Weniger, aber bessere Spielplätze für Wetter

Ein Bauzaun sichert eine kaputte Rutsche auf dem Spielplatz im Bremmen in Wengern: Die überalterten, defekten Spielgeräte werden abgebaut. Nur die Basketball- und Fußballfläche wird bleiben.
Ein Bauzaun sichert eine kaputte Rutsche auf dem Spielplatz im Bremmen in Wengern: Die überalterten, defekten Spielgeräte werden abgebaut. Nur die Basketball- und Fußballfläche wird bleiben.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mehrheitlich hat der Jugendhilfeausschuss der 1. Fortschreibung des Spielplatz-Rahmenkonzeptes zugestimmt. Es gab aber auch kritische Stimmen.

Wetter..  Auf Spielplätzen entwickeln Kinder Sozialverhalten. Sie gehören laut einer Studie mit zu den wichtigsten Orten für die Entwicklung von Kindern außerhalb der eigenen vier Wände. Vor dem Hintergrund dieser Bedeutung wird das arbeits- und zeitintensive Ringen von Verwaltung, Politik und Paten um eine akzeptable Lösung für die Zukunft der Spielplätze in Wetter nachvollziehbar. Denn der marode Zustand etlicher Spielflächen und Spielgeräte einerseits und die leeren Kassen der Stadt andererseits machten ein Konzept erforderlich, das den Kindern und dem städtischen Zwang zum Sparen wenigstens annähernd gerecht wird. Im Jugendhilfeausschuss am Mittwoch wurde jetzt die erste Fortschreibung des Spielplatzkonzeptes mit großer Mehrheit verabschiedet.

Der Ist-Zustand

Aktuell gibt es noch 33 Spielplätze, Schulhöfe und Bolzplätze mit 280 Einzelspielgeräten. Nach dem Unfall eines Kindes auf einem defekten Spielgerät auf dem Schulhof der Grundschule Schmandbruch Anfang des Jahres wurden alle Spielgeräte vom Stadtbetrieb in Augenschein genommen. „Dabei kam heraus, dass zwei Drittel der Geräte zehn Jahre und älter sind“, so Egbert Feuerstadt, Grünflächenplaner beim Stadtbetrieb. „Spitzenreiter ist der Spielplatz Im Bremmen in Wengern mit einer Vielzahl von Spielgeräten, die 1988/89 aufgebaut wurden. Nach der Verkehrssicherheitsinspektion haben wir etliche Geräte gesperrt bzw. gleich abgebaut.“

Der Plan

Auf Basis des seit 2011 bestehen Spielplatz-Rahmenkonzeptes, das bereits die Leitlinie „Qualität vor Quantität“ vorgab, fertigten Mitglieder der Arbeitsgruppe Paten unter Federführung des Fachdienstes Jugend und des Stadtbetriebes seit März eine Bestandsaufnahme an, die Pate Karsten Senner im Ausschuss am Beispiel Schmandbruch erläuterte. In die Analysen flossen Kriterien wie Spielangebot, Wohnumfeld und Sozialstruktur und Frequentierung mit ein. Daraus ergaben sich die zur Abstimmung vorgelegten Vorschläge: Die schon aufgegebenen Spielflächen Bergstraße, Goethestraße, Amselweg, Markanaweg, Hohes Stück werden verkauft werden. Die Spielplätze Ringstraße, Ardeystraße, Hauptschule (mit Auslaufen der Schule) werden aufgegeben, die Flächen an Ring- und Ardeystraße auch verkauft. Aufgegeben wurde die Spielläche auf dem Grundschulhof Schmandbruch. Teilweise rückgebaut werden die Spielplätze Rosenstraße (Aufgabe Kleinkinderbereich), Im Bremmen (Beibehaltung Basket- und Fußballfläche), Am Wilshause (Beibehaltung oberer Bereichs für Jugendliche) und Robert-Koch-Straße (Ballspielfläche bleibt erhalten). Für die Spielplätze Am Loh/Am Rohlande und Am Zamelberg sollen über erweiterte Kooperationen mit Anwohnern bzw. Vereinen die Pflegekosten minimiert werden. Gelingt das nicht, werden diese Plätze aufgegeben.

Die Finanzen

Ein Anteil des Verkaufserlöses (angestrebt sind 80 Prozent) der aufgegebenen Spielflächen soll, so sieht es die Fortschreibung des Spielplatz-Rahmenkonzeptes vor, wieder in den Etat für die Spielplätze zurückfließen. Mit diesem Geld sollen die verbleibenden Spielplätze aufgewertet werden. Waren bislang 160 000 Euro für Pflege- und Unterhaltungskosten im Haushalt vorgesehen, müssen in den nächsten Jahren jeweils 10 000 eingespart werden. Die jährlichen Investitionskosten (Ersatzgeräte, Umbauten etc.) liegen bei 60 000 Euro.

Die Diskussion

Karen Haltaufderheide (Grüne) sah keine Alternative zu dem Konzept, das auch mit dem Unterausschuss und den übrigen Spielplatzpaten einvernehmlich beraten wurde. Sie wollte aber die bloße Absichtserklärung einer Re-Investition der Verkaufserlöse auf sicherere Füße stellen und schlug vor, dafür ein eigenes Budget zu bilden. Ihr Vorschlag floss in den Beschluss ein. Renate Krisor (sachkundige Bürgerin) regte an, eine nicht mehr verhandelbare Mindestzahl von Spielplätzen festzulegen und fragte nach Möglichkeiten, die Plätze pflegeleichter zu machen. Die gebe es nicht, sagte Egbert Feuerstack, da sich die Spielflächen überwiegend auf „bewegtem Gelände“ befinden. „Das hat einen höheren Spielwert, erfordert aber auch mehr Pflege.“ Harsche Kritik übte Michael Mohring (sachkundiger Bürger) daran, dass die Grundschule Schmandbruch „als einzige Grundschule im ganzen Stadtgebiet“ mit dem Spielmobil als Provisorium auf ihrem Schulhof auskommen soll: „Was muten wir dieser Grundschule zu, dass da nur eine alte Tischtennisplatte steht.“ Als „bestmöglichen Kompromiss“ bewertete Udo Picksack (CDU) den Vorschlag. dem schloss sich Christopher Krüger (AfD) an, der zudem die monatelanger Arbeit aller an dieser Konzeptfortschreibung Beteiligter. Eckehard Meinecke (SPD) appellierte schließlich an den Ausschuss, „nicht wieder Frust zuzulassen“, sondern optimistisch an die Umsetzung zu gehen.