Zeugen stiften nur Verwirrung

Justitia ist die Personifikation der Gerechtigkeit.
Justitia ist die Personifikation der Gerechtigkeit.
Foto: Kurt Michelis
Was wir bereits wissen
Mit einem Freispruch endete ein Prozess gegen einen 40-Jährigen, der nach einem Streit seine Noch-Ehefrau geschlagen haben soll.

Wetter..  Im erbitterten Rosenkrieg sollte ein 40-Jähriger einen heftigen Streit mit seiner künftigen Ex-Frau in Wetter mit einem Schlag für sich entschieden haben. Vor dem Amtsgericht Wetter beteuerte er schon bei Prozessbeginn seine Unschuld, sein vermeintliches Opfer belastete ihn indes schwer und Zeugen stifteten Verwirrung. Der Fall endete jetzt mit einem Freispruch.

Ende Juni kam es zwischen dem einstigen Paar während einer Autofahrt in Wetter zu einer weiteren Auseinandersetzung. Letztlich, so zumindest der Vorwurf, sollte der 40-Jährige seiner Frau gegen das Ohr gehauen haben. Dabei sollte die 41-Jährige eine Gehirnerschütterung erlitten haben, beklagte Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Geräusche im Ohr. Die Rötungen und Schwellungen, so behauptete sie später, hätten die beiden Polizeibeamten, bei denen sie Anzeige erstattet hätte, auch gesehen.

Gericht verhörte die Polizisten

Anfang Februar begann der Prozess gegen den Mann, von dem sie in absehbarer Zeit geschieden sein wird. Der verwahrte sich sofort dagegen, die Hand erhoben zu haben. Er habe die Frau ganz gewiss nicht geschlagen. Sie behauptete das Gegenteil. In dieser Pattsituation hätten die Zeugen, die der Angeklagte zu seiner Entlastung anführte, Licht ins Dunkel bringen sollen. Irrtum, beide sorgten für Unverständnis. Zwar waren sie sich einig, dass der 40-Jährige nicht zugeschlagen habe, dafür widersprachen sie sich jedoch in vielen Punkten und vermittelten damit einen reichlich unglaubwürdigen Eindruck.

Das Gericht sah zusätzlichen Aufklärungsbedarf, der Prozess wurde unterbrochen und jetzt mit der Befragung der Polizeibeamten fortgesetzt, die die Anzeichen von Gewaltanwendung im Gesicht der Frau gesehen haben sollten. Tatsächlich, das gaben beide an, hätten sie nichts dergleichen festgestellt.

Daraufhin wurde der vermeintliche Schläger freigesprochen. In der Urteilsbegründung fand Richter Heinz-Dieter Beckmann allerdings deutliche Worte: „Es ist beides möglich.“ Selten habe er so schlechte Zeugen gesehen, wie die, die der Angeklagte ins Feld geführt habe, und es sei auch fraglich, ob die beiden an dem Abend wirklich dabei gewesen seien. Dem entgegen laufe aber ein Scheidungsverfahren mit einigem Hin und Her.

Die Polizisten hätten keine Verletzungen festgestellt, auf den vorliegenden Fotos sei auch nichts zu sehen und im ärztlichen Attest seien lediglich subjektive Befunde vermerkt. Insgesamt, so Beckmann, wäre es somit sicherlich mehr als gewagt, den 40-Jährigen allein aufgrund der Angaben seiner baldigen Ex-Frau zu verurteilen.