Zauberkunst und Alltagslügen

Comedian Ingo Oschmann holte auch Zuschauer auf die Bühne. Die hatten sichtlich Spaß.
Comedian Ingo Oschmann holte auch Zuschauer auf die Bühne. Die hatten sichtlich Spaß.
Foto: Valentin Dornis
Was wir bereits wissen
Ingo Oschmanns Auftritt im Stadtsaal war nichts für Fans des politischen Kabaretts. Anhänger guter Unterhaltung kamen trotzdem auf ihre Kosten.

Wetter..  Wer politisches Kabarett erwartet hatte, den enttäuschte Ingo Oschmann schon zu Beginn seines Auftritts im Stadtsaal: „Ich mache Comedy. Ihr braucht heute Abend also nicht viel nachzudenken.“ Der Comedian war zum Abschluss der 14. Kleinen Kunstreihe des Kulturzentrums Lichtburg nach Wetter gekommen und präsentierte sein Programm „Hand drauf!“. Und gemäß des Titels hielt sich Oschmann an das, was er dem Publikum zu Beginn versprochen hatte: „Wir werden gemeinsam einen unterhaltsamen Abend haben.“

Ernste Themen immer mit einem Witz

Das Etikett „Comedy“ ist unter dem Einfluss von klischeehaften Männer-Frauen-Witzen und Flatulenz-Geschichten fast zum Schimpfwort geworden. Was Oschmann dem Publikum zeigt, ist deshalb treffender mit „guter Unterhaltung“ zu beschreiben. Es wird viel gelacht, immer wieder geschmunzelt und manchmal trotz anderslautender Ankündigung auch über Hintergründiges nachgedacht.

Denn das große Thema des aktuellen Programms ist das Lügen. Oschmann erzählt Geschichten über kleine und große Alltagslügen, die jeder kennt. Er fragt, warum Menschen so selten zu ihrem Wort stehen. In diesen Momenten predigt Oschmann mehr Ehrlichkeit – und das Publikum applaudiert.

Doch auch wenn Oschmann immer wieder ins Philosophieren gerät, steht die kurzweilige Unterhaltung stets im Vordergrund. Jeden ernsten Moment garniert er mit einem kleinen Witz, die Übergänge zur nächsten lustigen Geschichte funktionieren ohne Brüche. Das Programm plätschert im positiven Sinne vor sich hin: nie langweilig, sogar immer wieder überraschend. Es ist über zwei Stunden einfach konsequent unterhaltsam.

Oschmann kann gut Witze über andere machen, mindestens genau so gut aber auch über sich selbst lachen. Eine Zuschauerin habe ihn vor der Vorstellung angesprochen, erzählt er. Sie habe ihn letztes Mal auch gesehen, als er in Wetter war. „Ich konnte mich nicht erinnern, wann das war. Da sagt sie: Das muss ungefähr 30 Kilo her sein.“ Tatsächlich fällt beim Blick auf das Portrait-Banner der Bühnendekoration auf, dass Oschmann sich seit seinem letzten Besuch nicht nur inhaltlich weiterentwickelt hat.

Ein Mann für die Bühne

Dass das Programm so gut ankommt, liegt auch an der Person Ingo Oschmann. Der Mann, das ist nach diesem Abend klar, gehört nicht ins Fernsehen. Er gehört auf die Bühne. Seine ungezwungene, natürliche Art und die Interaktion mit dem Publikum machen seine Vorstellung aus. Oschmann spricht mit den Leuten, holt sie auf die Bühne und macht gemeinsam mit ihnen Experimente zur Ehrlichkeit oder zeigt Zauberkunststücke.

Die Pause verbringt Oschmann nicht in der Garderobe, er läuft im Foyer des Stadtsaals herum und spricht mit den Leuten. Draußen erzählt er von seinem Umzug und spricht mit den Zuschauern über Wetter. Warum sehen die Wetteraner ihre Stadt so negativ? „Ihr habt doch gute Voraussetzungen hier. Die Lage am See und die Nähe zu den Ruhrgebietsmetropolen. Da könnt ihr doch was draus machen.“ Ihm gefalle es hier jedenfalls. Immer wieder dankt er dem Publikum von der Bühne herab fürs Mitmachen: Wenn er Zuschauer nach oben holt, haben sie gemeinsam sichtlich Spaß. Am Ende verspricht er, wiederzukommen – auf der Bühne und privat: „Ihr habt hier ein Kulturfrühstück, dafür hab ich schon Karten gekauft.“ Das Publikum dankt diese Wertschätzung der Heimat mit minutenlangem Applaus.