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Zeitzeugen sind die besten GeschichtslehrerUnterstützung von der Naumann-Stiftung

24.01.2015 | 06:00 Uhr
Zeitzeugen sind die besten GeschichtslehrerUnterstützung von der Naumann-Stiftung
Sally Perel, Zeitzeuge des Nazi-Terrors, ist immer wieder zu Gast in der Friedrich-Harkort-Schule.Foto: Jürgen Theobald

Herdecke.   Noch gibt es Menschen, die den Holocaust erlebt und überlebt haben - und die Schülern auch in Herdecke davon berichten.

Seit Jahren ist Sally Perel Gast der Friedrich-Harkort-Schule in Herdecke. Als Zeitzeuge des Holocaust mit einer ganz unglaublichen Überlebensgeschichte holt er Vergangenheit in die Gegenwart. Beim jüngsten Thementag der Schule zum „Nationalsozialismus und Widerstand“ war das wieder zu erleben. Wie wichtig sind solche Zeitzeugen, wie lange kann Schule noch auf sie bauen, und wo kann Unterricht über das Dritte Reich heute anknüpfen bei den Schülern? Darüber sprach die Redaktion mit Sonja Jäger-Endras, Lehrerin für Geschichte, Deutsch und katholische Religion am Herdecker Gymnasium.


Frage: Was kann ein Zeitzeuge und Opfer den Kindern in der persönlichen Begegnung geben?

Sonja Jäger-Endras ist Oberstudienrätin an der FHS und unterrichtet Geschichte, Deutsch und katholische Religionslehre. Foto: PAUL WIESMANN

Sonja Jäger-Endras: Die Schülerinnen und Schüler erhalten durch die persönliche Begegnung die seltene Chance, von einem Zeitzeugen unmittelbar in die dunkle Zeit des Nationalsozialismus mitgenommen zu werden. Sally Perel erzählt in einem lebhaften, spannenden, nahegehenden und jederzeit nachdenklich stimmenden Vortrag die außergewöhnliche, ja fast verrückte Geschichte seines Überlebens in einer Zeit, in der sechs Millionen Juden, darunter auch seine Eltern und seine Schwester, von Deutschen systematisch vernichtet wurden. Sally Perel berichtet das alles fesselnd und ist den Jugendlichen dabei so nah, dass die ansonsten durchaus nicht immer ruhigen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 für mehr als eineinhalb Stunden gebannt zuhören. Man hätte mitunter die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können.

Wie lange kann das gehen?
Ans Aufhören denkt der beinahe 90-Jährige laut heutiger Aussage nicht, weil er eine Mission hat: Nur wer die Vergangenheit kennt, ist für die Gegenwart und Zukunft gewappnet. Dabei geht es Perel, das betont er immer wieder, nicht darum, bei seinen jungen Zuhörern Schuldgefühle zu wecken: Keiner, der vor ihm sitze, sei schuldig. Aber jeder für sich sei verantwortlich, dass sich die Vergangenheit nie wiederhole. Und Zeitzeugen seien die besten Geschichtslehrer. Dieses Anliegen vertritt er so überzeugend, dass er junge Menschen damit sehr berührt.

Wird es auch noch Thementage zum „Nationalsozialismus und Widerstand“ geben, wenn Sally Perel nicht mehr kommen kann?
Die Erinnerung der Zukunft wird eine Erinnerung ohne Zeitzeugen sein. Auch das macht den Geschichtsunterricht nicht leichter. Jedoch: Was wäre die Alternative? Auschwitz vergessen? Die Namen der mutigen Gegner von Diktatur und Gewalt aus dem Gedächtnis löschen? Einen Schlussstrich ziehen, den uns der Rest der Welt nie abnehmen würde? Das wäre ein später Sieg eines verbrecherischen Systems, das Millionen Menschen die Jugend und noch mehr Menschen das Leben geraubt hat.

Es gibt sicherlich auch in Zukunft vielfältige Möglichkeiten der Beschäftigung mit der Thematik, so hätten wir uns als verantwortliche Fachschaften für Geschichte, Religion und Philosophie zum Beispiel alternativ gut vorstellen können, anlässlich des Holocaust-Gedenktages am kommenden Dienstag in Kooperation mit dem Onikon den Film „Lauf Junge lauf“ in den Mittelpunkt zu stellen und dazu einen Workshop zu gestalten.

Wie gegenwärtig ist bei den Schülern die NS-Zeit?
Für viele Jugendliche ist das Dritte Reich zwar Teil einer längst vergangenen Geschichte, die ihre Groß- bzw. Urgroßväter betrifft, nicht sie selbst. Und dennoch zeigen die meisten jungen Menschen ein erstaunliches Interesse an diesem düsteren Kapitel. Hier einer aufkeimenden Faszination mit Wissen und Wahrheiten zu begegnen, ist für uns sehr wichtig. Das liegt auch angesichts der Entwicklung der heutigen politischen Situation auf der Hand. Die Frage ist doch, was gegen das Nichtwissen getan werden kann und soll. Den Schülerinnen und Schülern zu verdeutlichen, was gerade für sie auf dem Spiel steht, wenn sich das Vergangene wiederholen würde - dieser Ansatz muss entscheidend sein.

Die Lesung von Sally Perel war nicht allein Schülern und Lehrern vorbehalten. Auch die interessierte Öffentlichkeit war in die Aula eingeladen.

Die Friedrich Naumann-Stiftung hat die Schule bei der Lese-Veranstaltung unterstützt und durch diese Hilfe den Eintritt für die Bürger niedrig gehalten.

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2015-01-24 06:00
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