Überschuldung in Wetter und Witten wächst kontinuierlich

Im nördlichen Ruhrgebiet sei die Schuldensituation noch alarmierender, doch auch in Witten mit der Ausnahme Rüdinghausen, Wetter und Hattingen steigen laut Creditreform die Schuldnerquoten seit 2009 kontinuierlich an.
Im nördlichen Ruhrgebiet sei die Schuldensituation noch alarmierender, doch auch in Witten mit der Ausnahme Rüdinghausen, Wetter und Hattingen steigen laut Creditreform die Schuldnerquoten seit 2009 kontinuierlich an.
Foto: waz
Was wir bereits wissen
Creditreform stellt „Schuldner-Atlas 2014 im Ruhrgebiet“ vor: In den Städten Witten, Hattingen und Wetter sind 18 599 Personen betroffen.

Wetter/Witten..  Die hiesigen Geschäftsstellen der Creditreform haben den „Schuldner-Atlas 2014 im Ruhrgebiet“ vorgestellt. Die von verschiedenen Beteiligten durchgeführte Untersuchung kommt laut Mitteilung zu besorgniserregenden Ergebnissen: Die Überschuldung wächst demnach deutschlandweit weiter an, im Ruhrgebiet sei die Situation besonders dramatisch.

Die Daten würden zeigen, dass die Überschuldungsfälle und die Schuldnerquote ansteigen. Die Situation der Verbraucher in Deutschland habe sich im vergangenen Jahr spürbar verschlechtert – und dies trotz deutlich positiver Konjunkturtrends im ersten Halbjahr.

Dabei seien die zum Teil noch altindustriell geprägten, strukturschwachen Regionen des Ruhrgebiets die eigentlichen Sorgenkinder der Überschuldungsentwicklung in Deutschland. Dies zeige auch die Detailanalyse aller Städte mit mehr als 400 000 Einwohnern über 18 Jahre in Deutschland. Hier weisen demnach Duisburg, Dortmund und Essen ohnehin bereits die höchsten Schuldnerquoten auf und verzeichnen darüber hinaus auch noch den stärksten Zuwachs.

Auch wenn im Ruhrgebiet die Arbeitslosigkeit rückläufig sei, steige die Schuldnerquote kontinuierlich. Den Verlust des Zusammenhangs zwischen diesen Quoten sieht Wolfgang Scharf, Creditreform-Geschäftsführer für das Gebiet Dortmund/Witten, in der Zunahme sogenannter prekärer Beschäftigungsverhältnisse: „Diese lassen zwar die Arbeitslosenquote sinken. Die hieraus resultierenden Einkünfte eignen sich jedoch in der Regel nicht, um sich aus einer Überschuldungssituation zu befreien.“ Den neu eingeführten Mindestlohn beurteilt er skeptisch: „Es bleibt abzuwarten, ob er eine Verbesserung der Überschuldung mit sich bringt, oder ob damit auch Arbeitsplatzverluste verbunden sein werden.“

Zahlungsverpflichtung bleibt offen

In den von der zuständigen Geschäftsstelle betreuten Kommunen Witten, Wetter und Hattingen seien zusammen 18 599 Personen überschuldet. Scharf: „Überschuldung heißt, dass der Schuldner seine fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhalts weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.“ Auch die Schere zwischen arm und reich gehe weiter auseinander. So weisen die Hattinger Stadtteile Bredenscheid-Stüter, Mitte, Niederbonsfeld, Niederelfringhausen, Niederwenigern, Oberelfringhausen und Winz-Baak eine relativ geringe Schuldnerquote von 7,27 Prozent aus, die Wittener Stadtteile Bommern, Mitte und Teile von Herbede dagegen mit 15,59 Prozent eine deutlich höhere. „Zwar ist die Situation im nördlichen Ruhrgebiet deutlich alarmierender, doch auch in Witten mit der Ausnahme Rüdinghausen, Wetter und Hattingen steigen die Schuldnerquoten seit 2009 kontinuierlich an“, mahnt Wolfgang Scharf.

Die anhaltende Niedrigzinsphase sorge ihn zusätzlich. Immobilienbesitzer, die die Phase zur Anschaffung genutzt haben, würden nach Auslaufen der Zinsbindung wesentlich höheren Zinslasten ausgesetzt sein. „Zudem ist die Sparneigung deutlich gesunken, es wird mehr konsumiert“, so Scharf. „Die erhöhte Konsumneigung darf aber die vorhandenen Mittel nicht übersteigen.“ Auch werde die Gefahr der Altersarmut durch die mangelhafte Rentenvorsorge noch verschärft.

Um gegenzusteuern, rät Scharf zu höheren und gezielten Bildungsinvestitionen. Diese sollen die „Finanzkompetenz der gesamten Bevölkerung, aber insbesondere der jungen Verbraucher“ fördern. Auch Maßnahmen wie ehrenamtliche Familienpaten könnten helfen, „Kindern in dauerhaft überschuldeten Familien Orientierung und Hilfestellung für den Aufbau eines selbstverantwortlichen Lebens zu geben.“