Vorlesen soll Kinder fürs Zuhören gewinnen

Vorlesewettbewerb der Grundschulen in Herdecke: D
Vorlesewettbewerb der Grundschulen in Herdecke: D
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Was wir bereits wissen
Spannend wurde es bei der Endausscheidung des Vorlesewettbewerbs der Herdecker Grundschulen. Für die Gewinner gab es Buchpreise.

Herdecke..  Das Wichtigste beim Vorlesen sind „das Denken und die Fantasie“, hat der Schauspieler Rufus Beck einmal gesagt. Er ist der Überzeugung, dass die „Zuhörer merken, wenn man etwas unbedacht oder fantasielos vorliest. Dann wird es langweilig. Gutes Vorlesen ist eben, wenn sich keiner langweilt“. Offenbar haben die Schüler beim Vorlesewettbewerb der Grundschulen am Freitag alle richtig gut vorgelesen, denn gelangweilt hat sich wohl niemand. Auch die Jury nicht.

Sabine Jessinghaus, Leiterin der Schraberggrundschule, hat vor 13 Jahren den Lesewettbewerb zunächst nur an ihrer Schule ins Leben gerufen. „Das ist ein Wettbewerb nicht nur für die Besten, sondern für alle Kinder. Die Vorentscheidung fällt in den Klassen. Dort bekommt jedes Kind entsprechend seinem Vermögen einen Text, den es vorliest“, erklärt sie. „Die ganze Klasse entscheidet dann anhand erarbeiteter Kriterien, wer die Klasse bei der Schulentscheidung als Vorleser vertritt.“ Andere Grundschulen griffen die Idee auf; so konnte schließlich der Vorlesewettbewerb der Grundschulen auch auf städtischer Ebene ausgetragen werden.

„Mein Ziel war immer, das noch weiter zu tragen auf die Ennepe-Ruhr-Ebene, aber da wollte keiner mehr mitmachen. Im Sport gehen die Wettbewerbe ja auch in höhere Ebenen, aber für das Lesen funktioniert das noch nicht“, bedauert Sabine Jessinghaus. Sie selbst staune immer wieder, welche Lesekompetenz sogar schon Erstklässler erwerben. „Und was den Wettbewerb angeht“, ergänzt sie, „der soll die Kinder motivieren und anspornen.“

Vorlesen als „gute Übung“

Warum die Pädagogin ausgerechnet das Vorlesen der Kinder für so wichtig erachtet? „Lesen überhaupt ist ein Schwerpunkt an unserer Schule und eine ganz wichtige Kulturtechnik. Sie ist besonders im Zeitalter von Computer und Handy für Kinder und Jugendliche wichtig, um mit diesen Medien kritisch umgehen zu können“, sagt Sabine Jessinghaus. Das Vorlesen sei für die Kinder immer eine gute Übung, Selbstbewusstsein zu entwickeln; außerdem mache es ihnen Spaß, Texte zu erlesen. Sie ist überzeugt: „Die Kinder lernen beim Vorlesen, dass man mit seinem Vortragen die Menschen mitnehmen kann. Das ist besonders heute wichtig, wo die Kinder so sehr auf das Visuelle konzentriert und kaum zum Zuhören zu bringen sind.“

Vom Vorlesen zum Zuhören: Das genau mussten am Freitag nämlich alle Schüler und Jurymitglieder, als die jeweiligen Jahrgangsgewinner der Grundschulen Robert Bonnermann, Vinkenberg und Schraberg bei der städtischen Endausscheidung ihre Texte vortrugen. In der Jury saßen Gabi Stange vom Jugendamt der Stadt Herdecke, Wolfgang Schmiedel als ehemaliger Leiter der Schrabergschule und Margit Möller von der Bürgerstiftung. Die Teilnehmer der Endausscheidung mussten jeweils drei Minuten einen bekannten Text und anschließend jeweils zwei Minuten einen unbekannten Text vorlesen.

Finale ist entschieden

Die stolzen Gewinner sind: 1. Klasse 1. Platz Jasmin Flotow (Grundschule Vinkenberg), 2. Sinja Heismann (Robert-Bonnermann-Schule) und Lilly Moldenhauer (Grundschule Schraberg); 2. Klasse: 1. Platz Leonard Janko (Schraberg) und Mattis Weigt (RBS); 3. Klasse: 1. Lasse Rothe (Schraberg), 2. Lukas Lippold (Vinkenberg), 3. Maximilian Kaschel (Scharberg); 4. Klasse: 1. Platz Justin Kersting (Schraberg), 2. Katharina Husemann (Schraberg), 3. Matteo Stille (RBS).