Herdecke

Zwei Brüder, zwei Medien-Welten

Fernsehgucken war gestern: Max (rechts) und Hannes Große-Ruyken brauchen den großen Monitor im Wohnzimmer vorrangig für Sportspiele und fürs Filme-Schauen.
Fernsehgucken war gestern: Max (rechts) und Hannes Große-Ruyken brauchen den großen Monitor im Wohnzimmer vorrangig für Sportspiele und fürs Filme-Schauen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Max und Hannes trennen nur drei Jahre, und doch zeigen sich bei den beiden Brüdern aus Herdecke nicht nur beim Zocken große Unterschiede.

Herdecke.  . Was sind schon drei Jahre Altersunterschied? Ganz schön viel, zumindest im digitalen Zeitalter. Max ist 18, Hannes 15. Und doch spielen die beiden Brüder auf unterschiedliche Weise ihre Computerspiele, und auch in der Schule hat sich etwas beim Einsatz neuer Techniken getan.

Wenn Max früher „gezockt“ hat, saßen er und eine Hand voll Freunde im Wohnzimmer und hatten auf dem Tisch ihre Computer aufgebaut. Zum Ritual der LAN-Parties zählte eine Schlachtplatte vom Griechen und viel, viel Zeit. Auch wenn Hannes heute seine Freunde zu Gast hat, darf es früh werden. Und sicher unwesentlich ist, dass bei den Jungs längst Kentucky Fried Chicken in Vorhalle dem Griechen in der Herdecker Altstadt den Rang abgelaufen hat. Andere Eltern fahren in Vorhalle vorbei und bringen Futter mit, wenn sie ihre Kinder bei Familie Große-Ruyken abliefern. Energiedrinks haben sie auch schon mal dabei. Aber keine PCs. Computer-Spiele von heute brauchen nur noch eine ausreichende Zahl von Controllern. Die sehen manchmal aus wie Fernbedienungen und geben die Befehle in der virtuellen Sportwelt oder bei vernetzten Kämpfen.

Regeln sind wichtig, sagt der Papa

Heute ist Max Azubi und das Zocken nicht mehr so interessant. Früher war das anders, und deshalb hat der Papa versucht, Regeln aufzustellen - und auch durchzusetzen. Den Verbindungsrechner hatte er so programmiert, dass nach einer festgelegten Zeit Schluss war mit dem Netzzugang. Als Max 17 war, hat er den Zugang dann frei gegeben, sagt der Vater, der auch selbst schon mal nächtelang durchspielen konnte.

Beim zweiten Kind ist alles nicht mehr so streng. „Ich habe von Max als Vorkämpfer profitiert“, sagt Hannes, und gibt zu: „Ich spiele viel. Aber zum Essen komme ich immer pünktlich.“ In seinem Zimmer steht ein PC mit zwei Monitoren fürs Spielen. Daneben hat er noch einen Laptop fürs Schulleben. Digitale Technik kam im Unterricht auch schon zum Einsatz, als Max noch an der Friedrich-Harkort-Schule Punkte fürs Abitur gesammelt hat. „Mit dem Internet war das aber kritisch“, erinnert sich der 18-Jährige, „wenn der Aufbau einer einzelnen Seite drei Minuten dauert.“ Vater Bernd verkneift sich eine Bemerkung. Er ist bei der Stadt Herdecke für die technische Ausstattung der Schulen zuständig. Und dann sagt Hannes beruhigend: „Das Netz ist schneller geworden.“

Viele Lehrer sind fast auf der Höhe ihrer Schüler, weiß der 15-Jährige. Im Physikunterricht schreibt der Lehrer mit dem Finger auf eine elektronische Tafel , und seine Chemielehrerin hat erst mal mit dem Tablet-PC Fotos von all ihren Schülern gemacht. Damit sie den vielen neuen Namen leichter ein Gesicht zuordnen kann. Am Ende der Chemiestunden wird oft das Tafelbild abfotografiert und auf eine Datenwolke geladen. Zuhause wird das Bild dann abgerufen und als Hausaufgabe abgeschrieben. Wertvolle Unterrichtszeit geht dafür nicht mehr verloren.

Schulnachrichten über WhatsApp

Die beiden Brüder sitzen im Wohnzimmer, erzählen von ihren Freunden, mit denen sie über Jahre gespielt haben und deren Gesichter sie nicht kennen, von den Englischkenntnissen, die dank mancher Spielsprache bestens sind und vom Filmegucken, das längst das Fernsehschauen abgelöst hat. Immer mal wieder blickt Hannes aufs Display seines Handys. Ohne Smartphone sagt er gar nichts. Ohne wäre er auch ziemlich abgemeldet. Über die WhatsApp-Gruppe seiner Klasse bekommt er mit, wenn sich im Stundenplan etwas verschiebt. Der große Bruder Max hat vor einem Jahr noch über Facebook „alles Wichtige über die Stufe erfahren“. Wie vorsintflutlich.