Versöhnlicher Abschied in Herdecke von der Hauptschule

Das Abschlussfoto mit aktuellen sowie ehemaligen Schülern und Lehrern: Die Hauptschule verabschiedete sich am alten Standort von den Herdeck
Das Abschlussfoto mit aktuellen sowie ehemaligen Schülern und Lehrern: Die Hauptschule verabschiedete sich am alten Standort von den Herdeck
Foto: Steffen Gerber
Was wir bereits wissen
Mit einem kleinen Festakt verabschiedete sich die Hauptschule Herdecke von der Stadt und den Kooperationspartnern. Viele Ehemalige kamen.

Herdecke..  Zwischendurch flossen ein paar Tränen: Mit einer kleinen Feier wollte sich die Hauptschule gebührend aus Herdecke verabschieden. Zu dem Festakt in der Aula am früheren Standort (heute die Heimat der Werner-Richard-Grundschule) kamen ehemalige Schüler und Lehrer sowie Vertreter der Kooperationspartner wie die Arbeitsagentur, Bürgerstiftung und Drogenberatung. Sie alle erhielten wie der langjährige Hausmeister und städtische Mitarbeiter als Andenken eine Tasse mit dem Puffin-Motiv. Jene Figur, die gewissermaßen als Hinterlassenschaft am Bleichstein an die Hauptschule über den Tag hinaus erinnert.

Abschiedsworte Schulleitung

Sowohl der kommissarische Leiter Hartmut Thom als auch seine Vorgängerin Carmen Rudolph fanden trotz des traurigen Anlasses versöhnliche Worte. „Auch wenn die Schulform tot ist, hatten wir doch etwas Besonderes und spezielle Aufgaben, die sich aber verändert haben. Nicht alles hier war schlecht“, meinte Thom, der an die Anfangszeit vor knapp 45 Jahren in den wilden Sechzigern mit neuen Bildungskonzepten erinnerte und die gute Zusammenarbeit mit der Stadt lobte. Das konnte Rudolph, die mittlerweile in Haspe unterrichtet, bei ihrer 16. Abschlussfeier bestätigen. „Es fällt schwer, nach so vielen Jahren Abschied zu nehmen, wobei mein Einstieg als Gymnasiallehrerin auch nicht leicht war. Ich freue mich aber, dass wir auch auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern zurück blicken können und unsere Schule in guten Händen ist.“

Abschiedsworte Lehrer

Ina Böhm, Lothar Marquard und Schulsozialarbeiterin Kirsten Stich blicken wehmütig auf viele schöne Ereignisse zurück, zum Beispiel an das Schulduell des Radiosenders Einslive, tolle Klassenfahrten u.a. nach London oder erfolgreiche Projektwochen. Bei den Talenttagen etwa im Verbund mit den Nachbarschulen konnten auch Angebote wie einst vom Kanuclub integriert werden. Unvergessen bleibt neben Segelstunden auch die Mofa-Ausbildung mit abschließender Führerscheinprüfung, was Fahrschulen als echte Konkurrenz ansahen.

Zuletzt habe es aber viele Wellenbewegungen gegeben: „Nach der Abschiebung in die Container hat sich schon eine Art Endzeitstimmung breit gemacht, wobei sich das optimale Arbeiten in kleinen Gruppen jüngst bei den guten Abschlussnoten niedergeschlagen hat.“ Die Ängste der Pädagogen bezüglich der eigenen Zukunft hätten sich zerstreut, alle haben neue Stellen.

Dementsprechend gelöst feierten alle nach dem offiziellen Teil mit ehemaligen Schülern und alten Kollegen. Angesichts geringer Fehlzeiten, dem persönlichen Kontakt („Ein Schüler rief mal privat einen Lehrer an und fragte, ob man ihm 1000 Euro leihen kann“) und vielen Programmen zur Berufsförderung sei das Schulleben sehr vielfältig gewesen. Bis zu den Ferien sei neben lockerem Unterricht und Ausflügen Aufräumen angesagt. „Das Mobiliar ist vergeben, die Hauptschulbücher will keiner haben.“

Abschiedsworte Schüler

Auch wenn es in der jüngeren Vergangenheit schon mal Motivationsprobleme gab, habe sich speziell die Abschlussklasse am Ende zusammen gerissen und einen rekordverdächtigen Notenschnitt erzielt. Während es für einige in der Oberstufe weitergeht, berichtete Sebastian Bojarra als „Ehemaliger“ verärgert über die Vorurteile. „Man wird schon als Hauptschüler abgestempelt, dabei ist aus vielen etwas geworden – vom Studenten bis hin zur erfolgreichen Mutter. Es ist jedenfalls an der Zeit, Danke zu sagen.“

Abschiedsworte Stadt

Laut Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster sei es der Stadt und Politik nicht leicht gefallen, die hier fest verankerte Hauptschule zu schließen. Mehr als 100 Lehrer hätten hier pädagogisch wertvolle Arbeit geleistet. „Solche Leute zu verlieren, ist schade und traurig.“ Mit den Puffins vor der Bleichsteinhalle hätten sich die Schüler ein Denkmal gesetzt. „Hoffentlich bleibt dies als eines der Wahrzeichen Herdeckes lange erhalten. So kann sich die Schule mit einem Lächeln verabschieden und wird in guter Erinnerung bleiben.“

Abschied nach langer Geschichte

Zuletzt unterrichteten sieben Lehrer noch 45 Schüler aus zwei Jahrgangsstufen. Insgesamt besuchten mehr als 3000 PennälerHerdeckes Hauptschule, den Höchststand mit etwa 450 gab es Ende der 1970-er Jahre. Knapp zehn Jahre später gab es den Zusammenschluss mit der Hauptschule Kirchende. Die Neuntklässler gehen im kommenden Schuljahr nach Witten, Hagen und Dortmund.

Zur Geschichte der Hauptschule, die 1968 auf einer Schafswiese gebaut wurde, gibt es nicht viel Material. Ende 2014 war klar, dass die Schule bereits 2015 statt 2016 schließt. Die Container, in denen zuletzt unterrichtet wurde, werden abgebaut.