Zahnärzte lernen Neues über den Unterkiefer

Herdecke/Witten..  Wo gehört der Unterkiefer eigentlich hin? Diese Frage stellt die Universität Witten/Herdecke gerade Zahnärzten. Provokant? Nein, meinen die Organisatoren der Fortbildung. Prof. Dr. Andree Piwowarczyk, Lehrstuhlinhaber für Zahnärztliche Prothetik und Dentale Technologie, ist einer von ihnen.

1 Müssen sich Zahnärzte über Anatomie belehren lassen?

Man sollte annehmen dürfen, dass Zahnärzte die Frage nach dem Unterkiefer einfach beantworten können. Tatsächlich aber ist bei Patienten mit abgeknirschten Zähnen die Frage sehr wichtig und gleichzeitig nicht leicht zu beantworten. Denn eine Fehlhaltung im Kiefergelenk kann Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Ohrgeräusche oder Schwindel auslösen. Und dann beginnt meist eine Odyssee von Arzt zu Arzt. Auch im Bereich der Kieferorthopädie ist der Zusammenhang Kieferhaltung und Körperhaltung nicht automatisch Bestandteil von Untersuchung und Behandlung.

2 Wie kann eine Fortbildung da helfen?

In der Vergangenheit sind viele Produkte auf den Markt gekommen, die mit großem Werbeaufwand den Zahnärzten ganz neue Behandlungs- und Abrechnungsmöglichkeiten versprochen haben. Wir möchten nicht noch so ein System vorstellen, sondern über die Grundlagen eines gemeinsamen Diagnosesystems von Zahnärzten, Orthopäden, Physiotherapeuten und anderen beteiligten Berufsgruppen im Gesundheitssystem sprechen. Da herrscht erst mal eine große Sprachlosigkeit. Überhaupt Vokabeln und Regeln für einen Dialog zu schaffen, das ist unsere Idee.

3 Was ist das Ziel im Sinne der Patienten?

Eine höhere Lebensqualität. Ein Beispiel: Ein Patient leidet an Kiefergelenksgeräuschen und Schmerzen, die mit einer Aufbissschiene behandelt wurden. Aber die Schmerzen blieben auch nach einer Behandlung beim Physiotherapeuten. Irgendwann berichtete der Patient, dass es ihm nach 20 Bahnen schwimmen eigentlich am besten ginge. Also wurde die Aufbissschiene auf diese Kieferhaltung nach dem Schwimmen eingestellt wird. Seitdem geht es ihm gut.