Wenn der Joint zur Sucht wird

Auch Cannabis-Konsum kann in die Abhängigkeit führen. Die AWO im Ennepe-Ruhr-Kreis bietet dazu ein neues Beratungsprogramm an.
Auch Cannabis-Konsum kann in die Abhängigkeit führen. Die AWO im Ennepe-Ruhr-Kreis bietet dazu ein neues Beratungsprogramm an.
Foto: dpa
Die VIA-Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt bietet in Wetter ein neues Programm für Cannabis-Abhängige an. Der Konsum dieser so genannten weichen Droge steigt, und damit auch die Zahl der Abhängigen.

Wetter/Herdecke..  In entspannter Runde einen Joint rauchen, den Freunden ein bisschen Gras besorgen – in bestimmten Gruppen ist das fast so alltäglich wie eine Flasche Bier am Kiosk zu kaufen. Doch viele, gerade junge Menschen sind noch nicht für die Gefahren des Cannabis-Konsums sensibilisiert.

Um dem steigenden Konsum und damit auch der steigenden Nachfrage nach Beratung zu entsprechen, wird auch in Wetter und Herdecke das Angebot ausgeweitet. In der VIA-Beratungsstelle der AWO in Wetter können Menschen, die Probleme mit ihrem Cannabis-Konsum haben, nun am so genannten CANDIS-Programm teilnehmen. Das ist ein an der Universität Dresden entwickeltes Beratungswerkzeug, das vor allem jungen Süchtigen helfen soll, ihren Konsum zu überdenken, einzuschränken oder ganz einzustellen. „Wir haben zwar auch vorher schon Cannabis-Abhängige beraten, aber mit diesem Programm können wir noch gezielter mit den Klienten zusammen arbeiten“, sagt Barbara Hollmann von der Beratungsstelle in Wetter.

Konsum steigt

Dass das Problem akut ist, zeigt auch der aktuelle Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung. Dort wird von einem deutlichen Anstieg des Cannabis-Konsums in fast allen Altersklassen berichtet. Das spiegelt sich auch in der Beratung wider, ein Großteil der Klienten der Suchtberatung kommt wegen Cannabis. Dazu gibt es auch konkrete Zahlen, in dem Bericht heißt es etwa: „38,7 Prozent aller Klientinnen und Klienten haben Probleme mit ihrem Cannabiskonsum, bei den erstmaligen Behandlungen beträgt deren Anteil bereits fast 60 Prozent. Hochgerechnet ist davon auszugehen, dass rund 600 000 vorwiegend junge Menschen Probleme mit dem Konsum von Cannabis haben.“

Aber woran liegt das? Vor allem am fehlenden Risikobewusstsein, ist Barbara Hollmann überzeugt. Insbesondere in der Debatte um die Legalisierung werde eines oft vergessen: „Nur weil man es leicht bekommt oder es eventuell legalisiert werden könnte, heißt das nicht, dass Cannabis ungefährlich ist.“ Die Folgen des übermäßigen Konsums seien vielen nicht so bewusst wie bei anderen bekannten Drogen. Doch sie können das tägliche Leben genauso beeinträchtigen: „Abhängige berichten immer wieder, dass sie nicht mehr aus dieser Wolke herauskommen“, erklärt Hollmann.

Nervös und gereizt

Wer viel kiffe, habe oft Probleme, sich aufzuraffen und die Probleme des Alltags anzugehen. Das führt sogar so weit, dass Abhängige ohne ihre Dosis gereizt und nervös sind oder schlecht schlafen. „Und wenn man genug gekifft hat, wird einem alles egal. Das kann zur sozialen Isolation führen, weil man auch seine Freundeskreis nicht mehr pflegt“, so Hollmann. Sie kenne Beispiele, dass Personen sogar ihren Job verloren, weil sie nicht mehr vor die Tür gingen.

All das sind natürlich dramatische Szenarien, doch es sei wichtig, darüber Bescheid zu wissen, sagt Hollmann: „Wir wollen niemanden kriminalisieren. Uns geht es darum, denen Hilfe anzubieten, die Hilfe benötigen.“ Deshalb sei das Beratungsangebot kostenlos, außerdem seien alle Mitarbeiter zur Verschwiegenheit verpflichtet.