Ungewöhnliche Unfallflucht

Hier wird „Im Namen des Volkes“ Recht gesprochen: Steinfries an der Fassade über dem Eingang zum Land- und Amtsgericht Essen.
Hier wird „Im Namen des Volkes“ Recht gesprochen: Steinfries an der Fassade über dem Eingang zum Land- und Amtsgericht Essen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit einem Missgeschick handelte sich eine 66-jährige Frau aus Herdecke jede Menge Ärger ein. Wegen Unfallflucht stand sie jetzt vor Gericht.

Herdecke..  Ein Versehen hätte eine 66-jährige Frau aus Herdecke jetzt teuer zu stehen kommen können. Der Rentnerin wurde eine ungewöhnliche Form der Unfallflucht zur Last gelegt. In ihrem Verfahren vor dem Amtsgericht Wetter beteuerte sie jedoch ihre Unschuld – und das letztlich mit Erfolg.

Ende August geschah der Rentnerin das Missgeschick, das ihr im Nachgang jede Menge Ärger und ein Verfahren wegen Unfallflucht einbrachte: Auf einem Parkplatz an der Stiftstraße stieg die 66-Jährige in das Auto einer Bekannten ein, schlug dabei die Beifahrertür gegen das daneben geparkte Auto und beschädigte es. Ohne darauf entsprechend zu reagieren, entfernte sie sich vom Ort des Geschehens. Die Fahrerin des anderen Wagens, die im Moment des Anstoßes zufällig in dem Pkw saß, erstattete Anzeige, nachdem sie sich von ihrer Überraschung erholt hatte.

Anfang Februar begann der Prozess gegen die Seniorin, die sich in ihrem Leben nie etwas zu Schulden hatte kommen lassen und dem entsprechend fassungslos auf der Anklagebank saß. Sie war sich keiner Schuld bewusst. Sie habe nichts bemerkt an dem Sommertag und überhaupt fahre ihre Freundin, wenn es eng sei, immer aus der Parklücke heraus und lasse sie dann erst einsteigen. Besagte Freundin konnte sich an den Nachmittag gar nicht erinnern und war überzeugt, dass nichts Ungewöhnliches vorgefallen sei. Die Fahrerin des anderen Autos erinnerte sich, dass die Herdeckerin und sie einander nach dem Zusammenstoß angesehen hätten. Ob die Rentnerin das Ganze jedoch registriert habe, das wisse sie nicht.

Gutachten eingeholt

Das Gericht entschied unter diesen Voraussetzungen, ein Gutachten zur Frage einzuholen, ob das Auto der Freundin der Herdeckerin die Schäden an dem anderen Fahrzeug überhaupt verursacht haben konnte. Jetzt wurde der Prozess fortgesetzt, und der Kfz-Sachverständige hatte keine Zweifel: Die Schäden an den beiden Wagen passten zusammen. Die Rentnerin blieb dennoch dabei: „Es tut mir leid, aber ich habe wirklich nichts bemerkt.“

Richter Heinz-Dieter Beckmann nahm ihr letztlich nicht ab, dass sie den Anstoß nicht registrierte. Allerdings glaubte er auch nicht, dass sie sich in dem Bewusstsein vom Unfallort entfernte, gerade einen Schaden verursacht zu haben. So wurde sie vom Vorwurf des unerlaubten Entfernens vom Unfallort freigesprochen. Übrig blieb die Verkehrsordnungswidrigkeit, die sie nun 35 Euro Geldbuße kosten wird.