Wasserpest ist auch im Winter teuer

Thomas Brinkmann vom Ruhrverband nimmt eine Elodea-Sprosse in Augenschein.
Thomas Brinkmann vom Ruhrverband nimmt eine Elodea-Sprosse in Augenschein.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das Winterhochwasser hat die Pflanzenreste der Wasserpest aus dem Harkortsee gespült und die Rechen des Laufwasserkraftwerks zugesetzt. Große Container-Lastwagen müssen den Grünmüll entsorgen.

Wetter..  Frühmorgens zerreißen gleißende Lkw-Schweinwerfer die tiefe Dunkelheit am Obergraben. Dann kann man immer mal wieder riesige Containerlastwagen beobachten, die auf der schmalen Halbinsel unterhalb der Friedrichstraße hin und her fahren.

Ein neues Bauprojekt am Laufwasserkraftwerk im Schöntal? „Nein, da werden nur Massen von Elodea abgefahren. Die Pflanze macht uns weiter Riesenprobleme“, sagt Thomas Brinkmann, Leiter des Stauseebetriebs Ost beim Ruhrverband. Er spricht von einem Kampf gegen Windmühlen, den der Ruhrverband seit vielen Jahren und mit unterschiedlichsten Methoden gegen die aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze führt.

Regelmäßige Hochwasser fehlen

Im Sommer, wenn dichte Algenteppiche den heimischen Wassersportlern ihr Freizeitvergnügen vermiesen, schickt der Ruhrverband Mähboote auf die Stauseen, die wenigstens zeitweise für eine freie und befahrbare Wasseroberfläche sorgen. Massenhaft hat der Ruhrverband zudem in den letzten Jahren Rotfedern im Kampf gegen die Wasserpflanze ausgesetzt.

In den Winterhalbjahren sollten eigentlich regelmäßige Hochwasser dafür sorgen, dass die Seen richtig durchgespült werden, erklärt Brinkmann. Steigt der Wasserpegel nach heftigem Regen an, sorgt das Hochwasser dafür, dass etwa in Wetter der Harkortsee durchspült wird und auch brüchig gewordene Pflanzenreste der Wasserpest aus dem See herausgespült werden.

Pflanzenreste setzen Rechen zu

„Letztes Jahr aber hatten wir kein Winterhochwasser, und eigentlich liegen schon mehrere trockene Jahre hinter uns. Dann aber bleiben die alten Pflanzen im See. Die Wasserpest treibt dann im Frühjahr aus diesen alten Pflanzen wieder aus und gelangt von dort viel schneller wieder an die Oberfläche, als wenn junge Pflanzen vom Boden des Sees aus nachwachsen müssen“, berichtet Thomas Brinkmann weiter. Und außerdem nehmen die Pflanzen dadurch auch erheblich an Volumen zu. „Das macht uns zu schaffen; denn jetzt treiben diese Pflanzenreste in die Rechen der Kraftwerke und setzen sie zu. Die automatische Rechenreinigung ist mit diesen Massen überfordert, so dass das Kraftwerk immer erst abgestellt werden muss, bis die Rechen gereinigt sind.“

Die Reste der Elodea werden in eine Grube gekippt. „Aber wenn die voll ist, müssen die Pflanzenreste abgefahren werden. Das genau tun die vielen Container-Lastwagen, die man frühmorgens am Obergraben beobachten kann“, erklärt Thomas Brinkmann. „Übrigens haben wir deswegen diesen Weg auf dem Obergraben auch für Fußgänger und Hundebesitzer gesperrt, weil es dort wegen der Lkw viel zu gefährlich für sie ist.“

Die Laster bringen die Pflanzenreste zur sogenannten Treibzeug-Kompostieranlage auf dem Gelände des Klärwerks in Hagen-Vorhalle. Brinkmann: „Das Treibzeug enthält zwar eine Menge Unrat, ist aber vorwiegend organisch.“ Die kanadische Wasserpest Elodea beschert den Mitarbeitern des Ruhrverbands nicht nur über das ganze Jahr verteilt viel Arbeit, sondern sie kostet das Wasserwirtschaftsunternehmen auch richtig viel Geld.