Weniger Hindernisse für die Schule für Kranke

Rüdiger Reichle ist Leiter der Schule für Kranke am Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus
Rüdiger Reichle ist Leiter der Schule für Kranke am Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Für Veränderungen an den NRW-Schulen für Kranke sind starke Impulse vom Gemeinschaftskrankenhaus in Ende und von den Grünen ausgegangen.

Herdecke..  Die „Schule für Kranke“ im Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus ist eine besondere Schule. Daher hat sie auch besondere Probleme. Einige Hindernisse konnten in den letzten Monaten aus dem Weg geräumt werden, bei anderen gibt es Hoffnung. Der Motor für die landesweiten Veränderungen sitzt in Herdecke. Genauer: Es sind wenigstens zwei Motoren.

Vor ziemlich genau einem Jahr war Gudrun Zentis, Landtagsabgeordente der Grünen, zu Gast an der „Schule für Kranke“ in Herdecke. Sie erfuhr, dass hier Kinder unterrichtet werden, die oft über Wochen schon nicht mehr in den Unterricht gegangen sind und jetzt im Krankenhaus behandelt werden. Sie konnte außerdem erfahren, dass die Beobachtung der Kinder beim Lernen auch bei der Diagnose hilft. Sie hörte aber auch, dass so manches gar nicht so läuft, wie sich das die Lehrer der insgesamt 46 „Schulen für Kranke“ in NRW landauf landab wünschen.

Beispiel 4-Wochen-Regelung. Sie besagt, dass ein Kind nur dann an einer Schule für Kranke aufgenommen werden kann, wenn der reguläre Schulbesuch für wenigstens vier Wochen unterbrochen wird. „Das wird mittlerweile nicht mehr so eng ausgelegt“, freut sich Rüdiger Reichle, Leiter der „Schule für Kranke“ in Herdecke. Feiertage oder eine vorzeitige Entlassung fallen nicht mehr ins Gewicht. Eine andere Verbesserung ist zumindest in Aussicht gestellt. Dann dürfen Kinder bereits in der Schule aufgenommen werden, wenn sie auf der Warteliste des Krankenhauses stehen und nicht erst bei Behandlungsbeginn.

Die Erfolge sind nicht vom Himmel gefallen. Sie haben zu tun mit einem Strategiewandel. Über Jahre hinweg hätten die Schulen für Kranke nur „administrativ versucht, ihre Probleme zu lösen und dabei in den Fachministerin einzig Desinteresse geerntet“, sagt Reichle, der auch in der Arbeitsgemeinschaft der Schulen für Kranke aktiv ist. Mittlerweile aber habe die Grüne Politik Interesse an den Problemen der Klinikschulen gezeigt, verweist er auf den Besuch von Gudrun Zentis in Herdecke, aber auch auf Politiker bei Fachtagungen und Schulvertreter in der Beratung der grünen Fraktion.

Im Gespräch mit den Parteien

„Es gibt eine echte Dialogkultur“, sagt Andreas Disselnkötter, Fraktionschef der Grünen im Herdecker Rat. Seine Kontakte zur den Grünen in der Landeshauptstadt haben Wege geebnet und Verbindungen geschaffen. Dabei will die Arbeitsgemeinschaft der Schulen für Kranke nicht stehen bleiben. Sie möchte verstärkt auch mit den übrigen Landtagsfraktionen ins Gespräch kommen. „Unser Thema muss auch bei den anderen Parteien ,heiß sein’“, sagt Rüdiger Reichle. Das ist es ohnehin schon. Denn die Diskussion über Inklusion und Regelschulen hat gezeigt, dass die Schulen für Kranke da schon einen gewissen Vorsprung haben. „Wir unterrichten seit eh und je inklusiv, mit Kindern aus unterschiedlichen Schulformen an einem Tisch.“

Bei den kleinen Schülergruppen sei das gar nicht anders machbar, verweist Rüdiger Reichle auf den Erfahrungsschatz in seinem Haus. Und darauf, dass das Interesse der Politik daran deutlich gestiegen ist. Bislang haben neue Erlasse für verbesserte Rahmenbedingungen gereicht. Zum Teil müssen aber auch neue Gesetze her. „Solche Prozesse brauchen Zeit“, gibt sich Reichle zuversichtlich. Und so werden vielleicht irgendwann doch einmal kranke Kinder im Krankenhaus zur Schule gehen dürfen, selbst wenn ihre Behandlung nur ein oder zwei Wochen vor den Ferien beginnt. Andere Kinder dürfen in dieser Zeit ja auch nicht schwänzen.