Welche Schulform löst in Herdecke welches Problem?

Die Realschule Herdecke: Moderne Farben nach dem Umbau, und sonst sehr gefragt bei Eltern und Schülern aus Herdecke und den Nachbarstädten.
Die Realschule Herdecke: Moderne Farben nach dem Umbau, und sonst sehr gefragt bei Eltern und Schülern aus Herdecke und den Nachbarstädten.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Auch andere kleine Städte haben Probleme, ihre Kinder in der Stadt zu halten. Was heißt das für Herdecke? Der Versuch einer Problembeschreibung

Herdecke..  Fast jedes dritte Kind in Herdecke geht nach Klasse 4 auf die weiterführende Schule in einer Nachbarstadt. Wie hoch ist der Druck für Veränderungen in Herdecke, wenn in einer Nachbarstadt wie Wetter die Abwandererquote auch nicht anders ist? Und wie sollen die Lösungen aussehen, die tatsächlich mehr Herdecker auf Herdecker Schulen gehen lassen?

Die meisten Schüler geben Wetter und Herdecke an eine Schulform ab, die es in den Grenzen beider Städte nicht gibt: die Gesamtschule. Hier dürfen sich Schüler ein Jahr mehr Zeit nehmen auf dem Weg zum Abitur. Und Spätstarter sind nicht bereits zum Ende der Klasse 4 vorsortiert für ihre weitere Bildungskarriere. Löst ein Gesamtschulableger für Herdecke das Abwanderungsproblem? Zweifel sind berechtigt. Denn in die Nachbarstadt gewechselt werden müsste in der Oberstufe doch.

In Herdecke ist schulpolitisch das große Rad gedreht worden auch wegen der Schließung der Hauptschule. Aber selbst mit deren Auslaufen ist klar, dass es in Herdecke weiter Kinder gibt, die auf dem bisherigen Hauptschulniveau abgeholt werden müssen. Eine Gesamtschule könnte sie aufnehmen, auch in Herdecke, wenn es hier eine Gesamtschule geben würde. Oder eine Sekundarschule. Wetter ist diesen Weg gegangen. Eine Sekundarschule ersetzt hier zunehmend die auslaufende Real- und Hauptschule. Aber hat das das Problem mit der Abwanderung gelöst?

Realschule ist weiter gefragt

Ein Teil der Schüler von Wetter geht dabei nach Herdecke. Wichtig ist das vor allem für die Realschule. 78 Kinder hatten sich für die laufende 5. Klasse angemeldet. 22 von ihnen pendeln Schultag für Schultag zum Bleichstein. Als um Herdecke herum viele Realschulen zum Auslaufen verdonnert wurden, hatten in Herdecke Lehrer, Eltern und Schüler die Hoffnung, eine Art Bezirks-Realschule zu werden.

Formal gibt es so etwas nicht. Faktisch ist die Realschule in Herdecke aber zu einer der letzten Fluchtburgen geworden für Eltern, die ihr Kind unbedingt auf eine Realschule schicken wollen. Und diese Eltern gibt es in nicht geringer Zahl.

Es liegt nahe, ein Kind nach der Mittelstufe an der Gesamtschule auch in die Oberstufe dieser Gesamtschule zu schicken, selbst wenn dafür gependelt werden muss. Sekundarschulen suchen sich dagegen Gymnasien als Kooperationspartner für die Oberstufe. In Herdecke bietet sich dafür die Friedrich-Harkort-Schule an. Das gilt auch, wenn Herdecke nur der Ableger der Sekundarschule in Wetter wäre. Für eine eigenständige Sekundarschule fehlt es an Schülern. Den Übergang zur Oberstufe vor Ort ermöglicht aber auch die Realschule.

Mitte Februar werden in Herdecke die Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen vorliegen. Vorher macht eine Diskussion über Veränderungen in der Schullandschaft keinen Sinn, heißt es in der Herdecker Schulverwaltung. Danach könnte die Diskussion darüber losgehen, welche Veränderungen was bewirken könnten. Mehr Zeit bis zum Abitur, mehr Förderung für Spätstarter, Möglichkeiten für alle unterschiedlichen Begabungen - ob das wirklich in Herdecke alles unter einen Hut zu bringen ist? Städte von der Größe Herdeckes können nicht mehr alle Schulformen anbieten, zeigt sich Schulamtsleiter Heiko Müller überzeugt. „Da bleibt eine Lücke“.

Das Vorhandene hat seinen Wert

Dieter Joachimi, Schuldezernent in der Herdecker Stadtverwaltung, will jedenfalls „nichts kaputt schlagen für etwas, das mit vielen Unwegsamkeiten behaftet ist.“ Dann würde er lieber das Vorhandene stärken. Dringender Handlungsbedarf entsteht für ihn erst dann, „wenn die Zahlen der Realschule am Bleichstein stark bröckeln“. Für die Auszählung der Anmeldungen am 15. Februar ist das wohl nicht zu fürchten. Noch nicht.