Unfallflucht beschäftigt Gericht zwei Jahre lang

Herdecke/Wetter..  Mit einem abgefahrenen Spiegel und einer anschließenden Unfallflucht in Herdecke nahm ein Fall seinen Anfang, der das Amtsgericht Wetter zwei Jahre beschäftigte. Der Verursacher, der gar nicht fahren durfte, sorgte für Verzögerungen und hielt Zeugen auf Trab. Seine Akte konnte jetzt endlich zugeklappt werden.

Im Frühjahr 2013 beobachteten zwei Schülerinnen auf dem Kirchender Dorfweg, wie ein vorbeifahrendes Auto den Spiegel eines am Straßenrand geparkten Wagens touchierte, beschädigte und verschwand. Die Mädchen klemmten einen Zettel an den kaputten Pkw mit ihren Beobachtungen und dem vermeintlichen Kennzeichen. Dabei schlich sich allerdings ein Fehler ein, so dass Fahrzeug und Fahrer zunächst nicht ausfindig gemacht werden konnten. Wenig später begegneten einer der Schülerinnen und deren Mutter das Auto und der Fahrer erneut, und die 16-Jährige konnte sich das richtige Kennzeichen notieren und das Gesicht des Mannes einprägen. Im Zuge der folgenden Ermittlungen kam heraus, dass es sich um ein Firmenfahrzeug handelte und um einen Mitarbeiter, der keinen Führerschein besaß und zudem einschlägig vorbestraft war. Ihm wurden nun Unfallflucht und zwei Fahrten ohne Fahrerlaubnis zur Last gelegt.

Gericht verwirft Einspruch

Der bis dato eher „gewöhnliche“ Fall landete vor dem hiesigen Amtsgericht. Zunächst erhielt der Angeklagte per Strafbefehl 3200 Euro Geldstrafe, drei Monate Fahrverbot und neun Monate Sperrfrist zur Neuerteilung einer Fahrerlaubnis für die erste Fahrt und die Unfallflucht. Er legte Einspruch ein, und die Sache sollte verhandelt werden. Doch immer wieder erschien der 69-Jährige nicht zu den Terminen, oder sein Anwalt überraschte mit einem Befangenheitsantrag oder einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Richter Heinz-Dieter Beckmann, so dass zig Zeugen regelmäßig antreten mussten und dann ungehört entlassen wurden.

Als der Angeklagte dann im Januar erneut fehlte und diesmal kein Attest vorlag, verwarf das Gericht den lange zurückliegenden Einspruch gegen den Strafbefehl. Für die zweite Fahrt ohne Fahrerlaubnis erhielt er im gleichen Atemzug eine kurze Bewährungsstrafe und eine weitere Sperrfrist – per Strafbefehl. Gegen Letzteres legte er erneut Einspruch ein.

Als der Fall jetzt wieder aufgerollt werden sollte, saß der 69-Jährige tatsächlich auf der Anklagebank und bestritt, den Wagen gefahren zu haben. Die Schülerin und ihre Mutter waren sich aber sicher, den Angeklagten zu erkennen. Als ihn das Gericht letztlich unter Einbeziehung der ersten Strafe zu drei Monaten Haft auf Bewährung, 1000 Euro Geldbuße und einem Jahr Sperrfrist verurteilte, akzeptierte er, und das Urteil wurde sofort rechtskräftig.