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Die Freilichtbühne als großes Abenteuerland

01.06.2012 | 15:38 Uhr
Die Freilichtbühne als großes Abenteuerland
Die Regisseure Birgit Simmler und Peter Hohenecker. Foto: Privat

Arnsberg/Hallenberg.  Birgit Simmler und Peter Hohenecker arbeiteten als Regisseure in Berlin. Dann folgten sie dem Ruf der Freilichtbühnen, wurden Spielleiter der Freilichtbühnen Hallenberg und Herdringen - und haben sich ins Sauerland verliebt.

Birgit Simmler und Peter Hohenecker sind ein ganz normales Theater-Ehepaar - fast jedenfalls. Beide sind Regisseure und müssen ihren Alltag zwischen Proben, Haushalt und Kinderbetreuung schaukeln. Fast? Beide arbeiten im „großen Abenteuerland“, wie Birgit Simmler es nennt. Denn sie sind die Spielleiter der Freilichtbühnen Hallenberg und Herdringen und haben damit die südwestfälische Laientheaterszene fest im Griff.

Das Ehepaar lebt und inszeniert seit Jahren in Berlin, da liest Birgit Simmler aus Zufall die Ausschreibung der Freilichtbühne Hallenberg. Die sucht einen neuen Regisseur. Sie bewirbt sich, wird sofort genommen, logiert zunächst in einer Ferienwohnung. Das war 2007. Schon die erste Inszenierung, „Piroschka“, wird ein sensationeller Erfolg. Nun fragt auch die Freilichtbühne Herdringen an. Dort ist Peter Hohenecker inzwischen im sechsten Jahr als Hausregisseur tätig.

Das Sauerland als weißer Fleck auf der Karte

Beinahe gleichzeitig wird aus dem Paar eine Familie. „Da haben wir uns gesagt, entweder wir lassen die Freilichtbühne sausen oder ziehen dahin.“ Birgit Simmler ist in Münster geboren und hat vorher in vielen Großstädten, aber noch nie auf dem Land gelebt. Für den Wiener Peter Hohenecker war das Sauerland ebenfalls ein weißer Fleck auf der Karte. Heute ist die 40-Jährige zudem Kulturreferentin in Biedenkopf, eine halbe Autostunde von Hallenberg entfernt. Und sie ist eine preisgekrönte Regisseurin von Stücken für das Tourneetheater, zum Beispiel „One Night of Ray Charles“.

Der Schritt von Berlin ins Sauerland ist groß. Wie riesig muss dann erst der Sprung von der Profibühne zur Arbeit mit Laien sein? Die Frage ist falsch gestellt, denn: „Die Unterschiede haben nichts mit der Qualität zu tun, sondern mit den Menschen“, antwortet Peter ­Hohenecker. „Wir haben es mit Akteuren zu tun, die vor der Probe schon acht Stunden im Job waren. Da die Spannung aufzubauen, das ist das Schwierige.“ Und Birgit Simmler ergänzt: „Die Akteure opfern ihre ganze Freizeit dafür, das soll auf jeden Fall Spaß machen.“

Vom Guckkasten zum Panorama

Kommt der Stadttheater-Regisseur an die Freilichtbühne, muss er ohnehin umschalten. Das Gelände ist erheblich schwieriger zu bespielen. In Herdringen sind es von links nach rechts 60 Meter, in Hallenberg sogar 90 Meter. Zum Vergleich: Die 27 Meter Bühnenbreite im Bayreuther Festspielhaus gelten bereits als gigantisch. „Vom Guckkasten zum Panorama, das erfordert noch mal ganz besondere Fähigkeiten, man muss die Leute offen auf die Szene kriegen und wieder da weg“, schildert Birgit Simmler. „Man muss filmisch denken, um die Personen über das riesige Areal zu führen“, ergänzt ihr Mann. Birgit Simmler: „Man arbeitet ganz viel mit Haupt- und Nebenfokus. Die braucht man immer, aber wenn man es auf der Freilichtbühne nicht hinkriegt, ist man verloren, denn man hat keine Hilfe von Licht, von Technik. Man muss alles mit der Personenführung machen.“

Enorm überrascht waren die beiden Künstler, als sie merkten, welches Potenzial an Kreativität und Leidenschaft sich in der Tiefe des Raumes verbirgt. „Mir war vorher nicht klar, wie groß diese Freilichtbühnen-Amateurgeschichte in Deutschland überhaupt ist und auf welchem Niveau da gearbeitet wird“, resümiert der 45-jährige Hohenecker stolz. „Die Freilichtbühnen bringen das Theater näher ans Publikum heran, als es eine arrivierte Bühne überhaupt kann. Wir bringen Leute ins Theater, die sonst nie ins Theater gehen würden oder gehen könnten.“

Birgit Simmler freut sich immer wieder darüber, dass es „eine ganz andere Wertigkeit von Kultur hat, wenn man Theater für einen ganzen Ort macht, es machen alle mit, in Hallenberg kommen pro Spielzeit bis zu 40 000 Besucher, unser Spiel ist touristisch wichtig“.

Fünf Monate im Jahr gehören Hallenberg und Herdringen

Fünf Monate im Jahr gehören Hallenberg und Herdringen. Von Biedenkopf nach Hallenberg kann Birgit Simmler fahren; Peter Hohenecker residiert dagegen die meiste Zeit in einem Wohnwagen. Bei solchen Anforderungen bedarf auch das Familienleben einer peniblen Regie: „Im Alltag kriegt man es von Tag zu Tag auf die Reihe, wer hat wann Probe, wer kümmert sich ums Kind“, schildert Birgit Simmler. „Es war eine große Erleichterung, dass meine Schwiegermama zu uns gezogen ist.“

Birgit Simmler will das Breitwandformat nicht mehr missen. „Ich liebe die Massenszenen, für mich ist nichts schöner, als 150 Leute über die Bühne zu hetzen.“ Und wie läuft es bei Simmler-Hoheneckers zu Hause: Gibt es da auch viel Theater? Birgit Simmler lacht: „Nein, wir inszenieren uns privat nicht gegenseitig - aber wir versuchen es ständig.“

Monika Willer



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