ZWAR-Projekt verbindet die Menschen in Herdecke

Dieter Deffner (2.v.re) hat einen Film über den Start von ZWAR gedreht. Vorne: Barbara Degenhardt-Schumacher vom VCS  (Mitte)  beim Besuch der Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster (links).
Dieter Deffner (2.v.re) hat einen Film über den Start von ZWAR gedreht. Vorne: Barbara Degenhardt-Schumacher vom VCS (Mitte) beim Besuch der Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster (links).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Bald läuft die Anschubhilfe für ZWAR in Herdecke aus. Die Idee begeistert bei Basistreffen und vielen Einzelaktivitäten

Herdecke..  Erst musste die Bürgermeisterin überzeugt werden. Ihre anfängliche Skepsis ist verflogen: „ZWAR ist super eingeschlagen“, sagt Katja Strauss-Köster über das Projekt für Menschen ab 55. Skeptisch war auch Dieter Deffner.

Je öfter er mit der Filmkamera dabei war, um das Werden und Wachsen von ZWAR zu dokumentieren, desto mehr packte ihn die Begeisterung: 150 Menschen allein bei der Gründungsveranstaltung, ein Stamm von 50 Männern und Frauen, die zu den Basistreffen alle zwei Wochen kommen. „Wir platzen aus allen Nähten“, kann Barbara Degenhardt-Schumacher vom VCS feststellen. Für ein Jahr leistet der Verein Anschubhilfe. Dann muss das Projekt „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ auf eigenen Beinen stehen.

„Kein Vorstand, kein Beitrag, keine Vereinsmeierei“, schwärmt Wilfried Hoppe für die Vorzüge von ZWAR. Gerade hat er eine Drei-Tage-Reise nach Wangerooge fest gemacht. 28 ZWARler aus Herdecke haben sich angemeldet und bezahlt. Auch Robert Mommers ist an gemeinsamen Fahrten interessiert. Er denkt dabei an Fahrradfahren mit Gleichgesinnten, aber auch an Besuche in Theatern und Museen. „Man verkehrt auch schon privat miteinander“, freut sich Klaus Kaiser. Vor zwei Jahren ist er von Hagen nach Herdecke gezogen. ZWAR macht es ihm leicht, Kontakte zu knüpfen, heimisch zu werden.

„Es geht um den Übergang“

„ZWAR gelingt es, alles ein bisschen wärmer zu machen“, sagt die Bürgermeisterin am großen Tisch in ihrem Amtszimmer. Dieter Deffner hat seine frisch fertiggestellte DVD mitgebracht und ein halbes Dutzend seiner „Darsteller“ dazu. Die Bürgermeisterin weiß, wovon diese sprechen, wenn die Gelegenheit zum Miteinander so in den Vordergrund gestellt wird. Wenn sie als Vertreterin der Stadt zu 90. Geburtstagen gehe, „bin ich ganz oft der einzige Gast“, sagt Katja Strauss-Köster. Der Jüngste aus der ZWAR-Gruppe im Bürgermeisterzimmer ist 58, der Älteste 73. „Gefühlt sind aber 50 Prozent bei den Projekten noch berufstätig“, will Wilfried Hoppe dem Eindruck einer reinen Seniorentruppe entgegen wirken. „Es geht um den Übergang“, sagt er. „Man muss sich rechtzeitig kümmern“, weiß auch Klaus Kaiser, „damit sich im Ruhestand nicht plötzlich ein großes Loch auftut.“

Bei den Basistreffen, vor allem aber in den vielen Einzelprojekten wird dieser Leere entgegengewirkt. Es wird gekocht, Musik gemacht, gekegelt, Wanderziele locken in Herdecke wie in der Umgebung. „Alles ist aus der Gruppe heraus gekommen“, schwärmt ein Aktiver und lobt das Engagement von Barbara Degenhardt-Schumacher: „Sie hat uns zusammengeschweißt.“

Einstieg ab 55 Jahren

So schnell das Baby auf die Beine gekommen ist, es muss bald schon alleine laufen können. Die ZWAR-Projekte, die in ganz Nordrhein-Westfalen angeschoben werden, haben eine begleitete Eingangsphase. Und dann müssen sie entweder den nötigen Schwung gefunden haben - oder es ist mit ZWAR schon wieder vorbei. Deshalb muss sich die Bürgermeisterin auch keine Gedanken machen, ob sich in der Stadt nicht doch noch ein Sponsor findet, der die Anschubphase in der Begleitung noch einmal verlängert.

„Es verzahnt sich“, kann Barbara Degenhardt-Schumacher schon nach wenigen Monaten ganz im Sinne der Idee feststellen. Und doch wird sie den ZWARlern fehlen. Aber nicht lange. „Bald bin ich 55“, sagt sie wie zum Trost, „dann darf ich auch bei Euch mitmischen.“