Wieder Badeunfall in der Ruhr – Flüchtling (21) vermisst

Zwei Bojen markieren die Suchpunkte, die Taucher am Sonntagabend in der Ruhr genauer untersuchten.
Zwei Bojen markieren die Suchpunkte, die Taucher am Sonntagabend in der Ruhr genauer untersuchten.
Foto: Steffen Gerber
Was wir bereits wissen
Ein Flüchtling (21) aus dem Irak war zu Besuch in Wengern und ertrank wohl in der Ruhr. Die 24-stündige Suche blieb bis Sonntagabend ergebnislos.

Wengern.. Wieder ein Bade-Drama in Wetter: Vor fast genau zwei Jahren ertrank ein Achtjähriger in der Ruhr nahe der Wasserstraße. Seit Samstagabend wird nun ein Mann vermisst, der sich angesichts der hohen Temperaturen im Beisein von Angehörigen ein paar Meter weiter flussabwärts in Wengern abkühlen wollte.

Die starke Strömung riss den 21-Jährigen mit, trotz intensiver Suche konnten die zahlreichen Rettungskräfte ihn bis Sonntagabend nicht finden. „Derzeit muss davon ausgegangen werden, dass er ertrunken ist“, teilte die Polizei bereits am frühen Sonntag mit.

Mit gefährlichen Unterströmungen

Deren Angaben zufolge handelt es sich um einen Asylsuchenden aus dem Irak, der im hessischen Ronshausen untergekommen ist und nun Angehörige in Wetter besucht hatte. Demnach sei die Gruppe am heißen Samstagnachmittag in Wengern zur Ruhr gegangen. Unterhalb des Gewerbeparks Mark in der Nordstraße, wo sich neben dem Ruhrtalradweg eine lang gezogene Wiese befindet, sei der 21-Jährige dann an einer Böschung gegen 20 Uhr in den Fluss gegangen und unter Wasser gezogen worden. Suchaktion

Dessen Begleiter alarmierten daraufhin die Einsatzkräfte über den Notruf. Laut Polizei-Sprecherin Birte Boenisch habe eine ihrer Kolleginnen beim Eintreffen etwas Verdächtiges gesehen und sei ins Wasser gegangen. Ohne neue Anhaltspunkte konnte sie sich aber rechtzeitig wieder in Sicherheit bringen. Boenisch: „Die Ruhr ist hier ein so genanntes ruhiges Fließgewässer mit gefährlichen Unterströmungen.“ Nach Gesprächen mit den 15 Angehörigen, die Notfallseelsorger betreuten, kam heraus, dass der 21-Jährige wie fast alle aus dieser Gruppe nicht schwimmen könne.

Bis zum frühen Nachmittag fehlt jede Spur des Vermissten

Noch am Samstagabend begann der Großeinsatz: Die Feuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter Unfallhilfe erhielten Unterstützung von der DLRG Wetter und Witten, die wiederum sofort die Suche mit Booten starteten. Strömungsretter (Suchtrupps ohne Taucherausrüstung, die in Ufernähe Ausschau halten) der DLRG Hattingen gingen ebenso ins Wasser wie drei Taucher der Berufsfeuerwehr Witten.

Das Technische Hilfswerk Wetter/Herdecke leuchtete das Ufer aus. Ein Hubschrauber kreise über der Ruhr, wo auch eine Wärmebildkamera zum Einsatz kam. Gegen 1.30 Uhr entschieden sich alle beteiligten Organisationen, die Suche abzubrechen und am Sonntagmorgen fortzuführen. Die letzten der insgesamt fast 150 Kräfte beendeten den Einsatz um 3 Uhr.

Leichenspürhunde im Einsatz

Tags darauf war Markus Kangowski als DLRG-Einsatzleiter früh vor Ort. Doch zunächst verzögerten das Gewitter und Blitze die Rettungsaktion. Auch die Strömung hatte nochmals zugenommen, da wohl wegen der starken Regenfälle flussaufwärts in Wetter eine Schleuse geöffnet worden war. Dennoch setzten THW-Taucher dann am Sonntagvormittag die Suche fort. „Das ist selbst für geübte Leute richtig anstrengend und gefährlich, kurz nach dem Ufer geht es direkt wie an einer Kante abwärts“, berichtete etwa Niels Püschner nach seinem Erkundungseinsatz.

Der ausgebildete Bergungstaucher habe unter Wasser kaum zehn Zentimeter weit gucken können, auch der ungleichmäßige Untergrund habe ihm Probleme bereitet. Da die Ruhr an dieser Stelle in Wengern bis zu fünf Meter tief sei, waren zusätzlich auch Sicherungstaucher dabei. Von drei Booten aus suchten zudem die DLRG-Wasserretter weiter.

Bis zum frühen Nachmittag fehlte weiterhin jede Spur des Vermissten. Daraufhin ließ die Polizei einen von zwei angeforderten Leichenspürhunden das Ufer abschnüffeln. Der führte die Einsätzkräfte zu zwei Stellen, an denen der 21-Jährige womöglich ins Wasser gegangen sein könnte. Einzig Brennnesseln behindern an diesem Abschnitt entlang des Ufers den Zugang, kleinere Abhänge von der Wiese stellen kein Hindernis dar.

Schlechte Sicht verhindert Bergung

Weiter ging es ab 16 Uhr mit modernster und sehr teurer Technik: Das THW konnte von anderen Ortsgruppen zwei so genannte Menschensuchradar-Geräte auftreiben. Mittels Sonar können vom Boot aus Umrisse im Wasser angezeigt werden, die die geschulten Einsatzkräfte dann genauer inspizieren können. Erkundungstrupps platzierten am Abend zwei Bojen an auffälligen Stellen, die dann Taucher absuchten.

Dann schlug das Sonar an einem drittem Punkt an. Hier befinde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit der Leichnam, hieß es gegen 20 Uhr. Doch die schlechte Sicht, die starke Strömung und die schwindende Kraft der Taucher verhinderten die erhoffte Bergung. „Da nur noch ein reines Ertasten möglich war, haben wir abgebrochen“, so Polizeisprecherin Boenisch.