Wetter braucht Gewerbeflächen für die Zukunft

Das Gelände Vordere Heide in Volmarstein
Das Gelände Vordere Heide in Volmarstein
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Diskussion um das geplante Gewerbegebiet „Am Stork“ ist wieder im Gang. SPD und FDP haben sich als Befürworter der Gewerbeansiedlung nun Argumente beim Regionalverband Ruhr geholt.

Wetter..  Es geht um Gewerbeflächen – und es geht konkret um die Entwicklung des geplanten Gewerbegebietes „Am Stork“. SPD und FDP sind sich einig, dass die Stadt die Fläche dringend benötigt und haben sich Argumentationshilfe von der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (WMR) sowie dem Regionalverband (RVR) geholt. Im Rahmen der Regionalplanung haben der RVR und seine Tochtergesellschaft WMR Daten gesammelt, die die Parteien nun in der wieder aufflammenden Diskussion um den Stork nutzen wollen. „Diese Fakten können eine Grundlage sein, um von einer emotionalen zu einer sachlichen Ebene zu kommen“, sagt auch Bürgermeister Frank Hasenberg (SPD), der als Verwaltungsvorstand ein eigenes Interesse an der Entwicklung des Stork hat. „Schließlich ist es eine Idee der Verwaltung, die hier von der Politik umgesetzt werden soll.“

Gewerbegebiete liefern Steuern

Fakten gibt es viele – und die meisten davon lesen sich erst einmal positiv. So kann sich Wetter rühmen, einen hohen Anteil von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zu haben, die ihr Geld in der eigenen Stadt verdienen. In der Metropole Ruhr, die vom Niederrhein bis nach Fröndenberg reicht, sind das 43,09 Prozent der Beschäftigten, in Wetter haben 51,75 Prozent der Arbeitnehmer ihren Job in den Gewerbegebieten der Stadt. Zum Vergleich: Herdecke kann nur 37,12 Prozent der sozialversichungspflichtigen Beschäftigten einen Arbeitsplatz im eigenen Gewerbegebiet bieten.

Positive Folge: die Gewerbesteuer sprudelt kräftig. Die Hälfte des gesamten Gewerbesteueraufkommens – 15,5 Millionen Euro erwartet die Stadt in diesem Jahr – kommt in Wetter von Firmen, die in einem von der Stadt entwickelten Gewerbegebiet angesiedelt sind.

Und noch eine gute Nachricht haben die Experten von Regionalverband und Wirtschaftsförderung: Wetter hat in der Vergangenheit wenig freie Fläche verbraucht. Stattdessen wurden bestehende Gewerbe- und Industrieflächen im Rahmen des Strukturwandels wieder genutzt. Neben der Reme-Fläche und dem Standort der Knorr-Bremse ist einzig am Schöllinger Feld ein Gewerbegebiet auf der grünen Wiese entstanden. Ein flächenschonender Umgang bei der Ausweisung von Gewerbegebieten gelte übrigens für das gesamte Ruhrgebiet, betont Martin Tönnes, Leiter Planung des RVR. Aktuelles Beispiel: die Vermarktung der Opelfläche in Bochum.

Perspektiven fehlen

Also alles gut am Wirtschaftsstandort Wetter? Das sehen sowohl Stadt, SPD und FDP als auch die Experten nicht ganz so. Denn es fehle die Perspektive für eine Zukunft. „Von 2013 bis 2014 sind im Ennepe-Ruhr-Kreis die Flächenpotenziale um fünf Prozent zurückgegangen“, erklärt Börje Wichert, Leiter des Standortmarketings bei der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr. Sprich: Die Flächen wurden vermarktet. Übrig bleiben meist Flächen, die mit so genannten Restriktionen behaftet sind. Das heißt, sie sind zu teuer oder aber mit Altlasten belastet. Als drittes Hindernis für eine leichte Vermarktung steht gerade im EN-Kreis die Landschaft quasi bildlich im Weg. „Es ist schön hügelig, aber hügelig lässt sich nur schwer entwickeln“, so Wichert. Folge der Restriktionen: In der Metropole Ruhr reichen die vorhandenen Flächen gerade einmal für die kommenden 6,6 Jahre.

Und damit kommt der Stork wieder in den Blick, der bereits in der RVR-Flächenberechnung enthalten ist. Dass diese Fläche noch nicht erschlossen ist, ja noch nicht einmal ein gültiger Bebauungsplan für das Gewerbegebiet vorliegt, habe die Stadt viel Geld gekostet, sagen die Parteivorsitzenden André Menninger (FDP) und Peter Zinn (SPD) und schieben damit den Gegnern des Gewerbegebietes den Schwarzen Peter zu. Vier Unternehmen hätten seit 2009 Wetter zum Teil oder ganz verlassen, weil sie hier keine Entwicklungsmöglichkeit mehr sahen. Für Frank Hasenberg ist dabei der Blick aus dem Rathausfenster besonders schmerzlich. Denn da schaut er auf den Neubau der Firma Burg, die in Hagen einen Platz gefunden hat.

RVR hat Vordere Heide im Blick

Ein Fakt, der aus Sicht der Regionalplaner nicht unbedingt ein Problem ist, denn hier wird auch über kommunale Grenzen hinaus gedacht. Interkommunale Zusammenarbeit ist ein Schlagwort, das bei der Suche nach Gewerbeflächen Zukunft haben soll. Und dabei geht es nicht nur um Flächen an Stadtgrenzen, sondern auch um Gebiete, die von zwei oder mehr Städten auf der Fläche einer Stadt entwickelt werden. „Der EN-Kreis ist bei der interkommunalen Planung vorbildlich“, sagt RVR-Planer Martin Tönnes. In Wetter sehen die Regionalplaner die Vordere Heide als Gebiet, das Entwicklungspotenzial für den Kreis bietet. Ein Thema, das Frank Hasenberg lieber hinten an stellen will. „Wir haben mit dem Stork eine Fläche, die wir entwickeln wollen, darum wollen wir uns bei der Vorderen Heide erst einmal zurückhalten.“