Viele Ideen statt Abriss der Altanlagen am Koepchenwerk

Trotz Denkmalschutzes will RWE am Koepchenwerk das Schieberhaus am Oberbecken mit den markanten drei Buchstaben, die oberirdischen Druckrohrleitungen und das Krafthaus am Ufer des Hengsteysees abreißen lassen.
Trotz Denkmalschutzes will RWE am Koepchenwerk das Schieberhaus am Oberbecken mit den markanten drei Buchstaben, die oberirdischen Druckrohrleitungen und das Krafthaus am Ufer des Hengsteysees abreißen lassen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Während RWE weiter am Abriss denkmalgeschützter Gebäude am Koepchenwerk festhält, gibt es aus Herdecke alternative Vorschläge.

Herdecke..  RWE hat mit seinen Abriss-Plänen am Koepchenwerk viele Herdecker aufgeschreckt. Nach dem Antrag bei der Stadt, aus finanziellen Gründen das Schieberhaus am Oberbecken mit dem Schriftzug RWE, die oberirdischen Druckrohrleitungen am Hang und das Krafthaus am Hengsteysee-Ufer aus der Denkmalliste zu streichen, kristallisiert sich eine große Mehrheit heraus, die für den Erhalt der Gebäude ist. Vor einer Ortsbegehung am Donnerstag, 16. April, haben sich verschiedene Kreise in Herdecke Gedanken über Abbruch-Alternativen gemacht.

Stadt

Herdeckes untere Denkmalbehörde will sich Ende April gemeinsam mit Kollegen vom Ennepe-Ruhr-Kreis mit dem westfälischen Amt für Denkmalpflege in Münster beratschlagen. Während Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster RWE in Gesprächen vom Erhalt der Denkmäler überzeugen wollte, gab es kürzlich bereits eine Besichtigung der Anlage mit Vertretern des Essener Energie-Unternehmens, dem Bauamt und Denkmalpflegern aus Münster. Zudem wies die Stadtverwaltung NRW-Bauminister Michael Groschek und Regierungspräsident Gerd Bollermann auf die Lage hin. Auch Landrat Dr. Arnim Brux, der sowohl im RWE-Regionalbeirat Nord als auch in Gremien des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) sitzt, ist zur heutigen Ortsbegehung eingeladen.

SPD

Auch die heimische SPD will das Thema landesweit streuen und offensiv Alternativen zum Abriss aufzeigen. „Das Koepchenwerk bietet sowohl aus touristischer als auch aus energiepolitischer Sicht sehr hohe Potenziale für die Stadt Herdecke“, so der sachkundige Bürger Frank Boberg. Vorstellbar wäre eine Nutzung als Schulungs- und Besucherzentrum zum Thema Energie, bei dem die Einzigartigkeit des Pumpspeicherkraftwerkes herausgestellt und veranschaulicht werden kann. Aus Sicht eines SPD-Arbeitskreises könnte dadurch ein touristischer und wirtschaftlicher Anziehungspunkt geschaffen werden, der in ein touristisches Gesamtkonzept integriert werden sollte.

Für Jan Schaberick, Vorsitzender des Ausschusses für Bauen, Planen und Verkehr, ist auch die Umgestaltung des Krafthauses zu einem Veranstaltungsraum sowie die Einrichtung eines Museums unter anderer Trägerschaft denkbar. „Das würde gut zur Route der Industriekultur passen. Sicher scheint aber, dass es aus Herdecker Töpfen kein Geld für ein solch großes Projekt geben kann“, so der SPD-Politiker, der dabei an den LWL denkt: „Die betreiben einige Museen, dazu würde das Koepchenwerk gut passen.“ Ein LWL-Sprecher sagte auf Anfrage der Redaktion, dass der Verband angesichts finanzieller Not derzeit keine neuen Museumsstandorte sucht.

Grüne

Mit Blick auf die Zeche Zollern (Bergwerk) oder die Henrichshütte (Stahlwerk) wünschen sich auch die Grünen, dass der LWL ein Museum einrichtet. „Hier könnte die Geschichte der Energieerzeugung bis zur Gegenwart und Zukunft – Stichwort Erneuerbare Energien – dargestellt werden.“ In der großen Werkshalle gebe es die Chance, Modenschauen von Soeren, Konzerte ohne Lärmbelästigung für Anwohner und vieles mehr zu veranstalten.

Zudem könnte wie früher ein Schrägaufzug entlang der alten Rohre zum Speicherbecken für zusätzliche Attraktivität sorgen, könnte er doch Besucher zu einer „grandiosen Aussichtsplattform“ bringen. Dafür könne man ebenso Eintrittsgeld nehmen wie für eine nostalgische Zugfahrt auf der bestehenden Schienenstrecke zum Werk. Dadurch seien schon Touristen 1989 bei der Eröffnung des neuen Kraftwerks angelockt worden. „Damit könnte auch eine attraktive Verbindung zur Hagener Seite geschaffen werden, auf der ja in nächster Zeit auch Pläne zur Steigerung der touristischen Attraktivität in Angriff genommen werden sollen“, so die Grünen, die parteiübergreifend agieren wollen: „Herdecke hat hier eine historische Chance, eine weitere attraktive Landmarke zu erhalten und weiterzuentwickeln“, sagtPeter Gerigk.

Heimat- und Verkehrsverein

Ein neu gegründeter Arbeitskreis zur Stadtgeschichte hat mit dem Vereinsvorsitzenden eine Stellungnahme zum Koepchenwerk verfasst. „Wir kämpfen auch für den Erhalt der Altanlagen, sollten RWE aber nicht unter Druck setzen“, sagt Christian Münch. Gleichwohl erinnern die Herdecker das Unternehmen an die Konsequenzen nach einem Eintrag in die Denkmalliste: „Daraus erwachsen dem Eigentümer besondere Pflichten und Rechte am Denkmal. So hat der Eigentümer – soweit ihm dies (finanziell) zuzumuten ist – das Denkmal instand zu halten, sachgemäß zu behandeln und so zu nutzen, dass dessen Erhaltung auf Dauer gewährleistet ist.“

Kritisch heißt es, dass RWE einerseits Imagewerbung mit dem Koepchenwerk gemacht habe, andererseits das Denkmal verkommen ließ. „Von einer Pflege, wie es das Denkmalschutzgesetz verlangt, kann – zumindest nach dem äußeren Eindruck – nicht die Rede sein. In der Vergangenheit wurden die regelmäßig notwendigen Erhaltungsaufwendungen offensichtlich nicht in hinreichender Weise durchgeführt, so dass heute ein Reparaturstau besteht.“ So sei etwa die Fassade, die seit Längerem bröckelt, nicht repariert und mit einem Netz versehen worden, das den stark frequentierten Fuß- und Radweg verenge.

Zum historischen Wert des Koepchenwerks: „Es gehört zu den wenigen, baulich noch weitgehend im originalen Zustand erhaltenen, großen industriellen Wasserkraftwerken in Deutschland.“ Herdecke sei einer von den ersten beiden Standorten, wo die Pumpspeichertechnik eingeführt wurde. Daher bringt der Verein Institutionen ins Spiel, die sich um die Denkmalkultur kümmern und über die womöglich Gelder akquiriert werden könnten.

Museums-Idee für RWE nicht vorstellbar

RWE hat einen Fragenkatalog zum Abriss-Antrag am Koepchenwerk von der Lokalredaktion erhalten. Hier einige Antworten:

Gibt es Alternativen zum Abriss?

Neue, realisierbare Nutzungsmöglichkeiten gibt es nicht. Das haben die sorgfältigen Untersuchungen der Fachleute der RWE-Immobilien ergeben. Wir haben eine Fremdnutzung beziehungsweise Ausparzellierung der Altanlage oder Teilen davon geprüft. Beides ist vor dem Hintergrund des laufenden Kraftwerksbetriebs und den damit verbundenen Standortgegebenheiten sowie Sicherheitsanforderungen (z.B. Not- und Rettungswege) nicht möglich.

Ist ein Kompromiss zum Abriss denkbar, etwa Teil der drei Gebäude bzw. Einrichtungen zu erhalten?

Hierzu müssen die laufenden Gespräche und Standortüberlegungen abgewartet werden.

Sind Museums-Modelle, wie RWE sie am Wasserkraftwerk Heimbach oder im Umspannwerk Recklinghausen betreibt, in Herdecke möglich?

Das Wasserkraftwerk Heimbach ist kein öffentliches Museumsmodell, sondern ein unter Denkmalschutz in Betrieb befindliches Kraftwerk. Beim Umspannwerk Recklinghausen ist der Museumsteil herausgelöst und verfügt über öffentliche Platz- und Straßenanschlüsse. Die Altanlage Koepchenwerk steht seit ca. 20 Jahren im Betriebs- und Nutzungsstillstand. Sie befindet sich in Insellage auf einer in Betrieb befindlichen Kraftwerksfläche und ist dreiseitig von Hochspannungsmodulen bis 220 000 Volt umschlossen. Die vierte Grundstücksseite ist der direkte Seewasseranschluss. Eine öffentliche Zuwegung bzw. äußere Erschließungsanbindung als Museumsmodell ist somit ausgeschlossen.

Was sagen Sie zum Vorwurf, RWE habe die Denkmäler am Koepchenwerk bewusst nicht in Schuss gehalten, um den Abriss zu forcieren?

Diesen Vorwurf weisen wir zurück. Obwohl die 1994 außer Betrieb genommene Altanlage für RWE Power keinen Nutzen mehr hat, haben wir in die Instandhaltung der Gebäude rund 2,5 Millionen Euro investiert. Die baulichen Anlagenteile weisen im Kern die Substanz von Gebäuden nach einer Nutzungsdauer von ca. 85 Jahren aus.

Gab es Gespräche mit der Stadt?

RWE Power hat seit 2013 verschiedene Gespräche mit den zuständigen Behörden (Verwaltung, Untere Denkmalbehörde und Bauaufsicht) zum möglichen Rückbau der unter Denkmalschutz stehenden Altanlage des Koepchenwerks geführt.