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Asyl

Albanisches Kleinkind wird doch nicht ohne Eltern abgeschoben

16.02.2016 | 05:44 Uhr
Albanisches Kleinkind wird doch nicht ohne Eltern abgeschoben
Der 21 Monate alten Edona droht die Abschiebung nach Albanien. Ihre Eltern sind noch im Ungewissen über ihre Zukunft.Foto: Rita Maurer

Hagen/Medebach.   Der 21 Monate alten Tochter eines albanischen Flüchtlingspaar wurde die Abschiebung angedroht. Am Montag war klar: das Kind darf bleiben - vorerst.

Edona muss vorerst nicht gehen. Zumindest so lange nicht, wie ihre Eltern Franga und Eduart Bushgjokaj in Deutschland bleiben dürfen.

Am vergangenen Donnerstag hatte das gerade einmal 21 Monate alte Kleinkind Bescheid vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bekommen (diese Zeitung berichtete). Darin lehnte die Nürnberger Behörde den Asylantrag, den die Eltern für ihre Tochter gestellt hatten, „als offensichtlich unbegründet ab. Die Antragstellerin wird aufgefordert, die Bundesrepublik Deutschland innerhalb einer Woche nach Bekanntgabe dieser Entscheidung zu verlassen.“ So steht es im Schreiben, das das Bundesamt den Eltern zugesandt hat.

Für die Eltern ein Schock

Für Eduart und Franga Bushgjokaj ein Schock. Denn über den Ausgang ihres eigenen Asylverfahrens wissen sie noch nichts. Ob und wann sie gehen müssen oder bleiben dürfen – das ist ihnen bisher nicht mitgeteilt worden. Dabei ist die Entscheidung auch für die Eltern längst gefällt, heißt es beim Bundesamt für Migration. „Bedauerlicherweise gingen die Bescheide nicht zeitgleich in die Zustellung“, so ein Sprecher. Dies sei der hohen Zahl an Asylanträgen geschuldet. Wie aber die Entscheidung für die Eltern ausgegangen ist, das teilte er aus Datenschutzgründen nicht mit. Die Bushgjokajs warten also weiter.

Die kleine Edona allein nach Albanien zurückzuschicken, falls sie bleiben dürfen, ist für die Eltern undenkbar. Zumal das Mädchen in Deutschland geboren ist, elf Tage, nachdem die Familie 2014 aus Albanien hierher gekommen war. Dazu allerdings, so versichert die Ausländerbehörde des Hochsauerlandkreises, wird es nicht kommen: „Ein minderjähriges Kind genießt den Schutz der Familie und wird nicht allein abgeschoben.“ So steht es auch im Bescheid des Bundesamts, Aktenzeichen 5767139-121. Allerdings erst auf der siebten von elf Seiten Behördensprache. Dort heißt es: „Insbesondere werden minderjährige Kinder nicht getrennt von ihren Eltern abgeschoben.“ Sollten die Eltern also ein Bleiberecht bekommen, wird auch Edona geduldet – mindestens bis sie 18 Jahre alt ist.

Abschiebung
Edona (2) aus Medebach soll allein nach Albanien ausreisen

Für ihre Familie ist Edona (2) der Inbegriff der Freiheit: Sie wurde nach der Flucht im Sauerland geboren. Jetzt soll sie abgeschoben werden.

Doch die Chancen stehen schlecht für Franga und Eduart Bushgjokaj. Schließlich haben sie die gleichen Asylgründe geltend gemacht wie für ihre Tochter. Anfang Juni 2014 hat das Paar aus Albanien den Asylantrag gestellt. Mehr als eineinhalb Jahre später haben sie sich in Medebach gut eingelebt. Der Vater ist im Männergesangverein. Beide haben sichere Arbeitsstellen, sind auf Sozialleistungen nicht angewiesen, besuchen zweimal pro Woche einen Deutschkurs.

Doch im Oktober 2015 ist Albanien in die Liste der sicheren Herkunftsländer aufgenommen worden. Die Chancen, als Asylberechtigter anerkannt zu werden, sind mithin gering. Die ­Bushgjokajs haben darauf gehofft, dass ihnen zumindest „subsidiärer Schutz“ gewährt wird.

Dieser wird erteilt, wenn ein Flüchtling in seinem Herkunftsland ein „ernsthafter Schaden“ droht. Dazu zählen Todesstrafe, Folter, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung, willkürliche Gewalt im Rahmen eines bewaffneten Konflikts. Blutrache drohe ihnen in ihrer Heimat, machen die Bushgjokajs geltend. 5693 Asylentscheidungen sind im Januar dieses Jahres gefällt worden. Davon bekamen nur acht Antragsteller subsidiären Schutz, so die Asylgeschäftsstatistik des Bundesinnenministeriums.

Keine Todesstrafe, keine Folter

Die Zahlen lassen also nichts Gutes erwarten für Franga und Eduart Bushgjokaj. Und auch im Bescheid der kleinen Edona weist die Asylbehörde darauf hin: Die Todesstrafe sei in Albanien abgeschafft. Die Verfassung verbiete dort Folter und unmenschliche Behandlung. Und die nationalen Sicherheitskräfte gewährten ausreichenden Schutz vor Schäden, die von nichtstaatlichen Gruppen drohen könnten.

Das sieht man bei Pro Asyl anders. Die Menschenrechtsorganisation kreidet die organisierte Kriminalität und eine „Kultur der Straflosigkeit“ an. „Die Situation ist für viele Menschen fatal.“

Rita Maurer und Nina Grunsky

Kommentare
17.02.2016
20:44
Albanisches Kleinkind wird doch nicht ohne Eltern abgeschoben
von Klapperschlange | #21

Mußte erst mal sehr lachen.....kenne die PC Programme der Behörde nicht, aber ich denke, das Geburtsdatum eines Asylbewerbers ist dem Bearbeiter des...
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1 Antwort
Albanisches Kleinkind wird doch nicht ohne Eltern abgeschoben
von Wellengang | #21-1

Schlimmer erscheint mir hier die Tatsache, Das der entsprechende "Sachbearbeiter" unabhängig von seinem Bearbeitungsprogramm entweder nicht nachgedach, geprüft und beurteilt hat.
Ganz davon abgesehen das integrierte Asylbewerber ganz sicher NICHT abgeschoben werden sollten.
Zur Abschiebung sind meiner Meinung nach ganz anderfe Kriterien maßgeben - Integrationsunwilligkeit, Straffälligkeit, Verstöße gegen deutsche Grundrechte usw...

Aber das scheinen einige Behörden noch nicht in sich "integriert" zu haben... schade eigentlich

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2016-02-16 05:44
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