Warnung vor Lichtverschmutzung am Viadukt in Herdecke

Ein Blick von der Kaisbergaue auf die Eisenbahnbrücke: Wäre eine Beleuchtung des Viadukts ein touristisches Highligt oder eine überflüssige Lichtverschmutzung? In Herdecke wird das derzeit diskutiert.
Ein Blick von der Kaisbergaue auf die Eisenbahnbrücke: Wäre eine Beleuchtung des Viadukts ein touristisches Highligt oder eine überflüssige Lichtverschmutzung? In Herdecke wird das derzeit diskutiert.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Eine Beleuchtung für den Blickfang über der Ruhr in Herdecke beschäftigt die Politiker. Sponsoren sollen Projekt finanzieren, Umweltschützer sind kritisch.

Herdecke..  Wäre ein beleuchtetes Viadukt ein touristisches Highlight oder eine überflüssige Lichtverschmutzung? Oder am Ende gar Beides? Diese Fragen werden die Herdecker Politiker in den nächsten Monaten beschäftigen. Zunächst einmal aber ließen sie sich von zwei Experten über die touristische Wirkung und die mögliche Belastung der Umwelt informieren.

Schon länger gibt es den Vorschlag der CDU, doch einmal eine Beleuchtung des Eisenbahnviadukts zu überprüfen. Wichtig dabei: Eine wie auch immer geartete Beleuchtung soll die Stadt Herdecke und ihre Bürger nichts kosten. Und: Die Pfeiler stehen in Herdecke im Landschaftsschutzgebiet und auf Hagener Seite sogar in einem Naturschutzgebiet. Macht das eine Beleuchtung unmöglich oder vielleicht nur schwieriger?

Die Sponsoren will Lukas Henseleit besorgen. Dem Beleuchtungsprojekt über der Ruhr hat er den Arbeitstitel „Das Lichtviadukt“ gegeben. Durch das Quartier Ruhraue und die gestartete Bebauung der restlichen Westfalia-Flächen sei das Eisenbahnbauwerk bereits wieder mehr in den Vordergrund gerückt. Nun will er „das Monument aus dem Dornröschenschlaf wecken.“

Vieles bewegt sich noch im Reich des Möglichen. Werden alle Bögen beleuchtet oder nur einzelne? Soll sich das Licht dimmen lassen oder in fester Stärke leuchten? Kommt Farbe zum Einsatz oder bleibt es bei einem hellen Ton? Das alles hängt davon ab, was gewünscht wird, aber auch davon, wie viele Sponsoren sich finden lassen. 18 000 Euro würde das „Lichtviadukt“ im günstigsten Falle kosten, 88 000 Euro ließen sich aber auch dafür ausgeben. Frank Zagler, Beigeordneter für die Finanzen, machte vor den Fachpolitikern aus den Bereichen Tourismus und Umwelt noch einmal deutlich: Von der Stadt ist kein Geld für die Anschaffung zu erwarten, auch nicht für die Folgekosten, „und seien sie auch noch so niedrig.“

Parteien wollen weiter beraten

Bleiben die Naturschützer. Lukas Henseleit hat sie als „Zielgruppe und Ansprechpartner“ seines Projektes mit auf dem Radar. Und er spricht auch davon, „die ökologischen Aspekte integrieren“ zu wollen. Das dürfte nicht ganz einfach werden, wie die Ausführungen von Holger Sticht vom BUND deutlich machten. Für ihn stellt Lichtverschmutzung „ein wachsendes Problem dar“. Licht sei ein künstlicher Eingriff in die Landschaft. „Die Evolution hat das nicht eingeplant“, so Sticht. Die Folge: Insbesondere Insekten fühlen sich angezogen und verbrennen an den Leuchten. Oder sie streben zum Licht hin und mit ihnen die Vögel, die sie gerne fressen. Vögel überhaupt haben Probleme mit dem Licht. Sie halten sie für Gestirne, fühlen sich angezogen, verlieren die Orientierung, ziehen sich Verletzungen zu oder sterben.

Für besonders problematisch hält Sticht, dass auf Hagener Seite das Viadukt in einem Naturschutzgebiet steht, „auch wenn politischer Wille am Ende Beschlüsse durchsetzen kann, die zu Lasten der Natur gehen.“ Hier sei allerdings zu fragen, ob die Viadukt-Beleuchtung wirklich eine Notwendigkeit sei.

Die Politiker wollen ihr neues Wissen mit in die Fraktionen nehmen und zunächst einmal beraten.