Vier Zahlen können Leben an der Ruhr retten

Das erste Schild für das Ruhr-Standort-Informations-System in Herdecke wurde jetzt von Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster (2.v.li.) angebracht. Mit im Bild der Herdecker DLRG-Vizevorsitzende Carsten Fröse und als Spender Beate und Carl-August-Thomashoff.
Das erste Schild für das Ruhr-Standort-Informations-System in Herdecke wurde jetzt von Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster (2.v.li.) angebracht. Mit im Bild der Herdecker DLRG-Vizevorsitzende Carsten Fröse und als Spender Beate und Carl-August-Thomashoff.
Foto: Felix Beese
Was wir bereits wissen
Schilder am Ufer der Ruhr in Herdecke sollen vor allem auswärtigen Radfahrern zeigen, wohin genau Hilfe gelenkt werden muss

Herdecke..  Die Zahl 8610 kann Menschenleben retten. Die Zahl 8610 steht für einen Standort an der Ruhr mit 86,1 Kilometern Entfernung zur Mündung, die Null bezeichnet die Herdecker Uferseite des Flusses. Die Zahl 8610 steht auf einem Schild, das wie weitere 15 Schilder auch vor allem auswärtigen Radfahrern wie Ruderern zeigen soll, wo sie sich gerade befinden, wenn sie plötzlich in Not geraten sind.

Nicht jeden Tag kommt das vor. Und doch muss die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (kurz DLRG) immer wieder von ihrer Station am Herdecker Viadukt ausrücken, wenn Kanuten in Seenot geraten oder Radfahrer böse gestürzt sind. Herdecker können dann vielleicht noch sagen, wo genau Retter gefragt sind. Doch oft genug sind es Auswärtige, die gerade noch wissen, dass sie entlang der Ruhr unterwegs sind und vorhin wohl an Wetter oder an Herdecke vorbei gebraust sind. Für schnelle Hilfe taugen solche Angaben wenig.

Carl-August Thomashoff spendet

Herdeckes Bügermeisterin Katja Strauss-Köster ist das vor zwei Jahren noch einmal so richtig bewusst geworden, als in Wetter ein Junge in der Ruhr ertrunken ist. „Da zählen Minuten“, hat sie aus dem schrecklichen Vorfall gelernt. Deshalb ist sie gleich aktiv geworden, als sie an einem runden Tisch aller Herdecker Rettungskräfte erfuhr, dass in ihrer Stadt immer noch Schilder mit Standortangaben entlang der Ruhr fehlen. Grund: Geldmangel.

Das wollte sie nicht gelten lassen. Mit Carl-August Thomashoff fand die Bürgermeisterin schnell einen Sponsor, der die DLRG mit den nötigen Finanzmitteln zum Ankauf der Schilder ausgestattet hat. Bei Beate und Carl-August Thomashoff rannte sie offene Türen ein. Beate Thomashoff war selbst schon einmal bei einer Radtour mit Freunden gestürzt – und keiner aus der Gruppe konnte genau sagen, wo denn jetzt ärztliche Hilfe nötig war.

Das soll in Herdecke kein Problem mehr sein. Egal, ob ein Kanute gekentert ist, zwei Radfahrer zusammengestoßen sind oder ein Fußgänger einen Herzanfall erlitten hat – immer sollte ein Schild möglichst in Sichtweite sein. Am Standort mit der Nummer 8510 geht es los. Das ist auf Höhe des Minigolf-Platzes. Mit der Standortnummer 9070 endet die Beschilderung auf Herdecker Grund. Das ist am Ruhrschlösschen kurz vor der Brücke über den Hengsteysee. Und ein Schild hat auch hinten eine ungerade Zahl, das Zeichen für die Retter, dass sich ihr Einsatzort auf der Hagener Seite der Ruhr befindet. Aber da gibt es auf Höhe der Tennishalle eine kleine Enklave, und auch hier wird ein Schild aufgestellt.

In Wetter gibt es die gelb geränderten Tafeln mit dem weißen Kreuz auf weißem Grund schon länger. Auf jedem steht links unten in der Ecke www.rusis.de. Der Aufruf der entsprechenden Seite im Internet führt zum Ruhr-Standort-Informations-System. Von Bochum aus hat die DLRG es aufgebaut. Witten fehlt noch, Hagen ebenso und Dortmund. Ansonsten bieten RuSIS-Schilder zwischen Essen und Schwerte schnelle Orientierung.

Drei Tafeln auf Vorrat

Nicht immer können die Schilder ihren Zweck erfüllen. Hier wird eine Tafel besprüht, da wird eine geklaut. „Das gehört wohl zu unserer Zeit“, stellt Herdeckes DLRG-Chef Wolfgang Muhs resigniert fest. Und hat mit seinem Vize Vorsorge getroffen: Die Spende von Carl-August Thomashoff reichte für drei Schilder auf Vorrat. Damit ja keine der lebensrettenden Nummern fehlt.