehrenamtlichen engagiert sich für die Flüchtlinge. Viele Briloner unterstützen sie durch Spenden. Seit Eröffnung der Einrichtung haben hier fast 1800 Menschen eine erste Anlaufstelle gefunden. „Die Hilfsbereitschaft in weiten Teilen der Bevölkerung ist groß. Bei allen Problemen, die die Inanspruchnahme für den Schul- und Vereinssport mit sich bringt, ist die Stimmung positiv. Danke an alle, die das Gefühl vermitteln, dass wir diese große Aufgabe gemeinsam meistern können“, so Brilons Bürgermeister Dr. Christof Bartsch. Und auch in den anderen Altkreis-Städten wissen die Stadtverwaltungen das vielfältige und große Engagement der Bürger in allen Orten zu schätzen.

Wie groß die Hilfsbereitschaft ist, zeigte sich auch bei der Spendenaktion, zu der die Westfalenpost-Redaktion Brilon vor Weihnachten aufgerufen hatte. Unzählige Päckchen für Flüchtlings-Kinder wurden in allen Städten gepackt und vor Weihnachten an die freudestrahlenden Empfänger weiter gereicht.

Jutta Klute

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2016-01-02 07:00
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