Weniger Lohn bei neuer Post-Tochter

Hagen..  Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi fürchten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Brief- und Paket-Verteilzentrum an der Buschmühlenstraße. Die Deutsche Post AG dagegen spricht von ungerechtfertigten Vorwürfen. Hintergrund ist die geplante bundesweite Gründung von 49 Regionalgesellschaften (DHL Delievery GmbH), in der alle neue Mitarbeiter angestellt werdensollen. Zwar mit unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen, allerdings mit deutliche niedrigere Bezügen. Eine dieser GmbHs entsteht in Hagen.

Laut Jürgen Escher, Betriebsratsvorsitzender der Niederlassung, sind bis zu 400 der 2300 Beschäftigte in Hagen betroffen. Sie haben nur eine befristete Beschäftigung: „Wenn die Verträge auslaufen, werden die Kollegen vor die Wahl gestellt: Entweder in die neue Gesellschaft oder ganz gehen.“ Zum 1. April seien die ersten 90 Kollegen betroffen, deren Verträge auslaufen: „Seit eineinhalb Jahren betreibt die Deutsche Post AG eine unerträgliche Befristungspolitik“, so Escher. Etwa 18 Prozent seien bundesweit befristet angestellt.

MdB Röspel verspricht Hilfe

Laut Jürgen Escher fällt der Verdienst in der neuen GmbH um 20 Prozent niedriger aus. Post-Sprecher Andreas Böhm will diese Zahl nicht bestätigen („Das ist von Fall zu Fall verschieden“). Nach seiner Einschätzung sind die derzeit schon bei der Post Beschäftigten nicht betroffen: „Auch wer einen befristeten Vertrag hat, der ausläuft, nimmt seine alten Konditionen mit in die neue Gesellschaft“, so Böhm. „Nur wer neu eingestellt wird, arbeitet zu dem neuen Tarif, der aber weiter deutlich über dem neuen Mindestlohn liegt. “ Die neue Gesellschaft gelte auch nur für den Paketzustelldienst.

Betriebsratschef Escher und Gabriele Guntermann von Verdi überzeugt das Argument nicht. Sie haben sich an den SPD-Bundestagsabgeordnete René Röspel gewandt – der Bund ist weiter Anteilseigner. Der versprach, das Problem in Berlin zu thematisieren: Befristete Arbeitsverträge könnten sinnvoll sein: „Hier allerdings drängt sich der Verdacht auf, dass systematisch befristet worden ist, um Arbeitnehmerinteressen und Tarifverträge zu unterlaufen.“