Warnsystem gegen Hochwasser im Ruhrtal

Wie hier am 13. November 2010 am Herdecker Bach soll Hochwasserschutz in Zukunft nicht mehr aussehen. Man will besser vorbereitet sein.
Wie hier am 13. November 2010 am Herdecker Bach soll Hochwasserschutz in Zukunft nicht mehr aussehen. Man will besser vorbereitet sein.
Foto: Feuerwehr Herdecke
Was wir bereits wissen
Die Untere Wasserbehörde Ennepe-Ruhr braucht ein dichtes Netz von Mess-Stellen für ein Hochwasser-Warnsystem in Wetter und Herdecke.

Wetter/Herdecke..  Erich Janzing kann es nicht glauben. „Die Stadt Herdecke will gemeinsam mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis mit Regenmessungen in einer Zeit von nur drei Jahren statistisch relevante Daten bekommen?“, fragt sich der 89-Jährige Wetteraner (wir berichteten). Naturwissenschaftlich sei das nicht zu akzeptieren. Stattdessen bietet der langjährige Mitarbeiter der Volkssternwarte Hagen einen Datensatz an, „der 60 Jahre zurück reicht“. Seit sechs Jahrzehnten würden die Regenmengen von den Betreibern der Sternwarte gemessen. Zuverlässig und streng wissenschaftlich.

Daten, die Wolfgang Flender, Leiter der Unteren Wasserbehörde im Kreis, gerne in seine Sammlung einfließen lässt. Doch brauche der Kreis gemeinsam mit den Städten – also auch Herdecke – ein wesentlich dichter gezogenes Netz von Messstellen, um die künftigen Aufgaben erfüllen zu können. Zum einen geht es darum, die Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen, die zum Ziel hat, Wasser nachhaltig und umweltverträglich zu nutzen. Zum anderen müssen sich die Städte und der Kreis verpflichtend um den Hochwasserschutz kümmern. In Wetter geht es dabei konkret um die Elbsche, in Herdecke ist der Herdecker Bach im Blickfeld.

Niederschlagsabflussmodell

Für diese Bäche und ihr Einzugsgebiet, also die Zuflüsse rechts und links, will der Kreis gemeinsam mit den Städten ein Niederschlagsabflussmodell erstellen, um konkrete Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. „Wenn wir in diesem Zusammenhang auf bestehende Daten zurückgreifen können, ist das gut“, sagt Flender. Doch Daten aus der Nachbarstadt könnten auf der falschen Seite einer Wasserscheide liegen, also nicht mehr relevant sein. Wichtig sei zudem, dass die Daten zuverlässig seien und den statistischen Anforderungen genügen. „Die Messungen werden später auf einem Server vielen Nutzern zur Verfügung gestellt, da müssen sie vergleichbar sein.“

Deutscher Wetterdienst oder auch Ruhrverband könnten nach Meinung von Flender gute Datenlieferanten sein, dennoch soll kreisweit noch ein eigenes Messnetz aufgebaut werden. Dabei interessiert zum einen, wie viel Wasser wo vom Himmel fällt. Zum anderen wollen die Umweltexperten herausfinden, wie das Wasser in der Natur abfließt. Aus diesen Daten, so Flender, könnten später Modelle errechnet werden, die nicht nur deutlich machen, wo in den Hochwasserschutz noch investiert werden muss.

„Wir können so auch ein Warnsystem installieren, um eine halbe Stunde vor einer Flutwelle noch Schutzmaßnahmen ergreifen zu können“, erklärt der Fachmann. Regenereignisse seien teilweise sehr partiell. Gehe oberhalb des Herdecker Bachs ein Starkregen nieder, könnten Anlieger weiter unten oder auch die Freiwillige Feuerwehr informiert werden, um entsprechend zu reagieren.

Langfristig Daten sammeln

Für die Abflussmodelle reichen den Wasserfachleuten tatsächlich Daten von ein paar starken Regentagen. „Natürlich ist es immer besser, langfristig Daten zu sammeln“, betont Wolfgang Flender. Das würde auch geschehen. „Und dann kann man die entsprechenden Modelle immer wieder überprüfen und anpassen.“