„Britta“ ist ein richtiges Naturtalent
14.09.2010 | 17:49 Uhr 2010-09-14T17:49:00+0200
Langewiese. Mittelgroß, hellbraune Augen, braunes Fell. So sieht er aus, die vierbeinige Gefährtin von Wolfgang Wahle aus Langewiese. Auf den ersten Blick eine ganz normale „Bayerische Gebirgs-Schweißhündin“ also - doch sie hat noch einiges mehr auf dem Kasten.
Seit 1974 bildet Wolfgang Wahle für Privatzwecke Hunde aus. Aber selten hat er so ein Naturtalent wie „Britta“ gesehen. „Sie war acht Wochen alt, als wir mit dem Training begonnen haben. Schon mit sechs Monaten hatte sie ihre erste Nachsuche, also das Auffinden von verletztem Wild. Mittlerweile liegen rund 60 Nachsuchen hinter ihr, dabei liegt ihre Erfolgsquote bei 80 Prozent. Das ist wirklich sehr gut“, sagt Wolfgang Wahle
Nicht nur die Nachsuche ist eine Spezialität der 5 1/2-jährigen Hündin, sondern auch die Personensuche. Wo Diensthunde manchmal nicht weiterkommen, ist sie zur Stelle. Vier von fünf vermissten Personen hat Britta schon ausfindig gemacht.
Zuletzt waren Hündin und Herrchen in Grefrath, um den vermissten Mirco aufzuspüren - leider ohne Erfolg. „Letzten Montag sind wir dort acht Kilometer abgelaufen. In einem bestimmten Gebiet gaben die Hunde besonders Laut“, sagt Wolfang Wahle, „seitdem wird dort verstärkt gesucht. Manchmal kommen aber selbst die besten Hunde an einer Stelle nicht weiter.“
Nach dem Misserfolg war die Hündin entsprechend demotiviert. Deshalb war das Training, das der Langewieser zweimal die Woche durchführt, für entsprechende Erfolgserlebnisse besonders wichtig. Dazu legt er meist einen Tag vorher jeweils eine Fährte aus, die seine insgesamt vier Hunde einzeln - da sie sonst dem Geruch des anderen Hundes folgen - nachspüren. Wolfgang Wahle benutzt für dieses Training unter anderem Rehdecken. Die finden die Hunde dann innerhalb von kurzer Zeit. „Wenn man mit den Hunden zu lange sucht, sinkt ihre Konzentrationsfähigkeit, und es wird zu anstrengend. Es sind ja viele Einflüsse, die auf den Hund und seine Nase wirken“.
Deshalb muss auch ihr Herrchen besonders konzentriert sein und auf Körpersignale des Hundes achten. So kommunizieren die Tiere mit ihrem menschlichen Begleiter. Wolfgang Wahle und seine Hunde jedenfalls sind ein eingespieltes Team.
„Britta überrascht mich immer wieder aufgrund ihrer Treffsicherheit und Nachsicht“, berichtet der Jagdaufseher, „deshalb lässt sie sich auch nicht ersetzen“. Der ideelle Wert eines Hundes sei sehr hoch. Vor vier Jahren war Britta beim Spielen durch einen Unfall mit einem anderem Hund klinisch tot. „Da habe ich sie durch eine Herzmassage und Hals-/Nasenbeatmung wiederbelebt“, sagt Wahle.
Außerdem hat Familie Wahle zwölf Welpen per Hand aufgezogen, da Britta nach vier Wochen eine Gesäugeentzündung hatte. „Das war ein 24-Stunden-Job. Da tat es natürlich bei jedem einzelnen Welpen weh, als wir ihn abgeben mussten“, bedauert Wahle.
Deshalb hat die Familie auch zwei Junge aus dem Nachwuchs behalten: die eineinhalbjährigen „Ricka“ und „Anny“. Zur Familie gehört auch „Afra“, ein viereinhalbjähriger Deutsch-Drahthaar. Auch diese wollen trainiert werden.
„Denn wenn Britta in ca. fünf Jahren in den Ruhestand geht, müssen die anderen Hunde in ihre „Pfotenstapfen“ treten“, erklärt Wolfgang Wahle. Und das sind ziemlich große. Denn „Britta“ wird Spuren hinterlassen. Kein Wunder bei soviel Talent.
Denn, wie ihr Herrchen sagt: „,Britta’ ist ein wirklich außergewöhnlicher Hund.“
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