Zukunft für Herdeckes Cuno-Kraftwerk ungewisser denn je

Was mit dem Cuno-Kraftwerk am Harkortsee zwischen Herdecke und Wetter passiert, ist ungewisser denn je.
Was mit dem Cuno-Kraftwerk am Harkortsee zwischen Herdecke und Wetter passiert, ist ungewisser denn je.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Das Cuno-Kraftwerk wird nicht mehr zur sicheren Stromversorgung und Netzstabilität benötigt. Enervie und Statkraft verhandeln über die Zukunft.

Herdecke/Hagen..  Was seit Tagen kursiert, ist seit gestern gewiss: Die Kraftwerke in Hagen, Herdecke und Werdohl werden bald nicht mehr zur Sicherstellung der Stromversorgung und Netzstabilität gebraucht. Der Energieversorger Enervie, unter dessen Dach die Tochtergesellschaft Mark-E das Cuno-Kraftwerk am Harkortsee betreibt, bestätigte nun technische Lösungen, wonach die moderne Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) an der Stadtgrenze zu Wetter doch nicht netzrelevant sei. So hieß es noch im Oktober 2014.

Damit ist die Zukunft für das 2004 für 200 Millionen Euro umgebaute Kraftwerk, das seit einiger Zeit im Stand-by-Betrieb läuft und nur gelegentlich Netzschwankungen ausgleicht, ungewisser denn je. Zuletzt gaben die Betreiber den jährlichen Verlust mit zehn Millionen Euro an. „In Kürze werden wir uns mit Amprion, AVU und Westnetz genauer darauf verständigen, wie die Netzlösung konkret aussehen kann“, sagte Enervie-Sprecher Andreas Köster gestern auf Anfrage. „Wie für unsere anderen Kraftwerke gilt auch für den Standort Herdecke, dass wir noch nicht zu 100 Prozent sagen können, was im Detail dort passiert.“

Zumal der norwegische Energieversorger Statkraft mit 50 Prozent am Cuno-Kraftwerk beteiligt ist. „Auch wir sind etwas überrascht, dass eine technische Lösung plötzlich so schnell möglich ist. Selbstverständlich sind wir über die Situation in Herdecke umfassend informiert“, teilte darauf hin Statkraft-Unternehmenssprecherin Anne Joeken mit.

Offene Fragen bis 2016 klären

Gemeinsam wollen die beiden Firmen nun nach Lösungen suchen. Dabei ist Eile geboten, da das GuD bereits Anfang 2016 überflüssig sein könnte und damit in die gleiche Situation geraten kann wie es Statkraft in Knapsack (Hürth) bei Köln erlebt. Dort wurde 2013 für 350 Millionen Euro ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk fertig, ohne dass es gewinnbringend vermarktet werden kann. „Wir zahlen alle laufenden Kosten aus eigener Tasche, halten die Gaskraft jedoch nach wie vor konzeptionell für einen idealen Partner der Energiewende“, so Joeken.

Mit Blick auf Januar 2016 meint sie, dass die Anlage in Herdecke je nach Rahmenbedingungen, technischer Lösung und politischer Absicht „unter den dann herrschenden Marktbedingungen betrieben werden“ muss. Das klingt vorerst nicht danach, als ob Statkraft das Cuno-Kraftwerk aufgeben will. Enervie hält sich diesbezüglich noch zurück.