„Wenn etwas in Hagen boomt, dann das barrierefreie Wohnen“

Hagen..  . Es gibt sie: Die Fälle, in denen Immobilien-Makler ihren Kunden Hagen als Wohnort ausreden wollen. Michael Lorenz und Michael Glod, Gründer und Geschäftsführer von Casa Immobilien in der Bandstrahlstraße, sehen das anders. Sie sind seit 1994 auf dem Hagener Immobilienmarkt unterwegs. Sie werfen einen professionellen Blick auf die Stadt.

Hand aufs Herz: Wenn ein gut verdienender Kunde zu Ihnen kommt, empfehlen Sie ihm dann lieber eine Immobile in Herdecke oder sonst im Umland als in Hagen selbst?

Michael Lorenz: Nein, warum auch? In Hagen lässt es sich gut wohnen, wir haben auch generell gute Immobilien. Wir machen geschätzt mehr als 90 Prozent unserer Geschäfte in Hagen. Was bei uns vielleicht das generelle Problem ist: Hagen verkauft sich selbst unter Wert. Dabei haben wir doch viel zu bieten: Die Großstadt mit der größten zusammenhängenden Waldfläche, viel Grün, viel Freizeitwert. Und wenn ich sehe, wie sich die Innenstadt in den vergangenen Jahren entwickelt hat: Viele Besucher und Neuzugezogene erkennen die Innenstadt nicht wieder oder sind überrascht, da wohl der Ruf dem tatsächlich positiven Eindruck hinterhereilt.

Trotzdem haben wir massig Leerstände. Widerspricht sich das nicht?

Glod: Moment, Sie müssen schauen, was denn leer steht. Es sind oft Wohnungen, die nicht mehr zeitgemäß sind – ein zu kleiner Zuschnitt, ohne Balkon. Die werden sie in Zukunft sicherlich gar nicht oder deutlich schwieriger vermieten oder verkaufen können. Aber wer in seine Immobilie investiert, der hat in Hagen sehr gute Möglichkeiten, seine Wohnung zu vermieten. Das heißt: Es muss in der Regel ein größerer Wohnungsschnitt sein, heute wird mehr Wert auf größere Einzelzimmer gelegt. Und natürlich schauen Mieter auf die Nebenkosten, die etwa durch gute Isolierung beeinflusst wird. Da gibt es erhebliche Schwankungen.

Dann müsste der Mieter oder Käufer doch in Hagen in einer komfortablen Situation sein: Er ist gefragt…

Glod: Ja, das stimmt schon, der Mieter findet in Hagen eigentlich eine gute Situation wieder. Wer als Vermieter erfolgreich sein will, der muss heute seine Wohnung renoviert übergeben.

Lorenz: Das haben ja auch die Hagener Wohnungsbaugenossenschaften- und Gesellschaften längst erkannt. Die investieren kräftig.

Aber gilt das denn wirklich für ganz Hagen? Gilt für das Wohnen nicht vielmehr: Auf den Höhen top, in den Tallagen eher ein Flop?

Lorenz: Natürlich gibt es einige bevorzugten Wohnlagen: Ob in Emst, in Boele, im oberen Wehringhausen Haßley, Fleyer- oder Klosterviertel oder im Universitätsviertel. Oder auch in Holthausen, Hohenlimburg. oder Berchum. Um nur einige zu nennen. Aber nein, auch die Tallagen haben nicht zu unterschätzende Vorzüge.

Glod: Im Gegenteil: Wir sehen doch einen Trend zurück in die Zentren. Wenn etwas in Hagen boomt, dann ist es das barrierefreie Wohnen. Und zwar dort, wo auch die Infrastruktur ist, wo es Geschäfte gibt, wo etwas los ist. Übrigens nicht nur für die Senioren jenseits der 60 Jahre. Das war vielleicht noch vor zehn, 15 Jahren so. Heute interessieren sich auch schon 40- oder 50-Jährige für die Wohnungen. Oft kaufen jüngere sie, um sie zu vermieten und sie später selbst zu nutzen. Barrierefreiheit garantiert eine gute Geldanlage, mit hoher Werterhaltung und guten Wiederverkaufsmöglichkeiten.

Kann mit einer „Umrüstung” der Immobilien also mehr Bewegung in den Tallagen und im Zentrum entstehen?

Glod: Ja, sicherlich. Aber man muss auch sagen: In alten Häusern ohne Aufzug wird dies schwierig. Es gibt aber noch Potenzial, Lücken zu nutzen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Wie beurteilen Sie den Hagener Immobilienmarkt generell: Träge oder doch aktiv?

Lorenz: Es ist viel in Bewegung und es wird sich künftig auch noch mehr bewegen. Wir befinden uns in einer Erbengenerationsphase, in der die älteren Eigentümer sich fragen werden, was denn eigentlich sinnvoll mit dem Eigentum passieren soll. Oft sind die Kinder aus beruflichen Gründen nicht mehr in Hagen. Dieses Umdenken erfordert eine Reifezeit, wird aber letztendlich öfter zum Verkauf des eigenen Hauses und den Umzug in einen leichter zu bewältigenden, in einen barrierefreien Wohnalltag fördern.

Muss oder kann Hagen mehr als Wohnstadt für sich werben?

Lorenz: Ja, in Hagen gibt es ausreichend bezahlbaren Wohnraum - im Gegensatz zu vielen anderen Städte. Und das bei einer zentralen Lage und einer konkurrenzfähigen Innenstadt.