Wetter ist anderen Städten voraus

Aus dem „Ichbinwiedu“-Tag der ESV vor zwei Jahren wurde die breite Bewegung „Eine Stadt für alle“.
Aus dem „Ichbinwiedu“-Tag der ESV vor zwei Jahren wurde die breite Bewegung „Eine Stadt für alle“.
Foto: WR

Wetter.. In der Stadt Wetter sollen Barrieren aller Art abgebaut werden. Daran arbeitet seit zwei Jahren ein „Runder Tisch“. Mit am Tisch sitzt Marcus Windisch. Er kommt von der Uni in Siegen und begleitet wissenschaftlich das Projekt „Eine Stadt für alle“.

Haben Sie schon andere Städte beraten?

Windisch: Für mein Uni-Institut ist das nicht der erste Auftrag dieser Art. Ich dagegen bin neu auf dem Feld der „örtlichen Teilhabeplanung“.

Was für eine Art Beratung bietet die Uni Siegen?

Wir sind als Wissenschaftler unterwegs. Wir haben Fachkenntnisse über die Gestaltung von Planungsprozessen. Wir wissen, was in der UN-Behindertenrechtskonvention steht. Wir möchten auf der einen Seite Akteure in der Praxis begleiten, das Teilhabe-Projekt so gut wie möglich umzusetzen. Wir sind dabei aber auch Forscher. Wir wollen wissen, wie die Theorie in der Praxis ankommt.

Wo steht Wetter im Vergleich mit anderen Städten bei dem Versuch, die UN-Behindertenrechtserklärung mit Leben zu erfüllen?

Wetter spielt eine Vorreiterrolle. Denn es ist durchaus etwas Besonderes, dass sich hier eine relativ kleine Stadt auf den Weg gemacht hat. Das sieht man auch daran, dass das Land NRW die wissenschaftliche Begleitung für den Aktionsplan unterstützt.

Wetter hat zwei große Einrichtungen der Behindertenhilfe. Haben Sie gedacht, die Stadt wäre weiter?

Nein. Für uns ist es aber gerade spannend, wie sich so eine große Einrichtung wie die Evangelische Stiftung Volmarstein und die Stadt zueinander verhalten. Die ESV und das Frauenheim Wengern sagen, sie wollen ihre Strukturen verändern. Um die Stadt für die Bewohner beider Einrichtungen nutzbar zu machen, müssen erst einmal entsprechende Bedingungen geschaffen werden.

Wird die Diskussion über Barrieren zu sehr verkürzt auf Hürden für Rollifahrer?

Es betrifft alle, wenn Ausgrenzungsmechanismen so gering wie möglich gehalten werden. Allerdings können wir Menschen ohne Behinderung uns verhältnismäßig leicht in Menschen hinein versetzen, die im Rollstuhl sitzen oder blind sind. Daher ist es in diesen Bereichen auch leichter, Barrieren abzubauen. Bei Menschen mit schweren geistigen Behinderungen ist das anders. Daher ist es hier schwerer, Barrieren zu identifizieren und abzubauen. Zum Glück sind in der Diskussion in Wetter Menschen mit Behinderungen von Anfang an dabei.

Hat sich Ihr Bild von Menschen mit Behinderungen durch die Arbeit geändert?

Mein Menschenbild hat sich nicht geändert, sondern eher mein Bild von der Gesellschaft. Die Frage für mich lautet: Welche Aufgaben haben wir als Gesellschaft, um eine „Stadt für alle“ zu schaffen.

Es sagt ja kein Mensch, dass das einfach ist, aber das Ziel lohnt den Einsatz.