Vom richtigen Umgang mit dem Rollator

Aufrecht stehen, die Griffe nicht zu hoch einstellen und immer nah am Rollator bleiben: die Mitarbeiter der GVS-Seniorenheime nutzen die Gehhilfe vorbildlich. Sie werden ihr Wissen nun auch an die Bewohner weiter vermitteln.
Aufrecht stehen, die Griffe nicht zu hoch einstellen und immer nah am Rollator bleiben: die Mitarbeiter der GVS-Seniorenheime nutzen die Gehhilfe vorbildlich. Sie werden ihr Wissen nun auch an die Bewohner weiter vermitteln.
Foto: Privat
Mitarbeiter der Altenzentren in Herdecke wurden jetzt im Umgang mit der mobilen Gehhilfe geschult, damit sie das Wissen an die Senioren weitergeben können.

Herdecke..  Es geht darum, die Menschen in Bewegung zu bringen. Menschen, die gerade in diesem Bereich eingeschränkt sind. Nicole Selent, Mitarbeiterin des Hagener Stadtsportbundes und dort im Fachbereich Qualifizierungsarbeit tätig, setzt dabei auf den Rollator. Und vor allem auf den richtigen Umgang mit diesem Hilfsmittel. In einer Fortbildung hat sie nun Mitarbeitern der Sozialbetreuung in den GVS-Altenzentren die richtige Nutzung der mobilen Gehhilfen nahegebracht. Denn, so ihr Fazit beim Blick auf die viele Senioren, die mit dem Rollator unterwegs sind: „Die meisten nutzen ihn nicht richtig.“

„Bewegungsförderung ist in unseren Häusern Konzept“, sagt Gabriele Russak, Sozialbetreuerin im Altenzentrum Herdecke. „Wenn es durch unsere Angebote gelingt, die Mobilität und die Selbstständigkeit der Hausbewohner zu fördern, erreichen wir viel für die Gesundheit und Lebensqualität“. Doch bevor die Bewohner das erste Rollator-Training absolvieren, mussten erst einmal die künftigen Trainer selbst ran. Aufstehen, hinsetzen, das richtige Schieben oder auch das Überwinden von Treppenstufen – es gibt viele Aspekte, die im Alltag mit dem Rollator berücksichtigt werden müssen.

Hilfe zum Aufrichten

Bevor der erste Schritt gemacht wird, muss die Gehhilfe auf den Nutzer eingestellt werden. „Wenn man sich umschaut, schieben viele Senioren ihren Rollator wie einen Kinderwagen vor sich her“, sagt Nicole Selent. Die Arme vorgestreckt, den Rücken womöglich noch gebeugt. „Da sind Rückenschmerzen und Nackenprobleme programmiert“, weiß die Trainerin. Der Rollator solle weniger als Stütze, denn als Hilfe zum Aufrichten und als Sicherheit für einen unsicher laufenden Menschen dienen. „Ich muss also sehr nah an den Griffen stehen und die Arme nah am Körper halten“, erklärt die Expertin.

Sind die ersten Schritte gemacht, können sich die angehenden Rollator-Trainer und später auch ihre Schützlinge auf schwierigeres Terrain wagen. Asphalt, Schotter oder auch ein Stückchen Wiese – all das muss mit dem Gerät überwunden werden. Mit der richtigen Technik und auch ein wenig Mut kein Problem. Aber eine Bordsteinkante oder gar Treppenstufen? Auch da kann Nicole Selent Tipps und Tricks vermitteln. Bremse ziehen, ganz nah an den Rollator heranrücken, ankippen und weiter. Wichtigster Hinweis dabei: „Stufen niemals rückwärts überwinden.“

Mobilität lässt sich mit einem solchen Training auf jeden Fall fördern. Aber was ist mit dem Spaß, den die Menschen zum Beispiel beim Tanz hatten? Müssen sie darauf verzichten, wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist? Glaubt man Nicole Selent, geht das Leben mit einem Rollator mit all seinen Facetten weiter. „Wir haben mit den GVS-Mitarbeitern sogar das Tanzen mit dem Rollator geübt. Einmal hin, einmal her – auch Rundherum ist mit Rollator nicht schwer.“ „Das Seminar hat uns gezeigt, wie wir den Rollator für Bewegungsübungen in unserer Arbeit mit den Senioren einsetzen können – und das mit hohem Spaßfaktor!“ ist Ilona Paladino aus dem GVS-Heim in Kirchende begeistert.

Aufgemotzte Modelle

Für die Mitarbeiterin des Stadtsportbundes ist die Karriere des Rollators ein Glücksfall für alle Senioren, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. „Sie haben so die Möglichkeit, wieder raus zu kommen und auch soziale Kontakte zu pflegen.“ Und die Vielfältigkeit bei den Modellen, die inzwischen zur Verfügung stehen, zeige, dass das Thema Rollator in der Gesellschaft angekommen sei. Unter dem Motto „Pimp my Rollator“ könne man die Gehhilfen ja inzwischen mit einem fetzigen Netz, Getränkehaltern oder Schirmen sogar richtig aufmotzen.

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