Wütende Jäger in Wengern

Beim Treffen der Kreisjägerschaft wurden an die Jungjäger die Jägerbriefe verteilt.
Beim Treffen der Kreisjägerschaft wurden an die Jungjäger die Jägerbriefe verteilt.
Foto: Nina-Maria Haupt
Was wir bereits wissen
Das neue Landesjagdgesetz lässt die Kreisjägerschaft, die sich in der Elbschehalle in Wengern zur Jahresversammlung getroffen hat, nicht kalt. Auch nach der Verabschiedung gibt es viel Kritik.

Wetter..  Die Stimmung ist aufge­heizt, als sich die Jäger aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis in Wengern versammeln. Die Kreisjägerschaft hat zur Haupt­versammlung in die Elbschehalle eingeladen. Zwar geht es eigentlich um Berichte aus dem vergan­genen Jahr und um Wahlen. Aber immer wieder kommt ein Thema auf: das neue NRW-Jagdge­setz. „Dieses ganz verrückte Scheißthe­ma“, wie der erste Vorsitzende Karl-Heinz Reinke schimpft.

Tatsäch­lich ist die Mehrheit der Anwesen­den wütend über das neue Gesetz, das die Landesregierung am 29. April verabschiedet hat. Unter anderem schränkt es die Zahl der Tiere ein, die ge­schossen werden dürfen. Den Jä­gern macht das Sorgen – nicht, weil sie weniger jagen dürfen. Sondern, weil sie sich ums öko­logische Gleichgewicht sorgen.

„Wenn man Bodenbrüter wie Fasa­ne schützen will und die Fallenjagd auf Marder einschränkt, die Eier von Bodenbrütern fressen, hilft das nicht“, sagt André Kohlstadt, 2. Vorsitzender der Kreisjäger­schaft. „Ich bin enttäuscht von dem, was als Landesgesetz beschlossen wor­den ist. Das ist legislativer Unsinn zur Wahrung des Koalitionsfrie­dens“, schimpft auch der SPD-Bür­germeister aus Gevelsberg, Claus Jacobi. Und er distanziert sich aus­drücklich vom Gesetz seiner eige­nen Partei: „Das ist nicht mein Jagdgesetz.“

Artenvielfalt wird leiden

Schon die neuen Regeln, die ab dem Sommer gelten, sind vielen Jä­gern zu streng: Norbert Böhle aus Volmarstein findet es ungüns­tig, dass in Zukunft keine Katzen mehr geschossen werden dürfen. Was die Katzenbesitzer freut, macht ihm Sorgen. Er habe schon einmal eine Katze erwischt, wie sie einen Jung­hasen gefressen hat. Hasen sind, anders als die weit verbreiteten Ka­ninchen, eine selte­ne Art. Und wil­dernde Katzen wür­den häufig auch die Nester von be­drohten Vögeln leer räumen, zum Beispiel von Reb­hühnern oder Fa­sanen. „Die Arten­vielfalt wird in den Keller gehen.“ Das Gesetz fin­det er deswegen „voll daneben und einen Riesenfeh­ler.“

Auch der Fuchs könnte zum Pro­blem werden, wenn er nicht mehr in seinem Bau gejagt werden darf, glauben viele Jäger. „Füchse fres­sen Kompost genauso wie Kleintie­re. Sie fressen auch Zivilisationsab­fälle und vermehren sich. Aber der Jagdtrieb bleibt, deswegen reißen sie auch Niederwild“, ergänzt Jaco­bi.

„Jetzt abzuschaffen, was viele Jahrzehnte lang gelebt wurde und gut war, ist schon schräg“, fin­det der langjährige Jäger Werner Nadolny aus Witten. Dass die Einwände der Jäger nur zu Teilen in das Gesetz eingeflos­sen sind, sorgt für Frust. Die Jäger sehen ihre Rechte beschnitten, sagt Karl-Heinz Reinke.

Auf­gabe der Jäger sei aber nicht nur, Tiere zu schießen. Mindestens die Hälfte der Zeit verbrächten sie mit Biotopschutz, sagt Jacobi: Hecken pflanzen, Teiche pflegen und Wiesen mulchen, da­mit sich verschiedene Tiere und Pflanzen dort ansiedeln. Die Jagd selbst sei aber auch sehr wichtig: „Die Leute leiden unter ho­hen Wildschweinbeständen. Mitun­ter tauche das Schwarzwild schon in Vorgärten auf.

Kämpferische Stimmung

Dieses umfassende Engagement sieht Jacobi nicht genug wertgeschätzt. Er möchte „sich nicht permanent vom Gesetz gegängelt fühlen.“ Damit bringt er die Grundstimmung auf den Punkt. „Die Jagd wird zu­nehmend komplizierter. Wenn es immer mehr Regeln gibt, steigt die Gefahr, etwas formal falsch zu ma­chen.“ Die Stimmung ist kämpferisch. Und Claus Jacobi bekommt für seine wütende Rede tosenden Applaus.